Chullin — Blatt 36b
1Dies schließt wohl die Würde der Heiligkeit aus. – Nein, einer spricht von der Unreinheit einer Leiche und einer spricht von der Unreinheit eines Kriechtiers.
2Und beides ist nötig. Würde er es nur von der Unreinheit einer Leiche gelehrt haben, so könnte man glauben, nur diese benötige der Befähigung, weil sie nicht in Linsengröße erfolgt, die eines Kriechtiers aber, die schon in Linsengröße erfolgt, benötige keiner Befähigung.
3Und würde er es nur von der eines Kriechtiers gelehrt haben, so könnte man glauben, weil die Unreinheit keine sieben Tage anhält, die einer Leiche aber, die sieben Tage anhält, benötige keiner Befähigung. Daher ist beides nötig.
4R. Joseph wandte ein: R. Šimo͑n sagt, sie seien durch die Schlachtung befähigt worden. Befähigt, auch zur Zählung einer erstgradigen und zweitgradigen [Unreinheit];
5weshalb denn, sie sind ja keine Speise, die in Wasser gekommen ist!? Abajje erwiderte: Es ist rabbanitisch der Befähigung durch das Wasser gleichgestellt worden.
6R. Zera sprach zu ihm: Komm und höre: Winzert man [Trauben] für die Kelter, so sind sie, wie Šammaj sagt, befähigt und wie Hillel sagt, nicht befähigt, und Hillel pflichtete Šammaj stillschweigend bei. Sie sind ja keine Speise, die in Wasser gekommen ist!? Abajje erwiderte: Es ist rabbanitisch der Befähigung durch das Wasser gleichgestellt worden.
7R. Joseph sprach zu ihm: Ich beweise es dir von der Befähigung durch die Schlachtung, und du erwiderst mir, sie haben sie der Befähigung durch das Wasser gleichgestellt; R. Zera beweist dir desgleichen, und du erwiderst ihm ebenfalls, sie haben es der Befähigung durch das Wasser gleichgestellt; auch im Falle des R. Šimo͑n b. Laqiš haben sie es der Befähigung durch das Wasser gleichgestellt!?
8Dieser erwiderte: Fragt R. Šimo͑n b. Laqiš etwa hinsichtlich der Unentschiedenheit, er fragt ja hinsichtlich der Verbrennung!? –
9Demnach ist die Befähigung durch die Würde der Heiligkeit aus der Tora, woher dies? Wollte man sagen, aus folgendem Schriftverse: und das Fleisch, das etwas Unreines berührt,
10wenn nämlich das Fleisch durch das Blut befähigt worden ist, so sagte ja R. Ḥija b. Abba im Namen R. Joḥanans, daß das Blut von Heiligem nicht befähigt mache, sei aus folgendem zu entnehmen: du darfst es nicht essen, auf die Erde gieße es fort wie Wasser, Blut, das wie Wasser fortzugießen ist, ist befähigend, und das nicht wie Wasser fortzugießen ist, ist nicht befähigend.
11Und wenn durch die Flüssigkeiten im Schiachtraume, so sagte ja R. Jose b. Ḥanina, die Flüssigkeiten im Schlachtraume seien nicht nur selbst rein, sondern auch nicht befähigend. Wolltest du sagen, dies sei auf das Blut zu beziehen, so spricht er ja von Flüssigkeiten. Wahrscheinlich wird es durch die Würde der Heiligkeit befähigt.
12Aber dies ist vielleicht nach R. Jehuda im Namen Šemuéls zu erklären. R. Jehuda erklärte nämlich im Namen Šemuéls, wenn man die zum Heilsopfer bestimmte Kuh über einen Fluß geführt hat und Nässe an ihr noch beim Schlachten haftet. –
13Vielmehr, aus dem Schlusse: und das Fleisch, dies schließt das Holz und den Weihrauchein, und Holz und Weihrauch sind ja nicht eßbar. Sie werden demnach durch die Würde der Heiligkeit befähigt und gelten als Speise, ebenso ist auch diesesdurch die Würde der Heiligkeit befähigt.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.