Chullin — Blatt 5b

1Von den Leuten des Volkes, ausgenommen der Abtrünnige.

2R. Šimo͑n b. Jose sagte im Namen R. Šimo͑ns: Die nicht ausgeübt werden sollen,, und versehentlich sich vergeht; wer bei seinem Bewußtwerden Buße tut, bringe wegen seines Vergehens ein Opfer, und wer bei seinem Bewußtwerden nicht Buße tut, bringe wegen seines Vergehens kein Opfer.

3Und auf unsre Frage, welchen Unterschied es zwischen ihnen gebe, erklärte R. Hamnuna, ein Unterschied bestehe zwischen ihnen hinsichtlich eines Abtrünnigen inbetreff des Talgessens, der ein Opfer wegen Blut[essens] bringt. –

4Eine [Lehre] spricht vom Sündopfer und eine vom Brandopfer. Und beide sind nötig. Würde er es nur vom Sündopfer gelehrt haben, so könnte man glauben, weil es Sühne erwirkt, ein Brandopfer aber, das nur ein Geschenk ist, nehme man von ihm an. Und würde er es nur vom Brandopfer gelehrt haben, so könnte man glauben, weil dieses kein Pflichtopfer ist, ein Sündopfer aber, das ein Pflichtopfer ist, nehme man von ihm wohl an. Daher sind beide nötig. –

5Ist denn überall, wo es Vieh heißt, das Böse zu verstehen, es heißt ja: Mensch und Vieh hilfst du, Herr, und R. Jehuda erklärte im Namen Rabhs, darunter seien Menschen zu verstehen, die nackt an Erkenntnis sind und sich als Vieh betrachten!? – Da heißt es Mensch und Vieh, hier aber heißt es nur Vieh. –

6Ist denn überall, wo es Mensch und Vieh heißt, das Gute zu verstehen, es heißt ja: ich säe das Haus Jisraél, Samen von Menschen und Samen von Vieh!? – Die Schrift hat sie geteilt; Samen von Menschen besonders und Samen von Vieh besonders.

7R. Ḥanan sagte im Namen des R. Ja͑qob b. Idi im Namen des R. Jehošua͑ b. Levi im Namen Bar Qapparas: R. Gamliél und sein Gerichtskollegium stimmten über die Schlachtung eines Samaritaners ab und verboten sie. R. Zera sprach zu R. Ja͑qob b. Idi: Vielleicht hat der Meister es nur von dem Falle gehört, wenn ein Jisraélit nicht dabei steht? Dieser erwiderte: Dieser Jünger glaubt, die Leute hätten keine Halakha gelernt; brauchte dies denn von dem Falle gesagt zu werden, wenn ein Jisraélit nicht dabei steht!? –

8Hat er dies anerkannt oder hat er es nicht anerkannt? – Komm und höre: R. Naḥman b. Jiçḥaq erzählte im Namen R. Asis, er habe R. Joḥanan von der Schlachtung eines Samaritaners essen sehen. Und auch R. Asi aß von der Schlachtung eines Samaritaners. R. Zera wunderte sich darüber: haben sie es nicht gehört, wenn sie es aber gehört hätten, würden sie darauf geachtet haben, oder haben sie es wohlgehört, aber nicht anerkannt?

9Später entschied er es sich selbst; es ist einleuchtend, daß sie es gehört und nicht anerkannt haben: wieso würden sie, wenn man sagen wollte, sie hätten es nicht gehört, wenn sie es aber gehört hätten, würden sie es anerkannt haben, dazu gekommen sein, Verbotenes zu essen; wenn der Heilige, gepriesen sei er, nicht einmal das Vieh der Frommen zu einem Verstoße kommen läßt, um wieviel weniger die Frommen selbst!?

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.