Chagiga — Blatt 14b

1eines gilt von Worten der Tora, und eines gilt von geschäftlichen Angelegenheiten; bei Worten der Tora waren solche zu finden, bei geschäftlichen Angelegenheiten waren solche nicht zu finden.

2Die Rabbanan lehrten: Einst befand sich R. Joḥanan b. Zakkaj auf der Reise, auf einem Esel reitend, und R. Elea͑zar b. A͑rakh trieb hinter ihm den Esel an. Da sprach er zu ihm: Meister, lehre mich einen Abschnitt in der Sphärenkunde. Jener erwiderte: Habe ich euch etwa nicht gelehrt: noch in der Sphärenkunde vor einem, es sei denn, daß er Weiser ist und es aus eigener Erkenntnis versteht!? Dieser sprach: Meister, gestatte mir vor dir etwas vorzutragen, was du mich gelehrt hast. Jener erwiderte: So sprich.

3Alsdann stieg R. Joḥanan b. Zakkaj vom Esel herab, hüllte sich ein und setzte sich auf einen Stein unter einem Olivenbaume. Jener fragte: Meister, weshalb bist du vom Esel herabgestiegen? Dieser erwiderte: Ist es denn schicklich, daß während du über die Sphärenkunde vorträgst, die Göttlichkeit bei uns ist und die Dienstengel uns begleiten, ich auf dem Esel reiten sollte!? Als darauf R. Elea͑zar seinen Vortrag über die Sphärenkunde eröffnete, stieg ein Feuer vom Himmel herab und umgab alle Bäume auf dem Felde. Da begannen sie allesamt das Loblied zu singen. –

4Welches Loblied sangen sie? – Preiset den Herrn von der Erde her, ihr Seeungeheuer und all ihr Fluten, ihr Fruchtbäume und all ihr Zedern preiset den Herrn. Da rief ein Engel aus dem Feuer und sprach: Das ist die Sphärenkunde. Darauf stand R. Joḥanan b. Zakkaj auf, küßte ihn auf das Haupt und sprach: Gepriesen sei der Herr, der Gott Jisraéls, der unserem Vater Abraham einen Sohn gegeben hat, der die Sphärenkunde kennt und erforscht und darüber vorzutragen versteht.. Mancher trägt schön vor, handelt aber nicht schön, mancher handelt schön, trägt aber nicht schön vor, du aber trägst schön vor und handelst auch schön. Heil dir, Vater Abraham, daß Elea͑zar b. A͑rakh dir entstammt.

5Als dies R. Jehošua͑ berichtet wurde, befand er sich mit R. Jose dem Priester auf der Reise. Da sprachen sie: Wollen wir ebenfalls über die Sphärenkunde vortragen. Darauf begann R. Jehošua͑ vorzutragen. Es war gerade um die Jahreswende des Tammuz, dennoch überzog sich der Himmel mit Wolken und eine Art Regenbogen wurde in der Wolke sichtbar. Die Dienstengel sammelten sich dann an, um zu hören, wie sich Leute um Bräutigam und Braut ansammeln, um sich die Hochzeitsbelustigungen anzusehen.

6Hierauf ging R. Jose der Priester und erzählte dies vor R. Joḥanan b. Zakkaj, und dieser sprach: Heil euch und heil euren Gebärerinnen; heil auch meinen Augen, die das gesehen haben. Und im Traume sah ich mich und euch am Berge Sinaj lagern, und eine Hallstimme rief vom Himmel: Kommt hier herauf, kommt hier herauf, große Paläste und schöne Lager sind für euch bereitet. Ihr, eure Schüler und die Schüler eurer Schüler sind allesamt für die dritte Klasse vorgesehen. –

7Dem ist ja aber nicht so, es wird ja gelehrt: R.Jose b. Jehuda sagte: Drei Vorträge sind es. R. Jehošua͑ hielt einen Vortrag vor R. Joḥanan b. Zakkaj, R. A͑qiba hielt einen Vortrag vor R. Jehošua͑, und Ḥananja b. Ḥakhinaj hielt einen Vortrag vor R. A͑qiba; R. Elea͑zar b. A͑rakh aber zählt er nicht mit!? – Er zählt nur diejenigen auf, die einen Vortrag hielten, vor denen andere ebenfalls hielten, nicht aber diejenigen, die einen Vortrag hielten, vor denen andere nicht hielten. – Aber er zählt ja auch Ḥananja b. Ḥakhinaj mit, vor dem andere keinen Vortrag hielten!? – Immerhin trug er einem vor, der anderen vorgetragen hatte.

8Die Rabbanan lehrten: Vier traten in das Paradies ein, und zwar: Ben A͑zaj, Ben Zoma, Aḥer und R. A͑qiba. R. A͑qiba sprach zu ihnen: Wenn ihr an die glänzenden Marmorsteine herankommt, so saget nicht: Wasser, Wasser, denn es heißt: wer Lügen redet, soll vor meinem Angesichte nicht bestehen.

9Ben A͑zaj schauteund starb. Über ihn spricht die Schrift: kostbar ist in den Augen des Herrn der Tod seiner Frommen. Ben Zoma schaute und kam zu Schaden. Über ihn spricht der Schriftvers: hast du Honig gefunden, so iß, was dir genügt, daß du seiner nicht satt werdest und ihn ausspeiest.

10Man fragte Ben Zoma: Darf man einen Hund kastrieren? Dieser erwiderte: In eurem Lande dürft ihr es nicht tun; ihr dürft dies bei keinem [Tiere] tun, das sich in eurem Lande befindet. Ferner fragte man Ben Zoma: Darf der Hochpriester eine schwangere Jungfrau heiraten? Ist bei einer solchen das zu berücksichtigen, was Šemuél sagte,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.