Chullin — Blatt 16b

1Wie verhält es sich mit dem, was vorher lose war und nachher befestigt worden ist, beim Schlachten? –

2Komm und höre: Wenn ein Stein aus der Wand ragt oder ein Rohr emporwächst und man damit geschlachtet hat, so ist die Schlachtung ungültig. –

3Hier wird von einer Höhlenwandgesprochen. Dies ist auch zu beweisen, denn er lehrt davon ebenso, wie von einem Rohre, das emporwächst. Schließe hieraus. –

4Komm und höre: Hat man ein Messer in die Wand gesteckt und damit geschlachtet, so ist die Schlachtung gültig. – Anders verhält es sich bei einem Messer, das seine Eigenschaft nicht verliert. –

5Komm und höre: Wenn mit am Boden Haftendem, so ist die Schlachtung gültig. – Vielleicht ist jenes eine Erklärung: was heißt am Boden Haftendes? – ein Messer, das seine Eigenschaft nicht verliert.

6Der Meister sagte: Hat man ein Messer in die Wand gesteckt und damit geschlachtet, so ist die Schlachtung gültig. R. A͑nan sagte im Namen Šemuéls: Dies lehrten wir nur von dem Fall, wenn das Messer oben ist, und der Hals des Viehs unten, wenn aber das Messer unten und der Hals des Viehs oben, so ist zu berücksichtigen, man könnte aufdrücken. –

7Er lehrt ja aber: einerlei ob das Messer unten ist und der Hals des Viehs oben, oder das Messer oben und der Hals des Viehs unten !?

8R. Zebid erwiderte: Er lehrt zwei verschiedene Fälle: das Messer unten und der Hals des Viehs oben, wenn es lose ist, das Messer oben und der Hals des Viehs unten, auch wenn es befestigt ist. R. Papa erwiderte: Dies gilt vom Geflügel, da es leicht ist.

9R. Ḥisda sagte im Namen R. Jiçḥaqs, und wie manche sagen, wurde dies in einer Barajtha gelehrt: Fünferlei sagen sie von einem Rohrstreifen: man darf damit nicht schlachten, man darf damit nicht die Beschneidung vollziehen, man darf damit kein Fleisch schneiden, man darf damit nicht die Zähne stochern und man darf sich damit nicht reinigen.

10Wieso darf man damit nicht schlachten, es wird ja gelehrt, man dürfe mit allem schlachten, mit einem Steine, mit Glas oder mit einem Rohrstreifen!? R. Papa erwiderte: Mit Sumpfrohr.

11«Man darf damit kein Fleisch schneiden.» R. Papa schnitt damit Eingeweide von Fischen, da sie durchsichtig sind. Rabba b. R. Hona schnitt damit Geflügel, da es weich ist. –

12«Man darf sich damit nicht reinigen.» Dies sollte ja schon aus dem Grunde [verboten] sein, weil der Meister sagte, wer sich mit einer Sache reinigt, über die das Feuer Gewalt hat, dem lösen sich die Zotten[des Mastdarms]!? R. Papa erwiderte: Wir sprechen von der Reinigung einer Wunde.

13ES DÜRFEN ALLE SCHLACHTEN, JEDERZEIT SCHLACHTEN. Alle schlachten, alles ist zu schlachten, auch Geflügel.

14Jederzeit schlachten!? Wer ist der Autor? Rabba erwiderte: Es ist R. Jišma͑él, denn es wird gelehrt: Wenn der Herr, dein Gott, dein Gebiet erweitert, wie er dir versprochen hat, und du sagst : ich möchte Fleisch essen &c. R. Jišma͑él sagte: Die Schrift erlaubt ihnen damit das Lustfleisch.

15Zuerst war ihnen das Lustfleisch verboten, als sie aber in das Land kamen, wurde ihnen das Lustfleisch erlaubt.

16Man könnte nun glauben, jetzt, wo sie sich in der Gefangenschaft befinden, sei das ursprüngliche Verbot wieder eingetreten, daher lehrt er: jederzeit schlachten.

17R. Joseph wandte ein: Wieso heißt es demnach: jederzeit schlachten, es sollte ja heißen: jederzeit schlachten und essen!? Ferner: zuerst war es wohl deshalb verboten, weil sie es nahe zum Offenbarungszelte hatten, und später wurde es ihnen wohl deshalb erlaubt, weil sie es weit zum Offenbarungszelte hatten,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.