Chullin — Blatt 70a
1Und würde nur die andere gelehrt worden sein, so könnte man glauben, Rabba vertrete seine Ansicht nur bei dieser, während er bei jener R. Hona beipflichte. Daher sind beide nötig.
2Wir haben gelernt: Wenn [ein Vieh] bei der ersten Geburt schwer wirft, so darf man Glieder einzeln abschneiden und vor die Hunde werfen. Doch wohl abschneiden und liegen lassen, und wenn du sagst, die Heiligkeit erfolge rückwirkend, müßte man sie ja begraben!?
3Nein, hier handelt es sich um den Fall, wenn man sie abschneidet und fortwirft.
4Weshalb lehrt er demnach, wenn man, falls man sie abschneidet und liegen läßt, sie begraben muß, im Schlußsatze, daß, wenn der größere Teil hervorgekommen ist, man sie begraben müsse, sollte er doch beim selben Falle einen Unterschied machen: dies gilt nur dann, wenn man Glieder einzeln abschneidet und fortwirft, wenn man sie aber abschneidet und liegen läßt, sind sie zu begraben!?
5Dies lehrt er auch: dies nur dann, wenn man sie abschneidet und fortwirft, wenn man sie aber abschneidet und liegen läßt, so ist es ebenso, als würde der größere Teil hervorgekommen sein, und sie sind zu begraben.
6Raba fragte: Richtet man sich bei den Gliedern nach dem größeren Teile, oder richtet man sich bei den Gliedern nicht nach dem größeren Teile? — In welchem Falle:
7wollte man sagen, wenn der größere Teil [der Geburt] mit dem kleineren Teile des Gliedes hervorgekommen ist, und die Frage sei, ob der außen befindliche kleinere Teil zum größeren Teile des Gliedes oder zum größeren Teile der Geburt gehöre,
8so ist es ja klar, daß man nicht den größeren Teil der Geburt lasse und sich nach dem größeren Teile des Gliedes richte!?
9Vielmehr, wenn die Hälfte mit dem größeren Teile des Gliedes hervorgekommen ist, und die Frage ist, ob der innen befindliche kleinere Teil des Gliedes zum größeren Teile gehöre.
10Komm und höre: Ist der größere Teil hervorgekommen, so ist [die Geburt] zu begraben. Was ist nun unter ‘größerer Teil’ zu verstehen: wollte man sagen, der wirklich größere Teil, so wissen wir ja von jeher, daß der größere Teil dem ganzen gleiche;
11doch wohl, wenn die Hälfte mit dem größeren Teile eines Gliedes hervorgekommen ist.
12Nein, wenn der größere Teil mit einem kleineren Teile eines Gliedes hervorgekommen ist; er lehrt uns damit, daß man nicht den größeren Teil der Geburt lasse und sich nach dem größeren Teile des Gliedes richte.
13Raba fragte: Wie ist es, wenn man sie mit Bast, mit einem Gewande oder mit der Eihaut umwickelt hat?
14Mit der Eihaut ist es ja normal!? — Vielmehr, mit der Eihaut eines anderen [Tieres].
15Wie ist es, wenn sie sie umschlungen und herausgezogen hat? In welchem Falle; ist sie mit dem Kopfe [voran] hervorgekommen, so ist es ja bereits erfolgt!? — Vielmehr, wenn sie mit den Hinterbeinen [voran] hervorgekommen ist
16Wie ist es, wenn ein Wiesel sie verschlungen und herausgebracht hat? — Wenn es sie herausgebracht hat, so hat es sie ja herausgebracht!? — Vielmehr, wenn es sie verschlungen, herausgebracht, zurück hineingebracht und ausgespieen hat, und sie von selbst herausgekommen ist.
17Wie ist es, wenn man zwei Muttermünde an einander geschlossen hat und sie aus dem einen in den anderen gekommen ist: enthebt sie nur ihre [Mutter], nicht aber die andere oder auch die andere? — Dies bleibt unentschieden.
18R. Aḥa fragte: Wie ist es, wenn die Wände des Muttermundes sich ausgeweitet haben: macht das innere des Muttermundes heilig, was hierbei der Fall ist, oder macht die Berührung des Muttermundes heilig, was hierbei nicht der Fall ist?
19Mar, Sohn des R. Aši, fragte: Wie ist es, wenn die Wände der Gebärmutter ausgerissen worden sind. — Wenn sie ausgerissen worden sind, sind sie ja nicht vorhanden!? — Vielmehr, wie ist es, wenn sie ausgerissen worden sind und dem Vieh am Halse hängen: machen sie nur an ihrer richtigen Stelle heilig, nicht aber außerhalb ihrer Stelle, oder machen sie auch außerhalb ihrer Stelle heilig?
20R. Jirmeja fragte R. Zera: Wie ist es, wenn die Wände des Muttermundes abgeschält worden sind? Dieser erwiderte: Du berührst eine Frage, die wir bereits aufgeworfen haben. R. Zera fragte nämlich, und manche sagen, R. Zera fragte R. Asi, wie es denn sei, wenn das Vorhandene mehr ist als das Durchbrochene, und sie durch das Durchbrochene, oder das Durchbrochene mehr ist als das Vorhandene und sie durch das Vorhandene hervorgekommen ist.
21Er fragte nur hinsichtlich des Falles, wenn das Durchbrochene mehr ist als das Vorhandene, wo immerhin solches vorhanden ist, er fragte aber nicht hinsichtlich des Falles, wenn er ganz fortgeschält ist.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.