Chagiga — Blatt 22b

1für ihn selbst als rein erklärt,

2aber sollten wir denn auch das Gefäß als rein erklären, das für ihn und für dich als rein gelten würde!?

3Es wird gelehrt: R. Jehošua͑ sprach: Ich schäme mich eurer Worte, Schule Šammajs; ist es denn möglich, daß, wenn eine Frau [Teig] in einer Mulde knetet, die Frau und die Mulde sieben Tage unrein sind, der Teig aber rein ist, daß von einer mit Getränken gefüllten Flasche die Flasche sieben Tage unrein ist, die Getränke aber rein sind!?

4Da trat ein Schüler aus der Schule Šammajs an ihn heran und sprach zu ihm: Ich will dir den Grund der Schule Šammajs sagen. Dieser sprach: Sage doch. Jener sprach: hält das unreine Gefäß [die Unreinheit] zurück oder nicht? Dieser erwiderte: Es hält sie nicht zurück. – Ist das Gefäß eines Menschen aus dem gemeinen Volke unrein oder rein? Dieser erwiderte: Unrein. – Würde er denn auf dich hören, wenn du ihm sagen würdest, sie seien unrein!? Und noch mehr: wenn du ihm sagst, es sei unrein, so erwidert er dir, seines sei rein und deines unrein.

5Das ist der Grund der Schule Šammajs.

6Darauf ging R. Jehošua͑ und warf sich auf das Grab (der Schule) Šammajs nieder und sprach: Ich beuge mich vor euch, Gebeine (der Schule) Šammajs; wenn eure unerklärten Lehren so [vortrefflich] sind, um wieviel mehr eure erklärten Lehren! Man erzählt, daß während seines ganzen Lebens seine Zähne durch das Fasten schwarz waren.

7Hier heißt es also ‘für ihn und für dich’, demnach darf man von ihm borgen!? – Wenn man von ihm etwas borgt, muß man es vorher untertauchen. –

8Demnach sollte die Schule Hillels der Schule Šammajs erwidert haben: wenn man von ihm etwas borgt, tauche man es vorher unter!? – Was durch eine Leiche unrein wurde, bedarf des Besprengens nach drei und sieben Tagen, und man verborgt keine Geräte auf sieben Tage. –

9Sind sie denn hinsichtlich des Untertauchens nicht glaubwürdig, es wird ja gelehrt, Leute aus dem gemeinen Volke seien hinsichtlich des Untertauchens eines Leichenunreinen glaubwürdig!?

10Abajje erwiderte: Das ist kein Einwand; eines gilt von seinem Körper und eines gilt von seinen Geräten. Raba erwiderte: Beides gilt von seinen Geräten, dennoch besteht hier kein Widerspruch; eines gilt von dem Falle, wenn er sagt, er habe überhaupt kein Gefäß mit darin befindlichen Geräten untergetaucht, und eines gilt von dem Falle, wenn er sagt, er habe untergetaucht, jedoch nicht in einem Gefäße, dessen Mündung nicht die Breite eines Schlauchmundstückes hat.

11Es wird auch gelehrt: Ein Mann aus dem gemeinen Volke ist glaubwürdig, wenn er sagt, die Früchte seien für Unreinheit noch nicht empfänglich geworden, er ist aber nicht glaubwürdig, wenn er sagt, sie seien für Unreinheit empfänglich, jedoch nicht unrein geworden. –

12Ist er denn hinsichtlich seines Körpers glaubwürdig, es wird ja gelehrt, daß, wenn ein Genosse ihn zu besprengen bittet, man dies sofort tue, und wenn ein Mann aus dem gemeinen Volke ihn zu besprengen bittet, man dies erst dann tue, wenn er drei und sieben Tage vor uns wartet!?

13Abajje erwiderte: Durch die Erschwerung, die man ihm zuerst auferlegt, hat man es ihm später erleichtert.

14AUSSENSEITE, INNENSEITE. Wieso Außenseite und Innenseite?

15Es wird gelehrt: Wird die Außenseite eines Gefäßes durch Flüssigkeit unrein, so ist die Außenseite unrein, die Innenseite aber, der Rand, der Henkel und die Griffe sind rein; wird die Innenseite unrein, so ist das ganze unrein.

16UND GRIFF &C. Was heißt Griff? R. Jehuda erwiderte: Woran man es ergreift, wie es heißt:und er reichteihr geröstete Körner. R. Asi erklärte im Namen R. Joḥanans: Woran empfindliche Leute eintunken.

17R. Bebaj lehrte vor R. Naḥman: Bei keinem Gefäße gibt es [eine Teilung zwischen] Außenseite und Innenseite, ob für Heiliges des Tempels oder für Heiliges in der Provinz. Dieser entgegnete: Heiliges in der Provinz ist wohl die Hebe, und wir haben ja gelernt, Außenseite, Innenseite und Griff [gelten als getrennt]!?

18Vielleicht meinst du Profanes, das in für Heiliges geltende Reinheit zubereitet worden ist!?

19Du hast mich an etwas erinnert, was Rabba b. Abuha gesagt hat, daß sie nämlich [in unserer Mišna] elf Auszeichnungen gelehrt haben, von denen die ersten sechs sowohl von Heiligem als auch von Profanem, das in für Heiliges geltende Reinheit zubereitet worden ist, gelten, und die letzten nur von Heiligem, nicht aber von Profanem, das in für Heiliges geltende Reinheit zubereitet worden ist.

20WER DURCH AUFTRETEN [UNREINES] TRAGT, DARF AUCH HEBE TRAGEN, NICHT ABER HEILIGES. Weshalb nicht Heiliges? – Wegen des folgenden Ereignisses, das R. Jehuda im Namen Šemuéls erzählte: Einst führte jemand ein heiliges Weinfaß aus einem Orte nach einem anderen,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.