Chullin — Blatt 4a

1Dekurie Vögel findet; man trenne den Kopf des einen ab und gebe ihm; ißt er davon, so darf man von seiner Schlachtung essen, wenn aber nicht, so darf man von seiner Schlachtung nicht essen.

2Abajje deduziert aus dem Anfangsatze und Raba deduziert aus dem Schlußsatze. Abajje deduziert aus dem Anfangsatze: nur wenn ein Jisraélit dabei steht, nicht aber, wenn er nur aus- und eingeht.

3Raba deduziert aus dem Schlußsatze: nur wenn man hereinkommt und findet, daß er geschlachtet hat, wenn man aber aus- und eingeht, ist es erlaubt. –

4Gegen Abajje ist ja aus dem Schlußsatze ein Einwand zu erheben!? – Er kann dir erwidern: das Aus- und Eingehen bezeichnet er als kommen und finden. – Gegen Raba ist ja ein Einwand aus dem Anfangsatze zu erheben!? – Er kann dir erwidern: wenn man aus- und eingeht, so ist es ebenso, als würde man dabei stehen.

5«Ebenso auch, wenn man bei ihm eine Dekurie Vögel findet; man trenne den Kopf des einen ab.» Weshalb denn, man sollte ja berücksichtigen, er habe vielleicht nur diesen richtig geschlachtet!?

6R. Menaše erwiderte: Wenn man sie unter den Schlagfittig nimmt. –

7Vielleicht hat er an diesem ein Kennzeichen!? R. Mešaršeja erwiderte: Man zerdrücke ihn.

8Vielleicht sind die Samaritaner der Ansicht, nach der Tora benötige das Geflügel nicht des Schlachtens!? –

9Ist denn, nach deiner Erklärung, die Unterbrechung, das Aufdrücken, das Durchbohren, das Verschieben und das Ausreißen geschrieben?

10Vielmehr halten sie davon, weil sie es anerkannt haben, ebenso halten sie auch hiervon, weil sie es anerkannt haben.

11Darüber, ob sie das, was nicht geschrieben ist, halten oder nicht halten, streiten Tannaím, denn es wird gelehrt: Das Ungesäuerte eines Samaritaners ist erlaubt und man entledigt sich damit seiner Pflicht am Pesaḥfeste;

12R. Elie͑zer verbietet es, weil sie in den Einzelheiten der Gebote nicht so kundig wie Jisraéliten sind.

13R. Šimo͑n b. Gamliél sagte: Jedes Gebot, das die Samaritaner halten, beobachten sie genauer als Jisraéliten.

14Der Meister sagte: Das Ungesäuerte eines Samaritaners ist erlaubt und man entledigt sich damit seiner Pflicht am Pesaḥfeste. Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, sie seien in der Beobachtung nicht kundig, so lehrt er uns. «R. Elie͑zer verbietet es, weil sie in den Einzelheiten der Gebote nicht kundig sind.» Er ist der Ansicht, sie seien in der Beobachtung nicht kundig.

15«R. Šimo͑n b. Gamliél sagte: Jedes Gebot, das die Samaritaner halten, beobachten sie genauer als Jisraéliten.» Das ist ja dasselbe was der erste Autor sagt!? – Ein Unterschied besteht zwischen ihnen bei [einem Gesetze], das geschrieben steht, sie aber davon nichts halten. Der erste Autor ist der Ansicht, wenn es nur geschrieben steht, auch wenn sie davon nichts halten, und R. Šimo͑n b. Gamliél ist der Ansicht, nur wenn sie davon halten, nicht aber, wenn sie davon nichts halten. –

16Wieso heißt es demnach: jedes Gebot, das die Samaritaner halten, es sollte ja heißen: wenn sie davon halten!? –

17Vielmehr, ein Unterschied besteht zwischen ihnen bei [einem Gesetze], das nicht geschrieben steht, sie aber davon halten. Der erste Autor ist der Ansicht, wenn es nicht geschrieben steht, obgleich sie davon halten, und R. Šimo͑n b. Gamliél ist der Ansicht, da sie davon halten, sind sie zuverlässig.

18Der Text. Raba sagte: Für einen abtrünnigen Jisraéliten, der Aas aus Gier ißt, untersuche man das Messer und gebe ihm, und man darf von seiner Schlachtung essen.

19Aus welchem Grunde? – Da er Erlaubtes und Verbotenes vor sich hat, so läßt er nicht das Erlaubte und ißt das Verbotene. –

20Demnach sollte dies auch von dem Falle gelten, wenn man es nicht untersucht hat!? – Bemühen tut er sich nicht.

21Die Jünger sprachen zu Raba: Es gibt eine Lehre als Stütze für dich: das Gesäuerte der Übertreter ist sofort nach dem Pesaḥfeste

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.