Chullin — Blatt 118a

1Man könnte glauben, wer die Rückseite gegenüber dem Fleische berührt, sei nicht unrein, so heißt es: ist unrein. –

2Wie meint er es? Raba, nach anderen Kadi, erwiderte: Diese Lehre ist lückenhaft und muß wie folgt lauten: Sein Aas, nicht aber die Haut, an der keine Olive Fleisch ist, das aber durch die Haut zur Olivengröße ergänzt wird.

3Man könnte glauben, auch die Haut, an der eine Olive Fleisch ist, sei auszuschließen, daß, wer die Rückseite gegenüber dem Fleische berührt, nicht unrein sei, und sie nicht einmal als Stiel gelte,

4so heißt es: ist unrein.

5Dort haben wir gelehrt: Alles, was als Stiel und nicht als Schutzbalg dient, wird unrein, macht unrein und wird nicht vereinigt;

6was als Schutzbalg dient, selbst wenn nicht als Stiel, wird unrein, macht unrein und wird vereinigt; was weder als Stiel noch als Schutzbalg dient, wird nicht unrein und macht nicht unrein. –

7Wo wird der Stiel in der Schrift genannt? – Es heißt: wenn Wasser auf Saat gekommen ist und etwas von ihrem Aase auf sie fällt, so ist sie für euch unrein, für euch, für all eure Verwendungen, dies schließt den Stiel ein.

8Ferner heißt es: und wenn vom Vieh, das euch zum Essen dient, eines verendet, euch, für all eure Verwendungen, dies schließt den Stiel ein; den Stiel beim Hineinbringen und den Stiel beim Herausbringen.

9Wegen des Schutzbalges beim Hineinbringen und beim Herausbringen ist ja kein Schriftvers nötig, dies ist ja [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere vom Stiele zu folgern: wenn der Stiel, der keinen Schutz gewährt, [die Unreinheit] hineinbringt und herausbringt, um wieviel mehr der Schutzbalg;

10da aber der Allbarmherzige dies dennoch vom Schutzbalge geschrieben hat, so deutet dies auf die Vereinigung. –

11Vielleicht gilt dies beim Stiele nur vom Hineinbringen und nicht vom Herausbringen, und beim Schutzbalge vom Hineinbringen und vom Herausbringen, nicht aber vom Herausbringen beim Stiele und von der Vereinigung beim Schutzbalge!? –

12Du kannst nicht sagen, daß dies beim Stiele nur vom Hineinbringen und nicht vom Herausbringen gelte; wenn er [die Unreinheit] hineinbringt, um wieviel mehr bringt er sie heraus. –

13Vielleicht gilt dies beim Stiele nur vom Herausbringen und nicht vom Hineinbringen, und beim Schutzbalge vom Herausbringen und vom Hineinbringen, nicht aber vom Hineinbringen beim Stiele und von der Vereinigung beim Schutzbalge!? –

14Hinsichtlich des Stieles ist ein überflüssiger Schriftvers vorhanden: Ofen und Herd sollen zertrümmert werden &c. euch,

15für all eure Verwendungen, dies schließt den Stiel ein. –

16Welcher von ihnen ist überflüssig? –

17Der Allbarmherzige sollte es bei der Saat geschrieben haben, und man würde es von dieser hinsichtlich der anderen gefolgert haben. – [Man könnte erwidern:] wohl gilt dies bei der Saat, weil bei dieser die Unreinheit umfassender ist. –

18Der Allbarmherzige sollte es beim Ofen geschrieben haben, und man würde es von diesem hinsichtlich der anderen gefolgert haben. – [Man könnte erwidern:] wohl gilt dies beim Ofen, der durch den Innenraum verunreinigend ist. –

19Der Allbarmherzige sollte dies beim Aase geschrieben haben, und man würde es von diesem hinsichtlich der anderen gefolgert haben. – [Man könnte erwidern:] wohl gilt dies beim Aase, da es Menschen verunreinigt, durch Tragen verunreinigend ist und die Unreinheit aus diesem selbst kommt. –

20Wenn es auch hinsichtlich des einen von einem nicht zu folgern ist, so ist ja aber hinsichtlich des einen von zweien zu folgern!? –

21Hinsichtlich wessen sollte es gefolgert werden? – Sollte der Allbarmherzige es nicht bei der Saat geschrieben, und man würde es hinsichtlich dessen von jenen gefolgert haben. – [Man könnte erwidern:] wohl gilt dies bei jenen, da sie ohne Befähigung unrein werden, während die Saat nur durch Befähigung unrein wird.

22R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, entgegnete: Unbefähigte Früchte gleichen ja einem unfertigen Ofen!? –

23Vielmehr könnte man folgendes erwidern: wohl gilt dies bei jenen, da sie ohne Berührung unrein werden, während die Saat nur durch Berührung unrein wird. –

24Der Allbarmherzige sollte es nicht beim Ofen geschrieben haben, und man würde es hinsichtlich dessen von jenen gefolgert haben. – [Man könnte erwidern:] wohl gilt dies bei jenen, die Speisen sind. –

25Der Allbarmherzige sollte es nicht beim Aase geschrieben haben, und man würde es von jenen gefolgert haben. – Dem ist auch so. Die Nennung des Stieles beim Aas, die hinsichtlich dessen nicht nötig ist, ist vielmehr auf den Stiel in anderen Fällen zu beziehen,

26somit gilt dies beim Stiele vom Hineinbringen und vom Herausbringen [der Unreinheit] und beim Schutzbalge von der Vereinigung. –

27Aber die Nennung des Stieles beim Aase ist ja nötig, denn hätte der Allbarmherzige ihn beim Aas nicht genannt, so würde man gesagt haben, es genüge, wenn das, was gefolgert wird, dem gleicht, wovon gefolgert wird: wie jene einen Menschen nicht unrein machen, ebenso mache auch das Aas einen Menschen nicht unrein!? –

28Vielmehr, die Nennung des Stieles beim Aase ist nötig, und überflüssig ist die Nennung des Schutzbalges beim Aase. Wozu hat der Allbarmherzige dies geschrieben: wenn wegen der Vereinigung, so sagst du ja, er werde nicht vereinigt, wenn wegen des Herausbringens [der Unreinheit], so ist dies ja [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere vom Stiele zu folgern?

29Vielmehr ist es, da es auf den Schutzbalg beim Aase nicht zu beziehen ist, auf den Stiel beim Aase zu beziehen, und da es auch vom Stiele beim Aase nicht nötig ist, so ist es auf den Stiel in anderen Fällen zu beziehen, somit gilt dies beim Stiele vom Herausbringen und vom Hineinbringen [der Unreinheit] und beim Schutzbalge von der Verunreinigung. –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.