Chullin — Blatt 127a
1so heißt es: das wimmelt, wo es auch wimmelt.
2Vielleicht ist dem nicht so, sondern [wie folgt auszulegen:] das wimmelt, was wirft, ist unrein, was aber nicht wirft, ist nicht unrein, wonach eine zur Hälfte aus Fleisch und zur Hälfte aus Erde bestehende Maus auszuschließen ist, da sie sich nicht fortpflanzt?
3Es ist ein Schluß zu folgern: das Wiesel ist unrein und die Maus ist unrein, wie vom Wiesel alles, was Wiesel heißt, ebenso auch von der Maus alles, was Maus heißt, wonach auch eine zur Hälfte aus Fleisch und zur Hälfte aus Erde bestehende Maus einzuschließen ist.
4Oder aber wie folgt: wie ein Wiesel sich fortpflanzt, ebenso auch eine Maus, die sich fortpflanzt. Daher heißt es: unter den Kriechtieren.
5Einer von den Jüngern sprach zu Raba: Vielleicht [ist wie folgt auszulegen:] unter den Kriechtieren, dies schließt die zur Hälfte aus Fleisch und zur Hälfte aus Erde bestehende Maus ein; das wimmelt, alles was wimmelt, auch die Seemaus, und [die Worte] auf der Erde besagen, daß sie auf dem Festlande verunreinigend und im Meere nicht verunreinigend sei!?
6Dieser erwiderte: Machst du das Meer zu einem Raume der Unreinheit, so ist es ja einerlei, ob sie sich da oder dort befindet. –
7[Die Worte] auf der Erde sind ja aber dazu nötig, um die zweifelhafte schwimmende Unreinheit auszuschließen!? R. Jiçḥaq b. Evdämi sagte nämlich: Auf der Erde, dies schließt die zweifelhafte schwimmende Unreinheit aus. –
8Es heißt zweimal auf der Erde.
9Die Rabbanan lehrten: Die Kröte nach ihrer Art, dies schließt den A͑rod, den Ben-Nephil und den Salamander ein.
10Wenn R. A͑qiba an diesen Schriftvers herankam, sprach er: Wie groß sind deine Werke, o Herr! Du hast Geschöpfe, die im Meere gedeihen, und du hast Geschöpfe, die auf dem Festlande gedeihen; wenn die des Meeres aufs Festland heraufkämen, sie würden sofort verenden, und wenn die des Festlandes ins Meer hinabstiegen, sie würden sofort verenden.
11Du hast Geschöpfe, die im Feuer gedeihen, und du hast Geschöpfe, die in der Luft gedeihen; wenn die des Feuers in die Luft, kämen, sie würden sofort verenden, und wenn die der Luft ins Feuer kämen, sie würden sofort verenden. Wie groß sind deine Werke, o Herr!
12Die Rabbanan lehrten: Alles, was sich auf dem Festlande befindet, befindet sich auch im Meere, ausgenommen das Wiesel [Ḥulda]. R. Zera sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers: höret dies, alle Bewohner der Erde [Ḥeled].
13R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, sagte: Die Biber von Naraš sind keine Bewohner des Festlandes.
14R. Papa sprach: In den Bann komme Naraš, sein Fett, sein Fell und sein Fettschwanz. O Land, Land, Land, höre das Wort des Herrn. R. Papa sagte: Naraš wollte das Wort des Herrn nicht hören.
15R. Gidel sagte im Namen Rabhs: Küßt dich jemand aus Naraš, so zähle deine Zähne. Begleitet dich jemand aus Nehar Peqod, so tut er dies wegen des schönen Mantels, den er an dir sah. Begleitet dich jemand aus Pumbeditha, so wechsle deine Herberge.
16R. Hona b. Turta erzählte: Einst ging ich nach Vaa͑d und sah eine Schlange um eine Kröte gewunden; nach Tagen ging aus ihnen ein A͑rod hervor.
17Als ich zu R. Šimo͑n dem Frommen kam, sprach er zu mir: Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Sie bringen Geschöpfe hervor, die ich in meiner Welt nicht erschaffen habe, so will auch ich über sie ein Geschöpf bringen, das ich in meiner Welt nicht erschaffen habe. –
18Der Meister sagte ja aber, [Tiere], deren Begattungsart und Schwangerschaft gleich sind, können von einander gebären und großziehen, und deren Begattungsart und Schwangerschaft nicht gleich sind, können nicht von einander gebären und großziehen!?
19Rabh erwiderte: Es war ein Wunder in einem Wunder. – Dies war ja eine Heimsuchung!? – Das Wunder in einem Wunder erfolgte zur Heimsuchung.
20DAS AN EINEM VIEH NACHHÄNGENDE GLIED ODER FLEISCH IST AN SEINER STELLE ALS SPEISE VERUNREINIGUNGSFÄHIG UND BENÖTIGT DER BEFÄHIGUNG.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.