Chagiga — Blatt 13a
1eines gilt von den inneren Räumen, und eines gilt von den äußeren Räumen. R. Aḥa b. Ja͑qob sagte: Es gibt noch einen Himmel, der sich über den Häuptern der Tiere befindet, denn es heißt: und über den Häuptern der Tiere war ein Gebilde wie eine Veste, wie furchtbares Kristall.
2Soweit ist es dir zu sprechen gestattet, weiter zu sprechen ist dir nicht gestattet, denn so heißt es im Buche des Ben Sira: Forsche nicht nach dem, was vor dir verborgen ist, grüble nicht nach dem, was vor dir verhüllt ist. Stelle Betrachtungen an, die dir erlaubt sind, und befasse dich nicht mit Geheimnissen. Es wird gelehrt: R. Joḥanan b. Zakkaj sagte: Welche Antwort gab die Hallstimme jenem Frevler, als er sagte: ich will zu den Wolkenhöhen emporsteigen, dem Höchsten mich gleichstellen? Die Hallstimme ertönte und sprach: Frevler, Sohn eines Frevlers, Sohnessohn des gottlosen Nimrod, der die ganze Welt gegen mich aufwiegelte!
3Wieviel betragen die Jahre des Menschen? Es sind siebzig Jahre, denn es heißt: unser Leben währet siebzig Jahre und wenn es hoch kommt, achtzig Jahre. [Die Entfernung] von der Erde bis zum Himmel beträgt fünfhundert Jahre, die Dicke des Himmels beträgt fünfhundert Jahre, und ebenso [der Raum] zwischen dem einen und dem anderen Himmel.
4Und über diesen befinden sich die heiligen Tiere. Die Füße der Tiere wie diese alle zusammen. Die Fußgelenke der Tiere wie diese alle zusammen. Die Unterschenkel der Tiere wie diese alle zusammen. Die Oberschenkel der Tiere wie diese alle zusammen. Die Hüften der Tiere wie diese alle zusammen. Die Rümpfe der Tiere wie diese alle zusammen. Die Hälse der Tiere wie diese alle zusammen. Die Köpfe der Tiere wie diese alle zusammen. Die Hörner der Tiere wie diese alle zusammen. Über diesen befindet sich der Thron der Herrlichkeit. Die Füße des Thrones der Herrlichkeit wie diese alle zusammen, und der Thron der Herrlichkeit wie diese alle zusammen. Erst über ihnen thront der ewig lebende Gott, der hohe und erhabene König, und du sagtest: Ich will zu den Wolkenhöhen emporsteigen, dem Höchsten mich gleichstellen! Aber in die Unterwelt wirst du hinabgestürzt, in die tiefunterste Grube.
5NOCH ÜBER DIE SPHÄRENKUNDE VOR EINEM. R. Ḥija lehrte: Jedoch darf man einem die Hauptzüge anvertrauen. R. Zera sagte: Die Hauptzüge darf man nur einem Gerichtsoberhaupt anvertrauen, und einem, dem das Herz im Innern ängstlich ist. Manche sagen: nur dann, wenn ihm das Herz im Innern ängstlich ist.
6R. Ami sagte: Man vertraue die Geheimnisse der Tora nur dem an, der folgende fünf Eigenschaften besitzt: Hauptmann, Hochangesehener, Ratsherr, Kunstverständiger und Zauberkundiger. Ferner sagte R. Ami: Man darf die Worte der Tora keinem Nichtjuden anvertrauen, denn es heißt: keinem anderen Volke hat er also getan und seine Rechte lehrte er sie nicht.
7R. Joḥanan sprach zu R. Elea͑zar: Komm, ich will dich die Sphärenkunde lehren. Dieser erwiderte: Ich bin noch nicht alt genug. Als er alt dazu war, starb R. Joḥanan. Darauf sprach R. Asi zu ihm: Komm, ich will dich die Sphärenkunde lehren. Dieser erwiderte: Wäre mir dies beschieden, so würde ich sie von deinem Lehrer R. Joḥanan gelernt haben.
8R. Joseph studierte die Sphärenkunde, die Greise von Pumbeditha studierten die Sphärenkunde. Diese sprachen zu jenem: Möge uns der Meister die Sphärenkunde lehren. Jener erwiderte ihnen: Lehrt ihr mich zuerst das Schöpfungswerk. Nachdem sie es ihn gelehrt hatten, sprachen sie zu ihm: Möge uns nun der Meister die Sphärenkunde lehren. Dieser erwiderte: Es wird gelehrt: Honig und Milch sind unter deiner Zunge; Worte, die süßer sind als Honig und Milch, sollen unter deiner Zunge bleiben.
9R. Abahu sagte: Hieraus: Lämmer zu Kleidern, Dinge, die das Geheimnis der Welt sind, sollen unter deinen Kleidern [verborgen] bleiben. Da sprachen sie zu ihm: Wir haben sie gelernt bis zum Verse: Da sprach er zu mir: Menschenkind. Er erwiderte: Das ist eben [der Abschnitt] von der Sphärenkunde.
10Man wandte ein: Wie weit reicht [der Abschnitt] von der Sphärenkunde? Rabbi sagte: Bis zum zweiten Und ich sah. R. Jiçḥaq sagte: Bis: wie Ḥašmal [Glanz]!? – Bis [zum Verse]: Und ich sah, darf man lehren, von da ab darf man nur die Hauptzüge anvertrauen. Manche sagen: Bis [zum Verse]: Und ich sah, darf man die Hauptzüge anvertrauen, von da ab darf man es nur dann, wenn er ein Weiser ist und es aus eigener Erkenntnis versteht, sonst aber nicht. –
11Aber darf man sich denn mit [den Mysterien vom] Ḥašmal befassen, einst befaßte sich ein Jüngling mit [den Mysterien vom] Ḥašmal, da kam ein Feuer hervor und verbrannte ihn!? – Anders ist es bei einem Jüngling, da er das [dazu erforderliche] Alter noch nicht hat.
12R. Jehuda sagte: Wahrlich, jenes Mannes sei zum Guten gedacht, nämlich Ḥananja b. Ḥizqija; wenn nicht er, würde das Buch Jehezqel versteckt worden sein, weil seine Worte den Worten der Tora widersprechen. Was tat er? Er begab sich in einen Söller, wohin man ihm dreihundert Krüge Öl brachte, und erklärte sie.
13Die Rabbanan lehrten: Einst las ein Jüngling bei seinem Lehrer das Buch Jeḥezqel und erkannte, was Ḥašmal ist; da kam ein Feuer hervor und verbrannte ihn. Hierauf wollten sie das Buch Jeḥezqel verstecken, da sprach Ḥananja b. Ḥizqija zu ihnen: Ist denn, wenn dieser weise war, auch jeder andere weise!? –
14Was bedeutet [das Wort] Ḥašmal? R. Jehuda erwiderte:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.