Chullin — Blatt 137b

1R. Joḥanan erwiderte: Er sagte es nach einer Mitteilung aus dem Munde von Ḥaggaj, Zekharja und Maleakhi.

2R. DOSA B. ARCHINOS SAGT &C. Was heißt: soviel es auch ist? Rabh erklärte: Anderthalb Minen, nur muß es gefünfteilt sein. Šemuél erklärte: Sechzig [Sela͑]; einen Sela͑ gebe man dem Priester.

3Rabba b. Bar Ḥana erklärte im Namen R. Joḥanans: Sechs [Sela͑]; fünf für den Priester und einen für sich. U͑la erklärte im Namen R. Elea͑zars: Wie wir gelernt haben: soviel es auch ist. –

4Es wird gelehrt: Wieviel gebe man ihm? Das Gewicht von fünf Sela͑ in Judäa, gleich zehn Sela͑ in Galiläa. Einleuchtend ist dies nach Rabh und R. Joḥanan, gegen Šemuél und R. Elea͑zar aber ist es ja ein Einwand!? –

5Stimmt dies denn, nach deiner Auffassung, nach Rabh, Rabh und Šemuél sagten ja beide, die Erstschur ein Sechzigstel!? –

6Hierzu wird ja gelehrt, Rabh und Šemuél beziehen es beide auf einen Jisraéliten, der eine große Schur hat und [die Erstschur] an den Priester entrichten will; man sage ihm, daß er niemandem weniger als fünf Sela͑ gebe.

7Der Text. Rabh und Šemuél sagten beide, die Erstschur ein Sechzigstel, die Hebe ein Sechzigstel und der Eckenlaß ein Sechzigstel. Wieso die Hebe ein Sechzigstel,

8wir haben ja gelernt, die wohlwollende Hebe [betrage] ein Vierzigstel!? – Nach der Tora ein Sechzigstel, rabbanitisch ein Vierzigstel. –

9Wieso nach der Tora ein Sechzigstel, Šemuél sagte ja, ein Weizenkorn befreie den ganzen Haufen!? – Nach der Tora gemäß der Lehre Šemuéls, rabbanitisch aber vom nach der Tora [Pflichtigen] ein Vierzigstel und vom rabbanitisch [Pflichtigen] ein Sechzigstel. –

10Wieso der Eckenlaß ein Sechzigstel, wir haben ja gelernt, bei folgenden Dingen gebe es kein festgesetztes Maß: beim Eckenlasse, bei den Erstlingen und beim Erscheinen!? – Nach der Tora hat er kein festgesetztes Maß, rabbanitisch aber beträgt er ein Sechzigstel. –

11Was lehrt er uns damit, wir haben ja bereits gelernt, der Eckenlaß betrage, obgleich sie gesagt haben, er habe kein festgesetztes Maß, wenigstens ein Sechzigstel!? – Jenes im [Jisraél]lande, dieses außerhalb des Landes.

12Als Isi b. Hini hinaufgekommen war, traf ihn R. Joḥanan seinen Sohn Reḥelim [Schafe] lehren. Da sprach dieser zu ihm: Lehre ihn doch Reḥeloth! Jener erwiderte: Wie es in der Schrift heißt: zweihundert Reḥelim. Dieser entgegnete: Die Schrift hat ihre eigne Sprache und die Weisen haben ihre eigne Sprache.

13Hierauf fragte dieser: Wer ist Schuloberhaupt in Babylonien? Jener erwiderte: Der lange Abba. Da sprach dieser: Du nennst ihn den langen Abba? Ich erinnere mich noch, wie ich vor Rabbi siebzehn Reihen hinter Rabh saß, und Feuerfunken sprühten aus dem Munde Rabhs gegen den Mund Rabbis, und aus dem Munde Rabbis gegen den Mund Rabhs, während ich nichts von dem verstand, was sie sprachen. Und du nennst ihn den langen Abba!

14Hierauf fragte jener, bei welchem Quantum man zur Erstschur [verpflichtet sei]. R. Joḥanan erwiderte: Bei sechzig [Sela͑]. – Wir haben ja aber gelernt: soviel es auch ist!? Dieser erwiderte: Welchen Unterschied gäbe es denn zwischen mir und dir!?

15Als R. Dimi kam, sagte er: Zur Erstschur [verpflichtet] ist man, wie Rabh sagt, bei sechzig, und wie R. Joḥanan im Namen R. Jannajs sagt, bei sechs [Sela͑]. Abajje sprach zu R. Dimi: Eines leuchtet uns ein und gegen eines haben wir einen Einwand zu erheben.

16Allerdings befindet sich R. Joḥanan nicht mit sich selber in einem Widerspruche, denn eines ist seine Ansicht und eines ist die seines Lehrers.

17Rabh aber befindet sich ja mit sich selber in einem Widerspruche, denn Rabh sagte, dies erfolge bei anderthalb Mine!? – Auch Rabh befindet sich in einem Widerspruche mit sich selber, denn er spricht von einer Mine von vierzig Sela͑, das ist somit

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.