Chullin — Blatt 71a

1das unreine Vieh im unreinen Wilde, und das reine Vieh im reinen Wilde. Da sprach er zu mir wörtlich wie folgt: Schade, daß Ben A͑zaj nicht bei R. Jišma͑él famuliert hat.

2Woher, daß das Wild im Vieh einbegriffen ist? — Es heißt: dies ist das Vieh, das ihr essen dürft: Rind, Schaflamm &c. Hirsch, Gazelle, Dammhirsch &c. Wie ist dies zu erklären? Das Wild ist im Vieh einbegriffen.

3Woher, daß das Vieh im Wilde einbegriffen ist? — Es heißt:das ist das Wild, das ihr essen dürft, von allem Vieh auf Erden, das gespaltene Klauen hat. Wie ist dieszu erklären? Das Vieh ist im Wilde einbegriffen.

4Das reine Wild im reinen Vieh, hinsichtlich der Kennzeichen.

5Das unreine Wild im unreinen Vieh, hinsichtlich der Kreuzung.

6Das unreine Vieh im unreinen Wilde, hinsichtlich einer Lehre Rabbis, denn es wird gelehrt:

7Rabbi sagte: Es heißt ja schon Wild, wozu heißt es Vieh?

8Hier heißt es unreines Vieh und dort heißt es unreines Vieh, wie dort von der Verunreinigung des Heiligen gesprochen wird, ebenso auch hier von der Verunreinigung des Heiligen.

9Das reine Vieh im reinen Wilde hinsichtlich der Schöpfung. Wir haben nämlich gelernt: Hat [ein Weib] eine Art Vieh, Wild oder Geflügel abortiert, einerlei ob ein unreines oder ein reines, so muß es, wenn es männlich ist, wie bei einem Knaben,

10und wenn es weiblich ist, wie bei einem Mädchen [in Unreinheit] verweilen;

11ist dies nicht bekannt, so verweile sie wie bei einem Knaben und einem Mädchen

12so R. Meír.

13Die Weisen sagen, was nicht die Gestalt eines Menschen hat, gelte nicht als Kind.

14Wozu ist jener Schriftvers nach den Rabbanan nötig?

15Er deutet vollständig auf die Lehre Rabbis.

16WENN EINEM WEIBE DAS KIND IM LEIBE GESTORBEN IST UND DIE HEBAMME DIE HAND HINEINGESTECKT UND ES BERÜHRT HAT, SO IST DIE HEBAMME SIEBEN TAGE UNREIN UND DAS WEIB REIN, BIS DAS KINND HERAUSGEKOMMEN IST.

17GEMARA. Rabba sagte: Wie die verschluckte Unreinheit nicht verunreinigend ist, so wird auch die verschluckte Reinheit nicht unrein.

18Woher dies von der verschluckten Unreinheit? — Es heißt: wer von ihrem Aase ißt, wasche seine Kleider; es kann ja vorkommen, daß er kurz vor Sonnenuntergang gegessen hat, dennoch sagt der Allbarmherzige, daß er rein sei.

19Vielleicht ist es hierbei anders, da es ja nicht mehr für einen Fremdling verwendbar ist!?

20Allerdings [ist dies nicht zu erwidern] nach R. Joḥanan, denn er sagt, sowohl in der einen, als auch in der anderen Hinsicht, solange es für einen Hund verwendbar ist,

21nach Bar Pada aber, welcher sagt, hinsichtlich der schweren Unreinheit, solange es für einen Fremdling, und hinsichtlich der leichten Unreinheit, solange es für einen Hund [verwendbar ist], erfolgt dies vielleicht aus dem Grunde, weil es für einen Fremdling nicht verwendbar ist!?

22Zugegeben, daß es in seiner Gegenwart für ihn nicht verwendbar ist, in seiner Abwesenheit aber ist es für ihn verwendbar.

23Wir wissen dies von der verschluckten Unreinheit, woher dies von der verschluckten Reinheit?

24Dies ist [durch einen Schluß] vom Schwereren auf das Leichtere zu folgern: wenn das mit einem Deckel versehene Tongefäß, das die darin befindliche Unreinheit nicht zurückhält, denn der Meister sagte, die gepreßte Unreinheit dringe nach oben bis zum Himmel, die darin befindliche Reinheit vor Verunreinigung schützt,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.