Chagiga — Blatt 9a

1Sie lehrten diesnur von dem Falle, wenn es noch nicht zuende war, wenn er aber zuende war, beende er die Darbringung. –

2Was heißt ‘zuende’: wollte man sagen, wenn seine Opfer zuende sind, was sollte er denn darbringen!? Doch wohl, wenn der Tag nicht zuende war, wenn er aber zuende war, bringe er [die übrigen am nächsten Tage] dar.

3WER DAS FESTOPFER AM ERSTEN TAGE DES FESTES NICHT DARGEBRACHT HAT, BRINGE ES IM LAUFE DES GANZEN FESTES DAR, AUCH NOCH AM LETZTEN TAGE DES [HÜTTEN]FESTES.

4IST DAS FEST VORÜBER, OHNE DASS ER ES DARGEBRACHT HAT, SO IST ER NICHT ERSATZPFLICHTIG; HIERÜBER HEISST ES: Krummes kann nicht gerade werden, Fehlendes kann nicht mitgezählt werden .

5R. ŠIMO͑N B. MENASJA SAGTE: WAS HEISST KRUMMES, DAS NICHT GERADE WERDEN KANN? WENN JEMAND EINEN INZESTUÖSEN BEISCHLAF AUSGEÜBT UND EIN HURENKIND GEZEUGT HAT. WOLLTE MAN ES AUF DIEBSTAHL UND RAUB BEZIEHEN, SO KANN MAN JA [DIE SACHE] ZURÜCKGEBEN UND ES GUT MACHEN.

6R. ŠIMO͑N B. JOḤAJ SAGTE: KRUMMES KANN NUR DAS HEISSEN, WAS VORHER GERADE WAR UND KRUMM WURDE. WAS IST DIES? WENN EIN SCHRIFTGELEHRTER SICH VON DER TORA ABWENDET.

7GEMARA. Woher dies? – R. Joḥanan sagte im Namen R. Jišma͑éls: Beim siebenten [Tage] des Pesaḥfestes heißt es Festversammlung und beim achten [Tage] des Hüttenfestes heißt es Festversammlung, wie bei jenem hinsichtlich der Nachholung, ebenso bei diesem hinsichtlich der Nachholung.

8Und es ist entbehrlich, denn wenn es nicht entbehrlich wäre, so könnte man einwenden: der siebente Tag des Pesaḥfestes unterscheidet sich nicht von den vorangehenden, während der achte des Hüttenfestes sich von den vorangehenden unterscheidet.

9Man wende dies aber nicht ein, da es entbehrlich ist. Merke, ‘Festversammlung’ heißt ja die Arbeit einstellen, und da es schon heißt: du sollst keinerlei Arbeit verrichten, wozu sagt der Allbarmherzige Festversammlung!? Es ist also entbehrlich.

10Der Autor der folgenden Lehre entnimmt dies hieraus: Ihr sollt es als Fest des Herrn feiern, sieben Tage lang; man könnte glauben, man bringe alle sieben Tage Festopfer dar, so heißt es es, nur an diesem hast du Festopfer darzubringen, nicht aber hast du an allen sieben Tagen Festopfer darzubringen. Wieso aber heißt es sieben? Hinsichtlich der Nachholung.

11Woher, daß man, wenn man am ersten Tage des Festes das Festopfer nicht dargebracht hat, es im Laufe des ganzen Festes darbringe, sogar am letzten Tage des [Hütten]festes? Es heißt: im siebenten Monate sollt ihr es feiern. Wenn im siebenten Monate, so könnte man glauben, im Laufe des ganzen Monats, so heißt es es, nur an diesem hast du das Festopfer darzubringen, nicht aber hast du außerhalb desselben das Festopfer darzubringen.

12Welcher Art ist diese Nachholung? R. Joḥanan sagt, sie seien alle ein Ersatz des ersten, und R. Oša͑ja sagt, jeder sei ein Ersatz für den vorangehenden. –

13Worin besteht der Unterschied? R. Zera erwiderte: Ein Unterschied besteht zwischen ihnen in dem Falle, wenn jemand am ersten Tage lahm war und am zweiten normal wurde. R. Joḥanan sagt, sie seien alle ein Ersatz des ersten, und da er am ersten ungeeignet war, ist er auch am zweiten ungeeignet; R. Oša͑ja aber sagt, jeder sei ein Ersatz des vorangehenden, somit ist er, wenn er auch am ersten ungeeignet war, am zweiten wohl geeignet. –

14Kann R. Joḥanan dies denn gesagt haben,

15Ḥizqija sagte ja, wenn er am Tage unrein wurde, bringe er [ein Opfer] dar, und wenn nachts, bringe er keines dar,

16und R. Joḥanan sagte, auch wenn nachts, bringe er eines dar!?

17R. Jirmeja erwiderte: Anders ist die Unreinheit, bei der es eine Nachholung am zweiten Pesaḥfeste gibt.

18R. Papa wandte ein: Allerdings nach demjenigen, welcher sagt, das zweite Pesaḥfest

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.