Chullin — Blatt 114a
1und da er wegen des Essens nicht zu geißeln ist, ist er auch wegen des Kochens nicht zu geißeln.
2Manche sagen: Über das Kochen streiten sie überhaupt nicht, ob er zu geißeln ist, sie streiten nur über das Essen: einer sagt, er sei nicht zu geißeln, weil ein Verbot sich nicht auf Verbotenes erstreckt, und einer sagt, er sei zu geißeln, denn der Allbarmherzige gebraucht für ‘essen’ den Ausdruck ‘kochen’, und da er wegen des Kochens zu geißeln ist, ist er auch wegen des Essens zu geißeln.
3Wenn du aber willst, sage ich: einer lehrt dies und einer lehrt jenes, und sie streiten nicht.
4Man wandte ein: Wer [Fleisch] mit Molke gekocht hat, ist frei; hat man Blut mit Milch gekocht, so ist man frei; hat man die Knochen, die Sehnen, die Hörner oder die Klauen mit Milch gekocht, so ist man frei.
5Hat man Verwerfliches, Zurückgebliebenes oder Unreines mit Milch gekocht, so ist man schuldig. –
6Dieser Autor ist der Ansicht, ein Verbot erstrecke sich auf Verbotenes.·
7«Hat man [Fleisch] mit Molke gekocht, so ist man frei.» Dies ist eine Stütze für Reš Laqiš. Wir haben gelernt, Molke gleiche der Milch und Olivensaft dem Öl und hierzu sagte Reš Laqiš, dies lehrten sie nur hinsichtlich der Befähigung von Saaten, hinsichtlich des Kochens von Fleisch mit Milch aber gleiche Molke nicht der Milch.
8Die Rabbanan lehrten: Mit der Milch seiner Mutter; ich weiß dies nur von der Milch der Mutter, woher dies von der Milch einer Kuh oder eines Schafes?
9Dies ist [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn mit der der Mutter, mit der die Kreuzung nicht verboten ist, das Kochen verboten ist, um wieviel mehr ist mit der einer Kuh oder eines Schafes, mit denen die Kreuzung verboten ist, das Kochen verboten. Ferner heißt es: mit der Milch seiner Mutter. –
10Wozu ist hierfür ein Schriftvers nötig, es wird ja [durch einen Schluß] gefolgert!?
11R. Aši erwiderte: Da der Schluß von der Mutter gefolgert wird, so könnte man ihn wie folgt widerlegen: wohl gilt dies von der der Mutter, mit der zusammen es zu schlachten verboten ist, während es mit einer Kuh zu schlachten nicht verboten ist. Daher heißt es: mit der Milch seiner Mutter.
12Ein Anderes lehrt: Mit der Milch seiner Mutter; ich weiß dies nur von der Milch der Mutter, woher dies von der Milch einer größeren Schwester?
13Dies ist [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn mit der der Mutter, mit der es zusammen zur Verzehntung in die Hürde kommt, das Kochen verboten ist, um wieviel mehr ist mit der einer [größeren] Schwester, mit der es nicht zusammen zur Verzehntung in die Hürde kommt, das Kochen verboten. Ferner heißt es: mit der Milch seiner Mutter. –
14Wozu ist hierfür ein Schriftvers nötig, es wird ja [durch einen Schluß] gefolgert!? R. Aši erwiderte: Da der Schluß von der Mutter gefolgert wird, so könnte man ihn wie folgt widerlegen: wohl gilt dies von der der Mutter, mit der zusammen es zu schlachten verboten ist, während es mit einer größeren Schwester zu schlachten nicht verboten ist. Daher heißt es: mit Milch seiner Mutter. –
15Wir wissen dies von einer größeren Schwester, woher dies von einer kleineren Schwester? –
16Dies ist von beiden zu folgern; [erwidert man,] wenn man es von der Mutterfolgert: wohl gilt dies von der der Mutter, mit der zusammen es zu schlachten verboten ist, so ist von der größeren Schwester [das Entgegengesetzte]zu beweisen; [erwidert man:] wohl gilt dies von der der größeren Schwester, mit der zusammen es nicht zur Verzehntung in die Hürde kommt, so ist von der Mutter [das Entgegengesetzte] zu beweisen.
17Die Replikation wiederholt sich nun: die Eigenheit der einen gleicht nicht der Eigenheit der anderen, und die Eigenheit der anderen gleicht nicht der Eigenheit der einen; das Gemeinsame bei ihnen ist, daß es Fleisch mit Milch ist, und man sie zusammen nicht kochen darf, somit schließe man auch eine kleinere Schwester ein, es ist ebenfalls Fleisch mit Milch, und man darf sie nicht zusammen kochen. –
18Demnach sollte man es von beiden auch hinsichtlich der größeren Schwester folgern!? –
19Dem ist auch so. – Wozu heißt es demnach: mit der Milch seiner Mutter!? – Wegen der folgenden Lehre: Mit der Milch seiner Mutter; ich weiß dies nur von der Milch der Mutter,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.