Chagiga — Blatt 26a
1oder beide herauskommen, so gilt es als auswärts.
2Abajje sprach: Auch wir haben demgemäß gelernt: Wenn der seine Töpfe verkaufende Töpfer einwärts von Modai͑m kommt. Also nur einwärts von Modai͑m, in Modai͑m selbst aber ist er nicht glaubwürdig. Dagegen aber heißt es im Schlußsatze: Geht er hinaus, so ist er nicht mehr glaubwürdig. In Modai͑m selbst ist er demnach glaubwürdig!? Hieraus ist also zu entnehmen, daß eines von dem Falle gilt, wenn der Töpfer herauskommt und der Genosse hereingeht, und eines von dem Falle, wenn beide herauskommen oder beide hineingehen. Schließe hieraus.
3Es wird gelehrt: Sie sind nur hinsichtlich kleiner Tongefäße für Heiliges glaubwürdig. Reš Laqiš sagte, nur wenn man sie in eine Hand nehmen kann, und R. Joḥanan sagte, auch wenn man sie nicht in eine Hand nehmen kann.
4Reš Laqiš sagte, dies gelte nur von leeren Gefäßen und nicht von gefüllten, und R. Joḥanan sagte, auch von gefüllten, und selbst wenn er seine Kopfhülle darin hat. Raba sprach: R. Joḥanan pflichtet jedoch bei, daß die Flüssigkeiten selbst unrein sind. Dies braucht dich nicht zu wundern; denn bei einer mit Getränken gefüllten Flasche ist die Flasche sieben Tage unrein, während die Getränke rein sind.
5WENN STEUEREINNEHMER IN EIN HAUS EINGETRETEN WAREN, DESGLEICHEN WENN DIEBE SACHEN ZURÜCKGEBRACHT HABEN, SO SIND SIE GLAUBWÜRDIG, WENN SIE SAGEN, SIE HÄTTEN NICHTS BERÜHRT. IN JERUŠALEM IST JEDER GLAUBWÜRDIG HINSICHTLICH DES HEILIGEN, UND ZUR FESTZEIT AUCH HINSICHTLICH DER HEBE.
6GEMARA. Ich will auf einen Widerspruch hinweisen. Wenn Steuereinnehmer in ein Haus eingetreten sind, so ist das ganze Haus unrein!? – Das ist kein Widerspruch; eines in dem Falle, wenn ein Nichtjude mit ihnen ist, und eines in dem Falle, wenn kein Nichtjude mit ihnen ist. Wir haben nämlich gelernt: Ist ein Nichtjude mit ihnen, so sind sie glaubwürdig, wenn sie sagen, sie seien überhaupt nicht eingetreten, sie sind aber nicht glaubwürdig, wenn sie sagen, sie seien zwar eingetreten, haben aber nichts berührt. –
7Was ist denn dabei, daß ein Nichtjude mit ihnen ist? – R. Joḥanan und R. Elea͑zar [erklärten es]; einer erklärte, sie fürchten den Nichtjuden und einer erklärte, sie fürchten die Regierung. – Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? – Ein Unterschied besteht zwischen ihnen, wenn es ein untergeordneter Nichtjude ist.
8DESGLEICHEN WENN DIEBE SACHEN ZURÜCKGEBRACHT HABEN. Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Wenn Diebe in ein Haus eingetreten sind, so ist nur die Stelle unrein, die sie betreten haben!? R. Pinḥas erwiderte im Namen Rabhs: Wenn sie Buße getan haben. Dies ist auch zu beweisen, denn er lehrt: Sachen zurückgebracht haben. Schließe hieraus.
9IN JERUŠALEM IST JEDER GLAUBWÜRDIG HINSICHTLICH DES HEILIGEN. Es wird gelehrt: Sie sind für Heiliges sogar hinsichtlich großer Tongefäße glaubwürdig. – Weshalb dies? – Weil man in Jerušalem keine Brennöfen errichtet.
10ZUR FESTZEIT AUCH HINSICHTLICH DER HEBE. Woher dies? R. Jehošua͑ b. Levi erwiderte: Es heißt: da versammelten sich alle Jisraéliten in die Stadt, wie ein Mann verbündet; die Schrift machte sie alle zu Verbündeten.
11WER FÜR DEN FESTBEDARF EIN FASS GEÖFFNET ODER EINEN LAIB ANGESCHNITTEN HAT, DARF [DEN VERKAUF] WIE R. JEHUDA SAGT, BEENDIGEN, UND WIE DIE WEISEN SAGEN, NICHT BEENDIGEN.
12GEMARA. R. Ami und R. Jiçḥaq der Schmied saßen an der Pforte R. Jiçḥaq des Schmiedes. Da fragte der eine: Darf man es zum nächsten Feste aufheben?
13Der andere erwiderte: Aller Hände haben es betastet, und du fragst, ob man es zum nächsten Feste aufheben dürfe! Jener entgegnete: Haben etwa bis dann sie nicht aller Hände betastet!? Dieser erwiderte: Was soll dies: bis dann war es die Unreinheit der Leute aus dem gemeinen Volke, die der Allbarmherzige am Feste als rein erklärte, von dann ab ist es ja aber [rückwirkend] unrein.
14Es wäre anzunehmen, daß hierüber Tannaím [streiten]. Eines lehrt, man hebe es zum nächsten Feste auf, und ein Anderes lehrt, man hebe es nicht zum nächsten Feste auf. Demnach [streiten hierüber] Tannaím. –
15Nein, die Lehre, man hebe es auf, ist nach R. Jehuda, und die Lehre, man hebe es nicht auf, ist nach den Rabbanan. – Glaubst du? R. Jehuda sagt ja, man dürfe [den Verkauf] beenden!? – Vielmehr, die Lehre, man hebe es nicht auf, vertritt die Ansicht R. Jehudas, und die Lehre, man hebe es auf, vertritt die Ansicht der Rabbanan, und zwar ist unter ‘hebe es nicht auf’ zu verstehen: man brauche es nicht aufzuheben.
16SOBALD DAS FEST VORÜBER WAR, RÄUMTE MAN AUF ZUR REINIGUNG DES TEMPELS. WAR DAS FEST AM FREITAG VORÜBER, SO RÄUMTE MAN NICHT AUF, ZUR EHRUNG DES ŠABBATHS. R. JEHUDA SAGT, AUCH NICHT AM DONNERSTAG, WEIL DIE PRIESTER NICHT FREI WAREN.
17GEMARA. Es wird gelehrt: Weil die Priester nicht frei waren, sie hatten die Asche hinauszuschaffen.
18WIE RÄUMTE MAN AUF ZUR REINIGUNG DES TEMPELHOFES? MAN TAUCHTE DIE GERÄTE UNTER, DIE IM TEMPEL WAREN, UND DEN [UNWISSENDEN PRIESTERN] RIEF MAN ZU: SEID VORSICHTIG,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.