Chagiga — Blatt 19a

1und das andere für [zweiten] Zehnten. – Woher entnimmst du, daß für Profanes die Beabsichtigung nicht erforderlich ist? – Wir haben gelernt: Wenn eine Welle von vierzig Seá sich löst und auf einen Menschen oder auf Geräte fällt, so sind sie rein. Er lehrt dies von einem Menschen wie von Geräten; wie Geräte nicht beabsichtigen, ebenso bei einem Menschen, wenn er es nicht beabsichtigt. –

2Wieso denn, vielleicht in dem Falle, wenn man sitzt und wartet, daß die Welle sich löse. Es gilt vielmehr von Geräten wie von Menschen: wie ein Mensch beabsichtigen kann, ebenso bei Geräten, wenn man es beabsichtigt.

3Wolltest du erwidern, von dem Falle, wenn man sitzt und darauf wartet, brauche dies nicht gelehrt zu werden,

4so lehrt er es nur deshalb, weil man glauben könnte, es sei zu berücksichtigen, man könnte dazu kommen, in einem Sturzbade unterzutauchen, oder beim Wellenboden sei der Wellenbogen zu berücksichtigen; er lehrt uns somit, daß man dies nicht berücksichtige. –

5Woher weißt du, daß man nicht im Wellenbogen untertauche? – Es wird gelehrt: Man tauche im Wellenboden unter, nicht aber im Wellenbogen, weil man nicht in der Luft untertauchen kann. –

6Vielmehr aus dem, was wir gelernt haben: Wenn Früchte in einen Teich gefallen sind und jemand, dessen Hände unrein sind, sie herausholt, so sind seine Hände rein und die Früchte sind nicht verunreinigungsfähig;

7beabsichtigt er aber, die Hände abzuspülen, so sind seine Hände rein und die Früchte verunreinigungsfähig.

8Rabba wandte gegen R. Naḥman ein: Wer auf Profanes beschränkt für Profanes untergetaucht ist, dem ist der Zehnt verboten. Nur wenn auf Profanes beschränkt, sonst aber nicht!? –

9Er meint es wie folgt: obgleich für Profanes beabsichtigt, ist ihm der Zehnt verboten.

10Er wandte gegen ihn ein: Tauchte er ohne Absicht unter, so ist es ebenso, als wäre er nicht untergetaucht. Doch wohl, als wäre er überhaupt nicht untergetaucht!? –

11Nein, als wäre er nicht für den Zehnten untergetaucht, wohl aber für Profanes. Jener glaubte anfangs, er wolle ihn nur abweisen, als er aber fortging und nachdachte, fand er folgende Lehre. Tauchte er ohne Absicht unter, so ist ihm der Zehnt verboten und Profanes erlaubt.

12R.Elea͑zar sagte: Wenn jemand untergetaucht und wieder heraufgestiegen ist, so darf er nach Belieben beabsichtigen.

13Man wandte ein: Solange er noch einen Fuß im Wasser hat, kann er, wenn er [das Untertauchen] für Leichtes beabsichtigt hatte, es für Schweres beabsichtigen, ist er [aus dem Wasser] gestiegen, so kann er nicht mehr beabsichtigen.

14Doch wohl überhaupt nicht beabsichtigen!? –

15Nein, so lange er ihn noch darin hat, kann er, obgleich er etwas beabsichtigt hat, [anderes] beabsichtigen, ist er aber heraufgestiegen, so kann er, wenn er noch nicht beabsichtigt hat, es für etwas beabsichtigen, hatte er aber beabsichtigt, so kann er nichts [anderes] beabsichtigen. –

16Wer lehrte, [daß es darauf ankomme,] ob man noch einen Fuß im Wasser hat? R. Pedath erwiderte: Es ist R. Jehuda. Wir haben nämlich gelernt: Wenn ein Tauchbad nachgemessen wurde und es genau vierzig Seá [Wasser] hatte, so ist, wenn darauf zwei hintereinander hinabgestiegen und untergetaucht sind, der erste rein und der andere unrein. R. Jehuda sagte: Berühren [beim Untertauchen des zweiten] die Füße des ersten noch das Wasser, so ist auch der zweite rein.

17R. Naḥman sagte im Namen des Rabba b. Abuha: Ihr Streit besteht nur über einen rabbanitischen Grad [von Unreinheit], bei einem wirklich Unreinen aber stimmen alle überein, daß der zweite unrein sei. Das stimmt eben mit dem überein, was R. Pedath gesagt hat.

18Manche lesen: R. Naḥman sagte im Namen des Rabba b. Abuha : Der Streit besteht nur über einen wirklich Unreinen, bei einem rabbanitischen Grade [von Unreinheit] aber stimmen alle überein, daß der zweite rein sei. Er streitet somit gegen R. Pedath.

19U͑la sagte: Man fragte R. Joḥanan: Darf man nach R. Jehuda am Kopfe des ersten Näh- oder Sticknadeln untertauchen?

20Ist R. Jehuda der Ansicht, eine Verbindung erfolge nach unten, nicht aber nach oben, oder ist er der Ansicht, eine Verbindung erfolge auch nach oben?

21Dieser erwiderte: Ihr habt es gelernt: Wenn sich drei Wassergruben an einem Abhange befinden, oben, in der Mitte und unten, von denen die obere und untere je zwanzig und die mittelste vierzig Seá fassen, und ein Regensturz sie verbindet, so darf man, wie R. Jehuda im Namen [R.] Meír sagt, in der oberen untertauchen. –

22Es wird ja aber gelehrt: R. Jehuda sagte:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.