Chullin — Blatt 11a
1Wenn eine Reihe Menschen stehen und einander zurufen: es ist beim bisherigen Zustande.
2Woher das, was die Rabbanan gesagt haben, man richte sich nach der Mehrheit? – Woher, es heißt ja: nach der Mehrheit zu entscheiden!?
3Von einer Mehrheit, die vor uns ist, wie beispielsweise im Falle von den neun Läden und beim Synedrium, ist es uns nicht fraglich,
4wir fragen nur hinsichtlich einer Mehrheit, die nicht vor uns ist, wie beispielsweise bei einem Minderjährigen und einer Minderjährigen, woher dies?
5R. Elea͑zar erklärte:
6Dies ist vom Kopfe des Brandopfers zu entnehmen. Die Schrift sagt: er zerschneide es in Stücke, es in Stücke, nicht aber die Stücke in Stücke. Es ist ja zu berücksichtigen, die Hirnhaut kann verletzt sein? Doch wohl, weil wir sagen, man richte sich nach der Mehrheit. –
7Wieso denn, vielleicht spalte man ihn und untersuche, und die Lehre: es in Stücke, nicht aber die Stücke in Stücke, erstreckt sich nur auf die vollständige Zerteilung, wenn es aber zusammenhängt, so ist nichts dabei!?
8Mar, der Sohn Rabinas, erklärte: Dies ist vom Zerbrechen eines Knochens vom Pesaḥ[lamme] zu entnehmen. Der Allbarmherzige sagt: ihr sollt keinen Knochen davon zerbrechen. Es ist ja zu berücksichtigen, die Hirnhaut kann verletzt sein? Doch wohl, weil wir sagen, man richte sich nach der Mehrheit. –
9Wieso denn, man kann eine heiße Kohle hinauflegen, ihn durchbrennen und untersuchen!? Es wird nämlich gelehrt: Das Zerschneiden der Sehnen und das Verbrennen der Knochen gilt nicht als Zerbrechen eines Knochens.
10R. Naḥman b. Jiçḥaq erklärte: Dies ist vom Fettschwanzezu entnehmen. Der Allbarmherzige sagt: das Fett, den Fettschwanz vollständig; es ist ja zu berücksichtigen, das Rückenmark kann durchbrochen sein? Doch wohl, weil wir sagen, man richte sich nach der Mehrheit.
11Wolltest du erwidern, man schneide ihn ganz unten ab, so sagt ja der Allbarmherzige: neben dem Kreuzbeine, wo die Nieren Rat erteilen. –
12Wieso denn, man kann ihn öffnen und untersuchen, denn [das Wort] vollständig besagt nur, daß man ihn nicht ganz durchschneide, zusammenhängend aber ist nichts dabei!?
13R. Šešeth, Sohn des R. Idi, erklärte: Dies ist vom genickbrochenen Kalbe zu entnehmen. Der Allbarmherzige sagt: dem Genickbrochenen, wenn es unverletzt war. Es ist ja zu berücksichtigen, es war vielleicht totverletzt? Doch wohl, weil wir sagen, man richte sich nach der Mehrheit.
14Wolltest du erwidern, dies sei gleichgültig, so sagten sie ja in der Schule R. Jannajs, bei diesem werde von einer Sühne gesprochen, wie bei den Opfern.
15Rabba b. R. Šila erklärte: Dies ist von der roten Kuh zu entnehmen. Der Allbarmherzige sagt: er schlachte, er verbrenne, wie sie beim Schlachten ganz sein muß, ebenso muß sie auch beim Verbrennen ganz sein. Es ist ja zu berücksichtigen, vielleicht ist sie totverletzt? Doch wohl, weil wir sagen, man richte sich nach der Mehrheit.
16Wolltest du erwidern, dies sei gleichgültig, so nennt sie ja der Allbarmherzige Sündopfer.
17R. Aḥa b. Ja͑qob erklärte: Dies ist vom fortzuschickenden [Sühne]bock zu entnehmen. Der Allbarmherzige sagt: er nehme die beiden Ziegenböcke, sie müssen einander gleichen. Es ist ja zu berücksichtigen,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.