Chullin — Blatt 139b
1so könnte man glauben, hierbei verhalte es sich ebenso, so heißt es: er gebe die Schätzung &c., sie sind profan, bis sie in die Hände des Schatzmeisters gekommen sind. –
2Vielmehr, ist dies gelehrt worden, so wird es wie folgt lauten: R. Hamnuna sagte: Alle stimmen über das Schätzgelübde überein, daß man haftbar sei, auch wenn man nicht ‘auf mich’ gesagt hat, denn es heißt: er gebe die Schätzung &c., sie gelten bei dir als profan, bis sie in die Hände des Schatzmeisters gekommen sind.
3STRENGER IST DAS [GESETZ] VOM BEDECKEN &C. Die Rabbanan lehrten: Wenn sich dir ein Vogelnest trifft;
4was lehrt dies? Da es heißt: fortschicken sollst du die Mutter und die Jungen nimm dir, so könnte man glauben, man suche auf Bergen und Hügeln, um ein Nest zu finden, so heißt es: wenn sich dir trifft, wenn es sich dir zufällig trifft.
5Ein Nest, in jedem Falle; Vogel, ein reiner, nicht aber ein unreiner; dir, auf Privatgebiet; auf dem Wege, auf öffentlichem Gebiete. Woher dies, wenn auf Bäumen? Es heißt: auf irgend einem Baume. Woher dies, wenn in Gruben, Graben und Höhlen? Es heißt: oder auf der Erde.
6Wozu heißt es, wo wir schließlich alles einschließen: vor dir auf dem Wege? Um dir zu sagen, wie auf dem Wege das Nest nicht in deinem Besitze ist, ebenso überall, wenn das Nest nicht in deinem Besitze ist. Hieraus folgerten sie, daß man bei Tauben vom Schlage oder vom Söller, die in Mauernestern oder Wölbungen nisten, und bei Gänsen und Hühnern, die in einem Obstgarten nisten, zum Fliegenlassen verpflichtet sei, bei solchen aber, die im Hause nisten, und bei Herodianischen Tauben davon frei sei.
7Der Meister sagte: Wie auf dem Wege das Nest nicht in deinem Besitze ist, ebenso überall, wenn das Nest nicht in deinem Besitze ist. Wozu ist dies nötig, dies geht ja hervor aus [den Worten]: wenn sich dir trifft, wenn sich dir trifft, ausgenommen das Vorrätige!? Und wozu heißt es ferner (vor) dir!? –
8Vielmehr, dir, dies schließt den Fall ein, wenn sie bei dir waren und verwildert sind. Auf dem Wege, dies deutet auf eine Lehre des R. Jehuda im Namen Rabhs, denn R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Findet man ein Vogelnest auf dem Meere, so ist man zum Fliegenlassen verpflichtet, denn es heißt: so spricht der Herr, der einen Weg im Meer anlegt &c. –
9Demnach müßte man zum Fliegenlassen verpflichtet sein, wenn man ein Vogelnest am Himmel findet, denn es heißt: den Weg des Adlers am Himmel!? – Er heißt nur Weg des Adlers, nicht aber schlechthin Weg.
10Die Papunäer fragten R. Mathna: Wie ist es, wenn man ein Nest auf dem Kopfe eines Menschen findet? Dieser erwiderte: [Es heißt:] und Erde auf seinem Kopfe. – Wo ist Moše in der Schrift angedeutet? – [Es heißt:] weil er Fleisch ist. –
11Wo ist Haman in der Schrift angedeutet? – [Es heißt:] etwa vom Baume. –
12Wo ist Ester in der Schrift angedeutet? – [Es heißt:] verbergen werde ich, verbergen [astir]. – Wo ist Mordekhaj in der Schrift angedeutet? – Es heißt: ausgeflossene Myrrhen, und wir übersetzten: Mura Dakhja.
13WAS HEISST NICHT VORRÄTIG &C. R. Ḥija und 11R. Šimo͑n [streiten]; einer liest hadresioth und einer liest hardesioth. Einer liest hardesioth, nach Herodes benannt, und einer liest hadresioth, nach ihrer Ortschaft benannt,
14R. Kahana sagte: Ich sah solche; sechzehn Reihen standen auf einer Fläche von einem Mil, und sie riefen: qiri, qiri. Unter ihnen befand sich eine, die nicht qiri, qiri rief; da sprach ihre Gefährtin zu ihr: Blinde, rufe doch qiri, qiri! Jene erwiderte: Blinde, rufe du qiri kiri! Darauf holte man sie und schlachtete sie.
15R. Aši sagte: Ḥanina sagte mir, dies sei Geschwätz. – Geschwätz, wie kommst du darauf!? – Sage vielmehr, durch Geschwätz.
16BEI EINEM UNREINEN VOGEE IST MAN VOM FLIEGENLASSEN FREI. Woher dies? R. Jiçḥaq erwiderte: Die Schrift sagt: wenn sich dir ein Vogelnest [Çipor] trifft; unter O͑ph ist sowohl ein reiner als auch ein unreiner Vogel zu verstehen, Çipor aber finden wir nur als Benennung für einen reinen Vogel, nicht aber für einen unreinen. –
17Komm und höre: Die Figur irgend eines Çipor, beflügelt; doch wohl: Çipor, sowohl reine als auch unreine [Vögel], beflügelt, Heuschrecken!? – Nein, Çipor, reine, beflügelt, unreine und Heuschrecken. –
18Komm und höre: Wild und alles Vieh, Gewürm und Çipor, beflügelt; doch wohl: Çipor, sowohl reine als auch unreine [Vögel], beflügelt, Heuschrecken!? – Nein, Çipor, reine, beflügelt, unreine, und Heuschrecken. –
19Komm und höre:Jeder Çipor, beflügelt, doch wohl nach unsrem Einwande!? – Nein, nach unsrer Erwiderung. –
20Komm und höre:Und du Menschensohn &c. sprich zum Çipor und allen Beflügelten; doch wohl nach unsrem Einwande!? – Nein, nach unsrer Erwiderung. –
21Komm und höre:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.