Chullin — Blatt 66b

1A͑qonas, der Aphonas, der Kaspathias, der Akaspaṭias oder der Aṭunas, so ist er erlaubt.

2Dort haben wir gelernt: Jeder der Schuppen hat, hat auch Flossen, mancher aber hat Flossen und keine Schuppen; hat er Schuppen und Flossen, so ist es ein reiner Fisch, hat er Flossen und keine Schuppen, so ist es ein unreiner Fisch. —

3Merke, entscheidend sind ja die Schuppen, somit sollte der Allbarmherzige nur Schuppen und nicht Flossen genannt haben!? — Hätte der Allbarmherzige nur Schuppen und nicht Flossen genannt, so könnte man glauben, unter ‘Schuppen’ seien die Flossen zu verstehen, wonach auch unreine Fische einbegriffen wären, daher nennt der Allbarmherzige Flossen und Schuppen. —

4Woher aber, wenn auch der Allbarmherzige Flossen und Schuppen genannt hat, daß unter ‘Schuppen’ die Bekleidung zu verstehen ist? — Es heißt: er war mit einem Schuppenpanzer bekleidet. — Demnach sollte der Allbarmherzige nur Schuppen und nicht Flossen genannt haben!?

5R. Abahu erwiderte, und ebenso wurde in der Schule R. Jišma͑éls gelehrt: Seine Lehre groß und ausgedehnt zu machen.

6Die Rabbanan lehrten: Wenn es heißt, daß man die esse, die sie haben, so weiß ich ja, daß man die nicht esse, die sie nicht haben, und wenn es heißt, daß man die nicht esse, die sie nicht haben, so weis ich ja, daß man die esse, die sie haben, wozu wird dies wiederholt? Damit man dieserhalb ein Gebot und ein Verbot übertrete.

7Dürft ihr essen von allem, was im Wasser ist; was lehrt dies? Er hat manche ausdrücklich und manche stillschweigend erlaubt, man könnte nun glauben, wie die ausdrückliche Erlaubnis sich nur auf den Fall bezieht, wenn sie sich in Gefäßen befinden, ebenso beziehe sich auch die stillschweigende Erlaubnis nur auf den Fall, wenn sie sich in Gefäßen befinden, woher nun, daß man ohne Bedenken sich bücken und aus Gruben, Zisternen und Höhlen trinken dürfe? Es heißt: dürft ihr essen von allem, was im Wasser ist. —

8Wo hat er es in Gefäßen erlaubt? — Es heißt: dies dürft ihr essen von allem, was im Wasser ist &c. in Seen und in Flüssen; nur aus diesen darfst du nur das essen, was [Kennzeichen] hat, nicht aber das, was keine hat, aus Gefäßen aber darfst du auch das essen, was keine hat. —

9Vielleicht dürfen sie aus Gefäßen nicht gegessen werden, auch wenn sie [Kennzeichen] haben!? — Dies ist nicht einleuchtend, denn es heißt: alles aber, was keine Flossen und keine Schuppen hat, in Seen und in Flüssen, von allen Kriechtieren des Wassers; aus Seen und Flüssen darfst du, wenn sie keine haben, nicht essen, aus Gefäßen aber darfst du essen, auch wenn sie keine haben. —

10Vielleicht aber: im Wasser, generell, in Seen und Flüssen, speziell, und wenn auf eine Generalisierung eine Spezialisierung folgt, so umfaßt die Generalisierung nur das Speziellgenannte, nur Seen und Flüsse, nicht aber Graben und Tiefungen!? —

11Es heißt im Wasser, und dies ist wiederum eine Generalisierung. —

12Die beiden Generalisierungen stehen ja nebeneinander!? Rabina erwiderte: Im Westen sagten sie, überall, wo die beiden Generalisierungen neben einander stehen, setze man die Spezialisierung zwischen beide

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.