Chagiga — Blatt 5a

1und heizte den Ofen, und als sie es darauf aufs Knie legte, verbrannte sie sich; da wankte ihr Geschick, und ich holte sie.

2R. Bebaj b. Abajje fragte ihn: Ist es euch gestattet, dies zu tun? Jener erwiderte: Heißt es etwa nicht: und mancher wird unschuldig hinweggerafft!? Dieser entgegnete: Es heißt ja aber: eine Generation geht, und eine Generation kommt!?

3Jener erwiderte: Ich behalte sie bei mir, bis die Generation voll ist, und erst dann übergebe ich sie Duma. Dieser fragte: Was machst du aber mit den ihr zustehenden Lebensjahren? Jener erwiderte: Ist ein Schriftgelehrter da, der Unbill übersieht, so gebe ich sie ihm.

4R. Joḥanan weinte, wenn er herankam an den Schriftvers: Du hast mich verleitet, ihn grundlos zu verderben. Gibt es ein Mittel für einen Sklaven, dessen Herrn man verleitet und er sich verleiten läßt!? R. Joḥanan weinte, wenn er herankam an den Schriftvers: Er traut ja seinen Heiligen nicht. Wem mag er trauen, wenn er seinen Heiligen nicht traut!?

5Eines Tages ging er auf dem Wege und sah, wie ein Mann, der Feigen sammelte, die reifen zurückließ und die unreifen auflas. Da sprach er zu ihm: Sind denn jene nicht besser? Dieser erwiderte: Ich brauche sie für die Reise; diese halten sich, jene aber nicht. Darauf sprach er: Das ist es, was geschrieben steht: er traut ja seinen Heiligen nicht. –

6Dem ist ja aber nicht so!? Als einst ein Jünger, der in der Nachbarschaft R. Alexandris wohnte, in seiner Jugend starb, sprach dieser: Wenn dieser Jünger wollte, würde er gelebt haben. Wenn dem nun so wäre, so könnte dieser ja zu denen gehört haben, von denen es heißt: er traut ja seinen Heiligen nicht!? – Dieser hatte sich gegen seine Lehrer aufgelehnt.

7R. Joḥanan weinte, wenn er herankam an den Schriftvers: Ich werde an euch herantreten, um Gericht zu halten, und ein schneller Zeuge sein gegen die Zauberer, die Ehebrecher und die Meineidigen, gegen die, die den Lohn des Tagelöhners rauben. Gibt es denn ein Mittel für den Sklaven, den sein Herr vor das Gericht bringt und ein schneller Zeuge gegen ihn ist!?

8R. Joḥanan b. Zakkaj sagte: Wehe uns, daß die Schrift uns Leichtes wie Schweres anrechnet.

9Reš Laqiš sagte: Wenn jemand das Recht des Fremdlings beugt, so ist es ebenso, als würde er das Recht des Höchsten beugen, denn es heißt: die [das Recht] des Fremdlings beugen, und die Schreibweise ist: die mich beugen, R. Ḥanina b. Papa sagte: Wenn jemand etwas begeht, und es bereut, so vergibt man ihm sofort, denn es heißt: ohne vor mir zu fürchten; wenn sie aber fürchten, vergibt man es ihnen sofort.

10R. Joḥanan weinte, wenn er herankam an den Schriftvers: Denn alles Tun wird Gott ins Gericht bringen, über alles Verborgene. Gibt es ein Mittel für den Sklaven, dem sein Herr Versehentliches wie Vorsätzliches anrechnet!? –

11Was heißt ‘alles Verborgene’? – Rabh erklärte: Wenn jemand eine Laus in Gegenwart eines anderen tötet, und dieser sich verekelt. Šemuél erklärte: Wenn jemand in Gegenwart eines anderen ausspuckt, und dieser sich verekelt. –

12Was heißt: ob Gutes oder Böses? – In der Schule R. Jannajs erklärten sie: Wenn jemand einem Armen Almosen öffentlich gibt. So sah einst R. Jannaj, wie jemand einem Armen einen Zuz öffentlich gab; da sprach er zu ihm: Lieber solltest du ihm nichts geben, als ihm geben und ihn beschämen.

13In der Schule R. Šilas erklärten sie: Wenn jemand einer Frau heimlich Almosen gibt, wodurch er sie in Verdacht bringt. Raba erklärte: Wenn jemand seiner Frau am Vorabend des Šabbaths unzerschnittenes Fleisch schickt. –

14Aber Raba selbst schickte ja solches!? – Anders war es bei der Tochter R. Ḥisdas, deren Genauigkeit er kannte.

15R. Joḥanan weinte, wenn er herankam an den Schriftvers: Wenn es dann von vielen Übeln und Drangsalen betroffen wird. Gibt es ein Mittel für den Sklaven, für den sein Herr Übel und Drangsale ausfindig macht!? –

16Was heißt ‘Übel und Drangsale’? Rabh erwiderte: Übel, die einander bedrängen, beispielsweise Hornisse und Eidechse.

17Šemuél erklärte: Wenn jemand einem Armen Geld erst in seiner äußersten Not verschafft. Raba sprach: Das ist es, was die Leute sagen: Zum [Einkauf von] Getreide fehlt der Zuz, beim Anhängen ist er da.

18An diesem Tage wird mein Zorn über sie entbrennen und ich werde sie verlassen und mein Angesicht vor ihnen verbergen. R. Bardela b. Ṭabjomi sagte im Namen Rabhs: Wem nicht das Angesicht verborgen bleibt, gehört nicht zu ihnen, wer nicht ausgeplündert wird,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.