Chagiga — Blatt 16a

1Aus welchem Schriftverse erforschte er es? Rabba b. Bar Ḥana erwiderte im Namen R. Joḥanans: Er kam von heiligen Myriaden her; er ist ausgezeichnet unter seinen Myriaden.

2R. Abahu sagte:Hervorragend unter den Myriaden; er ist gekennzeichnet unter seinen Myriaden.

3Reš Laqiš sagte: Herr der Heerscharen ist sein Name; er ist Herr in seinem Heere.

4R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Der Herr war nicht in dem Sturmwinde; nach dem Sturmwinde kam ein Erdbeben; der Herr war nicht in dem Erdbeben; nach dem Erdbeben kam ein Feuer; der Herr war nicht in dem Feuer. Nach dem Feuer aber ließ sich ein sanftes Säuseln vernehmen, und der Herr zog vorüber.

5Die Rabbanan lehrten: Sechserlei wird von den Dämonen gesagt, in dreierlei gleichen sie den Dienstengeln und in dreierlei gleichen sie den Menschen. In dreierlei den Dienstengeln: sie haben Flügel, wie die Dienstengel, sie schwirren von einem Ende der Welt bis zum anderen Ende umher, wie die Dienstengel, und sie wissen, was sein wird, wie die Dienstengel. –

6‘Sie wissen’, wie kommst du darauf!? – Vielmehr, sie hören es hinter dem [himmlischen] Vorhänge, wie die Dienstengel.

7In dreierlei den Menschen: sie essen und trinken, wie die Menschen, sie pflanzen sich fort, wie die Menschen, und sie sterben, wie die Menschen.

8Sechserlei wird von den Menschen gesagt, in dreierlei gleichen sie den Dienstengeln, und in dreierlei gleichen sie dem Vieh. In dreierlei den Dienstengeln: sie haben Verstand, wie die Dienstengel, sie gehen aufrecht, wie die Dienstengel, und sie sprechen die Heiligensprache, wie die Dienstengel. In dreierlei dem Vieh: sie essen und trinken, wie das Vieh, sie pflanzen sich fort, wie das Vieh, und sie werfen Kot aus, wie das Vieh.

9WER ÜBER VIER DINGE NACHGRÜBELT, FÜR DEN WÄRE ES BESSER, ER WÄRE NIGHT ZUR WELT GEKOMMEN &C. Allerdings nicht über das, was oben, was unten und was hinten [sich befindet], weshalb aber nicht über das, was vorn [sich befindet]; was war, war ja!?

10R. Joḥanan und R. Elea͑zar erklärten beide: Ein Gleichnis. Ein König aus Fleisch und Blut befahl einst seinen Dienern, für ihn einen großen Palast auf einem Misthaufen zu bauen, und diese gingen und bauten ihn ihm. Der König aber wünschte nicht, daß man fortan den Misthaufen erwähne.

11WER DIE EHRE SEINES SCHÖPFERS NIGHT SCHONT, FÜR DEN WÄRE ES BESSER, ER WÄRE NICHT ZUR WELT GEKOMMEN. Was ist damit gemeint? R. Abba erwiderte: Wenn jemand auf den Regenbogen schaut. R. Joseph erwiderte: Wenn jemand heimlich eine Sünde begeht. Wenn jemand auf den Regenbogen schaut, denn es heißt: Gleich dem Regenbogen, der sich am Regentage im Gewölk zu zeigen pflegt, so war der Glanz ringsum anzusehen. So war die Erscheinung der Herrlichkeit des Herrn anzusehen.

