Chullin — Blatt 129a

1dies ist ja eine unsichtbare Unreinheit, und die unsichtbare Unreinheit ist nicht verunreinigend!?

2Dieser erwiderte: Dies war mir ebenfalls schwierig, und ich fragte R. Abba b. Mamal, und er erwiderte mir, hier sei die Ansicht R. Meírs vertreten, welcher sagt, die unsichtbare Unreinheit sei verunreinigend.

3Jener entgegnete: Dies sagte er mir wiederholt, und ich erwiderte ihm, R. Meír unterscheide zwischen einer Unreinheit, die der Befähigung benötigt, und einer Unreinheit, die der Befähigung nicht benötigt.

4Raba sprach: Was ist dies für ein Einwand, vielleicht in dem Falle, wenn es bereits befähigt worden ist!?

5Rabba b. R. Ḥanan sprach zu Raba: Wozu ist eine Befähigung nötig, es ist ja durch das, wovon es herkommt, schwer verunreinigend!?

6Dieser erwiderte: Vorher hatte es als Holz gegolten.

7Abajje sagte: Sie sagten, ein Klumpen Sauerteig, den man zum Sitzen bestimmt hat, verliere seine Eigenschaft.

8Die Unreinheit desselben ist nicht aus der Tora, denn wenn man sagen wollte, aus der Tora, so würde es sich ja ergehen, daß Speisen schwer verunreinigend sein können. – Bei der Verwendung gilt er als Holz.

9Abajje sagte [ferner]: Sie sagten, den Götzen gespendete Speisen seien durch Bezeltung verunreinigend. Die Unreinheit derselben ist nicht aus der Tora, denn wenn man sagen wollte, aus der Tora, so würde es sich ja ergehen, daß Speisen schwer verunreinigend sein können. – Bei der Verwendung gelten sie als Holz.

10Abajje sagte [ferner]: Sie lehrten, haftende Speisen gleichen den Geräten. Deren Unreinheit ist nicht aus der Tora, denn wenn man sagen wollte, aus der Tora, so würde es sich ja ergehen, daß Speisen schwer verunreinigend sein können. – Bei der Verwendung gelten sie als Holz.

11R. Papa sprach zu Raba: Es wird gelehrt, der Talg von Aas in Dörfern benötige der Absicht und der Befähigung. Seine Unreinheit durch die Niere ist nicht aus der Tora, denn wenn man sagen wollte, aus der Tora, so würde es sich ja ergehen, daß Speisen schwer verunreinigend sein können. –

12Bei der Verwendung gilt er als Holz.

13R. Mathna sagte: Sie sagten, wenn man ein Haus mit Saaten überdacht hat, seien sie rein. Deren Unreinheit ist nicht aus der Tora, denn wenn man sagen wollte, aus der Tora, so würde es sich ja ergehen, daß Saaten schwer verunreinigend sind. – Bei der Verwendung gelten sie als Holz.

14NACH R. ŠIMO͑N IST ES REIN.

15Wie du es nimmst: bewirkt das Verenden das Abfallen, so sollte es als Glied von Lebendem unrein sein, und bewirkt das Verenden nicht das Abfallen, so sollte es als Glied von Aas unrein sein!? –

16R. Šimo͑n bezieht sich auf den Anfangsatz: das an einem Vieh nachhängende Glied oder Fleisch ist an seiner Stelle als Speise verunreinigungsfähig und benötigt der Befähigung; nach R. Šimo͑n ist es rein.

17R. Asi sagte im Namen R. Joḥanans: Was ist der Grund R. Šimo͑ns? Die Schrift sagt: von jeder Speise, die gegessen wird; eine Speise, die man Fremden zu essen geben darf, heißt Speise, und eine Speise,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.