Chagiga — Blatt 23a

1und als ihm ein Riemen seiner Sandale platzte, legte er sie über das Faß; da fiel sie hinein und machte es unrein. In jener Stunde ordneten sie an, wer durch Auftreten [Unreines] trägt, dürfe Hebe tragen, jedoch kein Heiliges. –

2Demnach sollte er auch keine Hebe tragen dürfen!? – Hier ist R. Ḥananja b. A͑qiba vertreten, welcher sagt, man habe es nur in einem Schiffe auf dem Jarden verboten, wie bei jenem Ereignisse. –

3Welches Bewenden hat es damit? – Es wird gelehrt: Man darf das Entsündigungswasser oder die Entsündigungsasche nicht in einem Schiffe über den Jarden führen, noch an einem Ufer stehen und sie nach dem anderen Ufer werfen, noch auf dem Wasser schwimmen lassen, noch auf einem Tiere oder auf seinem Nächsten reitend [sie bei sich tragen], es sei denn, daß seine Füße den Boden berühren; wohl aber darf man sie anstandslos über eine Brücke tragen, sowohl über den Jarden, als auch über jeden anderen Fluß. R. Ḥananja b. A͑qabja sagte, sie hätten es nur in einem Schiffe auf dem Jarden verboten, wie bei jenem Ereignisse. –

4Was war dies für ein Ereignis? – R. Jehuda erzählte im Namen Rabhs: Einst führte jemand Entsündigungswasser und Entsündigungsasche in einem Schiffe auf dem Jarden, und darauf fand man ein olivengroßes Stück von einer Leiche im Boden des Schiffes stecken. In jener Stunde ordneten sie an, Entsündigungswasser und Entsündigungsasche nicht in einem Schiffe auf dem Jarden zu führen.

5Sie fragten: [Es geschah] mit einer unreinen Sandale, wie ist es bei einer reinen Sandale; [es geschah] mit einem offenen Fasse, wie ist es bei einem geschlossenen Fasse? Wie ist es, wenn man übertreten und sie getragen hat?

6R. Ila sagte, wenn man übertreten und sie getragen hat, seien sie unrein; R. Zera sagte, wenn man übertreten und sie getragen hat, seien sie rein.

7GEFÄSSE, DIE IN REINHEIT HERGESTELLT WORDEN SIND &C. Wer soll sie hergestellt haben, wollte man sagen, ein Genosse, so ist ja das Untertauchen nicht nötig,

8und wollte man sagen, ein Mann aus dem gemeinen Volke, wieso nennt er es: in Reinheit hergestellt!? Rabba b. Šila erwiderte im Namen R. Mathnas im Namen Šemuéls: Tatsächlich, wenn sie ein Genosse hergestellt hat, nur kann der Speichelspritzer eines Mannes aus dem gemeinen Volke [darauf gekommen sein]. –

9Wann soll er darauf gekommen sein: wollte man sagen, bevor er es fertig gemacht hat, so war es ja noch kein Gerät, und wollte man sagen, nachdem er es fertig gemacht hat, so ist er ja damit behutsam !? – Tatsächlich bevor er es fertig gemacht hat, jedoch kann beim Fertigwerden [der Spritzer] noch feucht gewesen sein. –

10Nur das Untertauchen [ist erforderlich], Sonnenuntergang aber nicht,

11somit vertritt unsere Mišna nicht die Ansicht R. Elie͑zers; denn wir haben gelernt: Das Rohr, das man für die Entsündigungsasche zugeschnitten hat, muß man, wie R. Elie͑zer sagt, sofort untertauchen, und wie R. Jehošua͑ sagt, zuerst unrein machen und dann untertauchen. Dagegen wandten wir ein: Wer soll es zugeschnitten haben: wollte man sagen, ein Genosse, so ist ja das Untertauchen nicht nötig, und wollte man sagen, ein Mann aus dem gemeinen Volke, wieso sagt R. Jehošua͑, zuerst unrein machen und dann untertauchen, es ist ja unrein!?

12Hierzu sagte Rabba b. Šila im Namen R. Mathnas im Namen Šemuéls: Tatsächlich, wenn ein Genosse es zugeschnitten hat, nur kann der Speichelspritzer eines Mannes aus dem gemeinen Volke [darauf] gekommen sein. Wann soll es darauf gekommen sein: wollte man sagen, bevor er es zugeschnitten hat, so war es ja noch kein Gerät, und wollte man sagen, nachdem er es zugeschnitten hat, so ist er ja damit behutsam!? Tatsächlich bevor er es zugeschnitten hat, jedoch kann beim Zuschneiden [der Spritzer] noch feucht gewesen sein.

13Allerdings ist dies nach R. Jehošua͑ [als Kundgebung] gegen die Saduzäer zu erkennen,

14denn wir haben gelernt, daß man den zur Verbrennung der [roten] Kuh bestimmten Priester unrein machte als Kundgebung gegen die Saduzäer, welche sagten, dies muß durch einen erfolgen, der den Sonnenuntergang abgewartet hat ;

15nach R. Elie͑zer aber ist dies allerdings als Kundgebung gegen die Saduzäer zu erkennen, wenn du sagst, sonst sei Sonnenuntergang erforderlich, wieso aber ist dies [als Kundgebung] gegen die Saduzäer zu erkennen, wenn du sagst, der Sonnenuntergang sei auch sonst nicht erforderlich!?

16Rabh erwiderte:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.