12R. Joseph sagte, wenn jemand heimlich eine Sünde begeht, nach einer Lehre R. Jiçḥaqs, denn R. Jiçḥaq sagte: Wenn jemand heimlich eine Sünde begeht, so ist es ebenso, als würde er die Füße der Göttlichkeit verdrängen, denn es heißt: so spricht der Herr: Der Himmel ist mein Thron und die Erde meiner Füße Schemel. –

13Dem ist ja aber nicht so, R. Elea͑ der Greis sagte ja: Sieht jemand, daß sein böser Trieb sich seiner bemächtigt, so gehe er nach einem Orte, wo man ihn nicht kennt, kleide sich schwarz, hülle sich schwarz und folge dem Triebe seines Herzens, nur entweihe er den göttlichen Namen nicht öffentlich!? – Das ist kein Einwand; eines, wenn er seinen Trieb beugen kann, und eines, wenn er seinen Trieb nicht beugen kann.

14R. Jehuda b. Naḥmani, der Dolmetsch des Reš Laqiš, trug vor: Wer auf drei Dinge schaut, dessen Augen werden stumpf: auf den Regenbogen, auf den Fürsten und auf die Priester. Auf den Regenbogen, denn es heißt: gleich dem Regenbogen, der sich am Regentage im Gewölk zu zeigen pflegt &c. so war die Erscheinung der Herrlichkeit des Herrn anzusehen. Auf den Fürsten, denn es heißt : und du sollst von deiner Hoheit auf ihn legen. Auf die Priester, zur Zeit, wo der Tempel bestanden hat und sie auf der Estrade standen und die Jisraéliten mit dem deutlich [ausgesprochenen] Gottesnamen segneten.

15R. Jehuda b. Naḥmani, der Dolmetsch des Reš Laqiš, trug vor: Es heißt: glaubt nicht an einen Freund, verlaßt euch nicht auf einen Vertrauten. Wenn der böse Trieb zu dir spricht: Sündige, der Heilige, gepriesen sei er, wird es dir vergeben, so glaube dies nicht, denn es heißt: glaubt nicht an einen rea͑ [Freund], Rea͑ ist nichts anderes, als der böse Trieb, denn es heißt: denn der Trieb des Menschen ist böse [ra͑],

16und Vertrauter ist kein anderer, als der Heilige, gepriesen sei er, denn es heißt: der Vertraute meiner Jugend bist du. Vielleicht sagst du: Wer zeugt gegen mich? Die Steine seines Hauses und die Balken seines Hauses zeugen gegen den Menschen, denn es heißt: denn der Stein wird es aus der Wand heraus schreien, und die Sparren aus dem Holzgerüste werden es zurufen.

17Die Weisen sagten: Die Seele des Menschen zeugt gegen ihn, denn es heißt: wahre die Pforten deines Mundes vor der, die in deinem Busen liegt. Was ist es, das im Busen des Menschen liegt? Die Seele. R. Zeriqa sagte: Die zwei den Menschen begleitenden Dienstengel zeugen gegen ihn, denn es heißt: denn seine Engel entbietet er [gegen] dich, die dich auf allen deinen Wegen begleiten. Die Weisen sagen: Die Glieder des Menschen zeugen gegen ihn, denn es heißt: ihr seid meine Zeugen. Spruch des Herrn, und ich bin Gott.

18JOSE B. JOËZER SAGT, MAN STÜTZE NICHT, JOSEPH B. JOḤANAN SAGT, MAN STÜTZE. JEHOŠUA͑ B. PERAḤJA SAGT, MAN STÜTZE NICHT, NITAJ AUS ARBEL SAGT, MAN STÜTZE. JEHUDA B. ṬABAJ SAGT, MAN STÜTZE NICHT, ŠIMO͑N B. ŠAṬAḤ SAGT, MAN STÜTZE. ŠEMA͑JA SAGT, MAN STÜTZE, UND PTOLLION SAGT, MAN STÜTZE NICHT. HILLEL UND MENAḤEM STRITTEN HIERÜBER NICHT; ALS ABER MENAḤEM AUSSCHIED UND ŠAMMAJ EINTRAT, SAGTE ŠAMMAJ, MAN STÜTZE NICHT, UND HILLEL SAGTE, MAN STÜTZE.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.