Chullin — Blatt 126b

1Drei Unreinheiten sondern sich von einer Leiche, die nur durch zwei [Arten von Verunreinigung] und nicht durch die dritte [verunreinigend sind]; folgende sind es: ein Löffel voll Moder, ein gerstengroßer Knochen, und Rollstein und Stütze.

2Ein Löffel voll Moder verunreinigt durch Tragen und Bezeltung, nicht aber durch Berühren; durch Berühren erfolgt es nur bei den anderen.

3Ein gerstengroßer Knochen verunreinigt durch Tragen und Berühren, nicht aber durch Bezeltung; durch Bezeltung erfolgt es bei den anderen.

4Rollstein und Stütze verunreinigen durch Berühren und Bezeltung, nicht aber durch Tragen; durch Tragen erfolgt es nur bei den anderen.

5DER SCHENKELKNOCHEN VON EINEM AAS ODER VON EINEM KRIECHTIERE &C. Die Rabbanan lehrten: Ihr Aas, nicht aber einen geschlossenen Schenkelknochen.

6Man könnte glauben, auch [nicht] einen durchlöcherten, so heißt es: wer berührt, ist unrein; ist ein Berühren möglich, so ist er unrein, und ist ein Berühren nicht möglich, so ist er rein.

7R. Zera sprach zu Abajje: Demnach sollte ein Vieh in seiner Haut nicht verunreinigen!? – Geh und sieh doch, wieviel Löcher daran sind.

8R. Papa sprach zu Raba: Demnach sollte doch eine Niere in ihrem Talge nicht verunreinigen!? – Komm und sieh doch, wieviel Fäden sich durch diesen ziehen.

9R. Oša͑ja fragte: Wie ist es, wenn man [den Knochen] zu durchlöchern beabsichtigt hat, und dies nicht getan hat: gilt das Fehlen des Durchlöcherns als Fehlen einer Handlung oder nicht?

10Später entschied er, das Fehlen des Durchlöcherns gelte nicht als Fehlen einer Handlung.

11DAS ENTWICKELTE EI EINES KRIECHTIERES IST REIN; IST ES ETWAS DURCHLÖCHERT, SO IST ES UNREIN. WER EINE ZUR HÄLFTE AUS FLEISCH UND ZUR HÄLFTE AUS ERDE BESTEHENDE MAUS BERÜHRT, IST, WENN DAS FLEISCH, UNREIN, UND WENN DIE ERDE, REIN; R. JEHUDA SAGT, AUCH WENN ER DIE ERDE GEGENÜBER DEM FLEISCHE BERÜHRT, SEI ER UNREIN.

12GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Die unrein sind, dies schließt das Ei eines Kriechtieres und den Schenkelknochen eines Kriechtieres ein.

13Man könnte glauben, auch wenn es nicht entwickelt ist, so heißt es: Kriechtier; wie das Kriechtier entwickelt ist, ebenso auch das Ei eines Kriechtieres, wenn es entwickelt ist.

14Man könnte glauben, auch undurchlöchert, so heißt es: wer berührt, ist unrein; ist ein Berühren möglich, so ist er unrein, und ist ein Berühren nicht möglich, so ist er rein.

15Wieviel beträgt die Durchlöcherung? Eine Haarbreite, denn bei einer Haarbreite ist ein Berühren möglich.

16WEH EINE MAUS ZUR HÄLFTE &C. R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Dies nur dann, wenn sie über die ganze Länge entwickelt ist. Manche beziehen dies auf den Schlußsatz: R. Jehuda sagt, auch wenn er die Erde gegenüber dem Fleische berührt, sei er unrein. R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Dies nur dann, wenn sie über die ganze Länge entwickelt ist.

17Nach dem, der dies auf den Anfangsatz bezieht, gilt dies umso mehr vom Schlußsatze, und nach dem, der dies auf den Schlußsatz bezieht, gilt dies im Anfangsatze auch von einer, die nicht entwickelt ist.

18Die Rabbanan lehrten: Da es Maus heißt, so verstehe ich dies auch von der Seemaus, die ebenfalls Maus heißt. Man könnte einen Schluß folgern: das Wiesel ist unrein und die Maus ist unrein, wie das Wiesel eine Art ist, die nur das Festland bewohnt, ebenso auch nur die Maus, die das Festland bewohnt.

19Oder aber wie folgt: das Wiesel ist unrein und die Maus ist unrein, wie vom Wiesel alles, was Wiesel heißt, ebenso auch von der Maus alles, was Maus heißt. Daher heißt es: auf der Erde.

20Aus [den Worten] auf der Erde könnte man entnehmen, sie sei nur auf der Erde verunreinigend, nicht aber, wenn sie in das Meer hinabgestiegen ist,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.