Chagiga — Blatt 4b

1Verweichlichte ein, denn es heißt: wenn ihr kommt, um vor mir zu erscheinen, wer hat es von euch verlangt, meinen Vorhof zu zertreten.

2Es wird gelehrt: Der Unbeschnittene und der Unreine sind vom Erscheinen frei. – Allerdings der Unreine, denn es heißt: du sollst da kommen und darbringen, wer da kommen kann, bringe dar, und wer da nicht kommen kann, bringe nicht dar,

3woher dies aber von Unbeschnittenen? – Dies nach R. A͑qiba, der den Unbeschnittenen einschließt, daß er dem Unreinen gleiche. Es wird nämlich gelehrt: R. A͑qiba sagte: Jeder Mann, dies schließt den Unbeschnittenen ein.

4Die Rabbanan lehrten: Der Unreine ist vom Erscheinen frei, denn es heißt: du sollst da kommen und darbringen; wer da kommen kann, bringe dar, wer da nicht kommen kann, bringe auch nicht dar.

5R. Joḥanan b. Dahabaj sagte im Namen R. Jehudas: Wer auf einem Auge blind ist, ist vom Erscheinen frei, denn es heißt ‘sehen’ und ‘gesehen werden’, wie das Sehen, so das Erdscheinen: wie sehen mit beiden Augen, so auch erscheinen mit beiden Augen.

6Wenn R. Hona an den Schriftvers vom Erscheinen herankam, weinte er, indem er sprach: Der Sklave, den zu sehen sein Herr sich sehnt, soll nun von ihm entfernt werden, denn es heißt: wenn ihr kommt, um vor mir zu erscheinen, wer hat es von euch verlangt, meinen Vorhof zu zertreten.

7R. Hona weinte, wenn er herankam an den Schriftvers: Du sollst Heilsopfer schlachten und da essen. Der Sklave, an dessen Tisch zu speisen sein Herr sich sehnt, soll nun von ihm entfernt werden, denn es heißt: was soll mir die Menge eurer Schlachtopfer? spricht der Herr.

8R. Elea͑zar weinte, wenn er herankam an den Schriftvers: Und seine Brüder konnten ihm nicht antworten, denn sie waren bestürzt ihm gegenüber. Wenn es bei der Zurechtweisung eines [Menschen aus] Fleisch und Blut so ist, um wieviel mehr bei der Zurechtweisung des Heiligen, gepriesen sei er! R. Elea͑zar weinte, wenn er herankam an den Schriftvers: Da sprach Šemuél zu Šaúl: Warum beunruhigst du mich, mich erscheinen zu lassen? Wenn der fromme Šemuél vor dem Gerichte fürchtete, um wieviel mehr müssen wir es!? –

9Welches Bewenden hat es mit Šemuél? – Es heißt: da sprach die Frau zu Šaúl: Ich sah aufsteigende Geister. Aufsteigende, also zwei; einer war Šemuél, wer war der andere? Šemuél ging nämlich und brachte Moše mit, indem er zu ihm sprach: Ich werde vielleicht, behüte und bewahre, vor Gericht geladen; komm mit mir [und bezeuge], daß sich nichts in der Tora befindet, die du geschrieben hast, was ich nicht erfüllt hätte.

10R. Ami weinte, wenn er herankam an den Schriftvers: Er berühre mit seinem Munde den Staub, vielleicht ist noch Hoffnung. Er sprach: All dies, und vielleicht! R. Ami weinte, wenn er herankam an den Schriftvers: Befleißigt euch der Gerechtigkeit, befleißigt euch der Demut, vielleicht werdet ihr am Tage des Zorns des Herrn geborgen. Er sprach: All dies, und vielleicht! R. Asi weinte, wenn er herankam an den Schriftvers: Hasset das Böse und liebet das Gute; erhaltet das Recht im Tore aufrecht; vielleicht wird der Herr, der Gott der Heerscharen, sich erbarmen. [Er sprach:] All dies, und vielleicht!

11R. Joseph weinte, wenn er herankam an den Schriftvers: Und mancher wird unschuldig hinweggerafft. (Er sprach:) Gibt es denn jemand, der vor der Zeit dahingeht? – Allerdings. So hörte R. Bebaj b. Abajje, bei dem der Todesengel zu verkehren pflegte, ihn einst zu seinem Boten sprechen: Geh, hole mir Mirjam die Frauenhaarflechterin.

12Dieser ging und holte ihm Mirjam die Kindererzieherin. Da sprach jener: Ich habe ja nach Mirjam der Frauenhaarflechterin verlangt. Dieser erwiderte: So will ich sie zurückbringen. Jener entgegnete: Da du sie geholt hast, so mag sie nun bleiben; wie hast du dich aber ihrer bemächtigt? – Sie hielt ein Schürholz

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.