Chullin — Blatt 42a

1— Man könnte glauben, [man sage,] hätte sie geboren, so würde es bekannt geworden sein, so lehrt er uns, man könnte glauben, sie habe abortiert.

2FOLGENDE SIND TOTVERLETZUNGEN BEIM VIEH: WENN DIE SPEISERÖHRE DURCHLÖCHERT IST, DIE GURGEL DURCHGERISSEN IST, DIE HIRNHAUT DURCHLÖCHERT IST, DAS HERZ BIS ZUR KAMMER DURCHLÖCHERT IST, DAS RÜCKGRAT GEBROCHEN UND DER [MARK]FADEN DESSELBEN DURCHGERISSEN IST, DIE LEBER FORT UND NICHTS ZURÜCKGEBLIEBEN IST,

3DIE LUNGE DURCHLÖCHERT IST ODER DAVON ETWAS FEHLT; R. ŠIM͑ON SAGT, NUR WENN SIE BIS ZUM LUFTRÖHRENRAUME DURCHLÖCHERT IST. WENN DER LABMAGEN DURCHLÖCHERT IST, DIE GALLENBLASE DURCHLÖCHERT IST, DIE DÄRME DURCHLÖCHERT SIND, DER INNERE PANSEN DURCHLÖCHERT ODER DER GRÖSSERE TEIL DES ÄUSSEREN AUFGERISSEN IST; R. JEHUDA SAGT, BEI EINEM GROSSEN [VIEH] EINE HANDBREITE UND BEI EINEM KLEINEN DER GRÖSSERE TEIL. WENN DER BLÄTTERMAGEN ODER DER NETZMAGEN NACH AUSSEN DURCHLÖCHERT IST,

4[DAS VIEH] VOM DACHE ABGESTÜRZT IST, DIE MEISTEN RIPPEN GEBROCHEN SIND, ODER ES VON EINEM WOLFE ANGEPACKT WORDEN IST; R. JEHUDA SAGT, EIN KLEINVIEH VON EINEM WOLFE UND EIN GROSSVIEH VON EINEM LÖWEN. WENN KLEINES GEFLÜGEL VON EINEM HABICHT ODER GROSSES VON EINEM GROSSEN [RAUBVOGEL] ANGEPACKT WORDEN IST. DIE REGEL HIERBEI IST: ALLES, DESGLEICHEN NICHT LEBENSFÄHIG IST, GILT ALS TOTVERLETZTES.

5GEMARA. R. Šimo͑n b. Laqiš sagte: Wo ist in der Tora eine Andeutung für das Totverletzte zu finden? — Wo, [es heißt ja:]Fleisch auf dem Felde, Zerrissenes, dürft ihr nicht essen!? — Vielmehr, wo ist in der Tora eine Andeutung zu finden, daß unter ‘Totverletztes’ ein nicht lebensfähiges [Vieh] zu verstehen sei? Im Schlußsatz heißt es, die Regel hierbei sei, alles, desgleichen nicht lebensfähig ist, gelte als Totverletztes, demnach kann das Totverletzte nicht leben; woher dies? —

6Es heißt: dies sind die Lebewesen, die ihr essen dürft, was leben kann, iß, was nicht leben kann, iß nicht; demnach ist das Totverletzte nicht lebensfähig.

7Woher weiß es derjenige, welcher sagt, Totverletztes sei ein solches, das noch lebensfähig ist? — Er folgert dies aus: dies sind die Lebewesen, die ihr essen dürft, diese Lebewesen iß, ein anderes Lebewesen iß nicht; demnach kann das Totverletzte leben. —

8Wofür verwendet jener das dies? — Er verwendet es für eine Lehre der Schule R. Jišma͑éls, denn in der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Dies sind die Lebewesen, die ihr essen dürft, dies lehrt, daß der Heilige, gepriesen sei er, jede Art anfaßte, Moše zeigte und zu ihm sprach: das iß und das iß nicht. — Auch nach dem anderen ist es ja für die Lehre der Schule R. Jišma͑éls nötig!? — Dem ist auch so. — Woher weiß er demnach, daß das Totverletzte lebensfähig sei? —

9Er entnimmt dies aus einer anderen Lehre der Schule R. Jišma͑éls, denn in der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Zwischen dem Lebewesen, das gegessen wird, und dem Lebewesen, das nicht gegessen werden darf, das sind die achtzehn Totverletzungen, die Moše am Sinaj gelehrt worden sind. —

10Gibt es denn weiter keine mehr, es gibt ja noch die vier Fälle und die sieben Lehren!?

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.