Chullin — Blatt 11b
1vielleicht ist einer von ihnen totverletzt? Doch wohl, weil wir sagen, man richte sich nach der Mehrheit.
2Wolltest du erwidern, dies sei gleichgültig, so ist ja das Los nur dann für A͑zazel bestimmend, wenn auch der für den Herrn bestimmte verwendbar ist. Wolltest du erwidern, man untersuche ihn, so haben wir ja gelernt, daß bevor er noch die Hälfte des Berges erreichte, von ihm nur einzelne Glieder vorhanden waren.
3R. Mari erklärte : Dies ist zu entnehmen [vom Gesetze]: wer Vater und Mutter schlägt. Der Allbarmherzige sagt, daß man ihn töte, obgleich zu berücksichtigen ist, er sei vielleicht gar nicht sein Vater? Doch wohl, weil wir sagen, man richte sich nach der Mehrheit, und die meisten Beiwohnungen sind vom Ehemanne. –
4Wieso denn, vielleicht in dem Falle, wenn der Vater und die Mutter zusammen im Gefängnisse eingesperrt waren!? – Trotzdem, es gibt keine Sicherheit vor der Unzucht.
5R. Kahana erklärte: Dies ist vom Mörder zu entnehmen, von dem der Allbarmherzige sagt, daß man ihn töte. Es ist ja zu berücksichtigen, vielleicht war [der Ermordete] totverletzt? Doch wohl, weil wir sagen, man richte sich nach der Mehrheit.
6Wolltest du erwidern, man untersuche [die Leiche], so wird sie ja dadurch geschändet. Wolltest du erwidern, wegen seines Lebens schände man sie, so ist ja zu berücksichtigen, die Verletzung kann sich an der Stelle der Schwert[wunde] befunden haben.
7Rabina erklärte: Dies ist von den überführten Falschzeugen zu entnehmen. Der Allbarmherzige sagt: verhänge über ihn, was er gedacht hat &c. Es ist ja zu berücksichtigen, derjenige, über den sie ausgesagt haben, war vielleicht totverletzt? Doch wohl, weil wir sagen, man richte sich nach der Mehrheit.
8Wolltest du erwidern, man untersuche ihn, so wird ja gelehrt, Berabbi sagte, hat man ihn noch nicht hingerichtet, so werden sie hingerichtet, hat man ihn hingerichtet, so werden sie nicht hingerichtet.
9R. Aši erklärte: Dies ist vom Schlachten selbst zu entnehmen. Der Allbarmherzige sagt, daß man schlachte und esse, und es ist ja zu berücksichtigen, vielleicht hatte [das Vieh] an der Stelle, wo man es geschlachtet hat, ein Loch? Doch wohl, weil wir sagen, man richte sich nach der Mehrheit.
10R. Aši sagte: Ich habe diese Lehre R. Kahana vorgetragen, manche sagen, R. Kahana dem R. Šimi, und dieser erwiderte: Vielleicht nur da, wo es möglich ist, und wo es nicht möglich ist, ist es nicht möglich.
11Wenn dem nicht so wäre, so dürfte man nach R. Meír, der auch die Minderheit berücksichtigt, überhaupt kein Fleisch essen!?
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.