Chullin — Blatt 137a
1Heiligkeit und Verkauf, und diese sind mehr!? –
2Er folgert lieber hinsichtlich des Gewöhnlichen vom Gewöhnlichen.
3WÄHREND DAS DER ERSTSCHUR NUR BEI SCHAFEN GELTUNG HAT. Woher dies? R. Ḥisda erwiderte: Dies ist durch [das Wort] Schur zu folgern; hierbei heißt es: das Erste der Schur deiner Schafe sollst du ihm geben, und dort heißt es: und mit der Schur meiner Lämmer erwärmt er sich; wie dort Lämmer, ebenso auch hierbei Lämmer. –
4Sollte er doch durch [das Wort] Schur vom Erstgeborenen folgern!? Es wird nämlich gelehrt: Du sollst nicht arbeiten mit dem Erstgeborenen deiner Rinder und nicht scheren das Erstgeborene deiner Schafe; ich weiß dies nur von der Arbeit mit einem Rinde und der Schur eines Schafes,
5woher, daß auch das, was vom ersten gesagt ist, auf das andere, und das, was vom anderen gesagt ist, auf das erste zu beziehen ist? Es heißt: nicht arbeiten, und nicht scheren. –
6Die Schrift sagt: sollst du ihm geben, nicht aber zu einem Sacke. –
7Demnach sollte das Ziegenhaar pflichtig sein!? – Es ist eine Schur erforderlich, was bei diesem nicht der Fall ist. –
8Derjenige, der diese Ansicht vertritt, ist ja R. Jose, und R. Jose pflichtet ja hinsichtlich dessen bei, wobei es das Gewöhnliche ist!? –
9Vielmehr, wie R. Jehošua͑ b. Levi erklärt hat: zu stehen und Dienst zu tun, zu einer Sache, die beim Dienste verwendbar ist, ebenso muß es auch hierbei eine Sache sein, die beim Dienste verwendbar ist. –
10Wofür ist nun die Analogie durch [das Wort] Schur verwendbar? – Für eine Lehre der Schule R. Jišma͑éls, denn in der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Lämmer mit harter Wolle sind von der Erstschur frei, denn es heißt: und mit der Schur meiner Lämmer erwärmt er sich. –
11Eines lehrt, wenn man Ziegen schert oder Schafe spült, sei man frei, und ein anderes lehrt, wenn man Ziegen schert, sei man frei, und wenn man Schafe spült, sei man verpflichtet!? – Das ist kein Ein wand; eines nach den Rabbanan und eines nach R. Jose.
12Es wird nämlich gelehrt: Die Nachlese deiner Ernte, nicht aber die Nachlese des Gepflückten. R. Jose sagte: Nachlese ist nur das, was beim Mähen zurückbleibt. –
13R. Jose sagt ja dasselbe, was der erste Autor!? – Das ganze ist von R. Jose, und er meint es wie folgt: denn R. Jose sagte: Nachlese sei nur das, was beim Mähen zurückbleibt.
14R. Aḥa, der Sohn Rabas, sprach zu R. Aši: R. Jose pflichtet bei hinsichtlich dessen, wobei es das Gewöhnliche ist, denn es wird gelehrt: R. Jose sagte: Ernte,ich weiß dies nur vom Mähen, woher dies vom Ausreißen?
15Es heißt: zu ernten. Woher dies vom Pflücken? Es heißt: wenn du erntest.
16Rabina sprach zu R. Aši: Auch wir haben demgemäß gelernt: Von den Zwiebelbeeten zwischen den Krautfeldern ist der Eckenlaß, wie R. Jose sagt, von jedem besonders, und wie die Weisen sagen, von einem für alle [zu lassen].
17WAS HEISST VIEL. Einleuchtend ist die Ansicht der Schule Šammajs, denn auch zwei heißen Schafe, was aber ist der Grund der Schule Hillels?
18R. Kahana erwiderte: Die Schrift sagt: hergerichtete, durch die zwei Gebote verrichtet worden waren, das der Erstschur und das der Priestergaben. – Vielleicht das der Erstgeburt und das der Priestergaben!? –
19Hat denn das der Erstgeburt bei einem [Schafe] keine Geltung!? – Hat denn, nach deiner Auffassung, das der Priestergaben bei einem [Schafe] keine Geltung!? Vielmehr, erklärte R. Aši, hergerichtete, die ihren Besitzer zum Herrichten veranlassen und zu ihm sprechen: auf, übe das Gebot aus.
20Es wird gelehrt: R. Jišma͑él b. R. Jose sagte im Namen seines Vaters: Vier [heißen viele], denn es heißt: und vier Schafe statt des einen Schafes.
21Es wird gelehrt: Rabbi sagte: Wenn ihre Worte auf die Tora und die Worte Berabbis auf eine Überlieferung [sich stützen würden], würden wir dennoch auf die Worte Berabbis hören, und umso mehr, wo ihre Worte auf eine Überlieferung und die Worte Berabbis auf die Tora [sich stützen]. –
22Der Meister sagte ja aber, eine dritte Ansicht sei nicht ausschlaggebend!?
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.