Chullin — Blatt 129b
1die man Fremden nicht zu essen geben darf, heißt nicht Speise.
2R. Zera sprach zu R. Asi: Vielleicht ist folgendes der Grund R. Šimo͑ns: weil es durch die Haut verbunden ist!?
3Es wird nämlich gelehrt: Wenn ein Zweig von einem Feigenbaume abgeplatzt ist und durch die Rinde anhaftet, so ist. er nach R. Jehuda rein; die Weisen sagen, kann er weiter leben, sei er rein, wenn aber nicht, unrein. Und auf unsere an dich gerichtete Frage, was der Grund R. Jehudas sei, erwidertest du uns, weil er anhaftet.
4Dieser erwiderte: Dies bezieht sich auf den Mittelsatz: ist das Vieh geschlachtet worden, so ist es durch das Blut befähigt – so R. Meír. R. Šimo͑n sagt, es sei dadurch nicht befähigt.
5(R. Asi sprach:) R. Joḥanan sagte: Was ist der Grund R. Šimo͑ns? Die Schrift sagt: von jeder Speise, die gegessen wird, eine Speise, die man Fremden zu essen geben darf, heißt Speise, und eine Speise, die man Fremden nicht zu essen geben darf, heißt nicht Speise. –
6Vielleicht ist hierbei der Grund R. Šimo͑ns
7nach Rabba oder nach R. Joḥanan zu erklären!? –
8Vielmehr, tatsächlich bezieht es sich auf den Schlußsatz, jedoch nicht auf das Glied, sondern nur auf das Fleisch. Ist das Vieh verendet, so benötigt das Fleisch der Befähigung, nach R. Šimo͑n aber ist es rein.
9Hierzu sagte R. Joḥanan: Was ist der Grund R. Šimo͑ns? Die Schrift sagt: von jeder Speise, die gegessen wird, eine Speise, die man Fremden zu essen geben darf, heißt Speise, und eine Speise, die man Fremden nicht zu essen geben darf, heißt nicht Speise.
10DAS AN EINEM MENSCHEN NACHHÄNGENDE GLIED ODER FLEISCH IST REIN; IST DER MENSCH GESTORBEN, SO IST DAS FLEISCH REIN, DAS GLIED ABER ALS GLIED VON EINEM LEBENDEN VERUNREINIGEND, NICHT ABER ALS GLIED VON EINER LEICHE SO R. MEÍR; NACH R. ŠIMO͑N IST ES REIN.
11GEMARA. Welcher Ansicht ist R. Šimo͑n: ist er der Ansicht, der Tod bewirke das Abfallen, so sollte es als Glied von einem Lebenden unrein sein, und ist er der Ansicht, der Tod bewirke nicht das Abfallen, so sollte es als Glied von einer Leiche unrein sein!? –
12R. Šimo͑n bezieht sich auf andere Fälle. Der erste Autor sagt, das Glied sei unrein als Glied von einem Lebenden, nicht aber als Glied von einer Leiche, demnach ist ein Glied von einer Leiche sonst unrein, und hierzu sagte R. Šimo͑n, ein Glied von einer Leiche sei auch sonst nicht unrein.
13Es wird nämlich gelehrt: R. Elie͑zer sagte: Ich hörte, ein Glied von einem Lebenden sei unrein. Da sprach R. Jehošua͑ zu ihm: Nur von einem Lebenden und nicht von einer Leiche!? Es ist ja vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn das abgetrennte Glied von einem Lebenden, der rein ist, unrein ist, um wieviel mehr das von einer Leiche, die unrein ist.
14Desgleichen steht in der Fastenrolle geschrieben: Am kleinen Pesaḥfeste darf keine Trauer abgehalten werden. Darf etwa am großen [Pesaḥfeste] eine Trauer abgehalten werden!? Vielmehr umso weniger an diesem, ebenso auch hierbei: umso mehr dieses. Dieser erwiderte: So habe ich es gehört. –
15Welchen Unterschied gibt es zwischen einem Gliede von einem Lebenden und einem Gliede von einer Leiche!? – Ein Unterschied besteht zwischen ihnen hinsichtlich einer von einem Gliede von einem Lebenden abgesonderten Olive Fleisch oder eines gerstengroßen Knochens.
16Wir haben nämlich gelernt: Eine von einem Gliede von einem Lebenden abgesonderte Olive Fleisch ist nach R. Elie͑zer unrein und nach R. Neḥunja b. Haqana und R. Jehošua͑ rein. Ein von einem Gliede von einem Lebenden abgesonderter gerstengroßer Knochen ist nach R. Neḥunja unrein und nach R. Elie͑zer und R. Jehošua͑ rein.
17Da du nun darauf gekommen bist, so ist auch hinsichtlich des ersten Autors und R. Šimo͑ns [zu erklären], ein Unterschied besiehe zwischen ihnen hinsichtlich einer Olive Fleisch und eines gerstengroßen Knochens.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.