Chullin — Blatt 73b
1Allerdings entgegnete er ihnen nach R. Šimo͑n b. Laqiš nach ihrer Ansicht: nach meiner Ansicht gibt es keinen Unterschied zwischen einem Gliede der Geburt und einem Gliede des Viehs, denn sie gleichen einander,
2gegen R. Joḥanan aber ist dies ja ein Einwand!?
3Vielmehr, ist dies gelehrt worden, so wird es wie folgt lauten: R. Šimo͑n b. Laqiš sagte: Wie sie über die Geburt streiten, so streiten sie auch über einzelne Glieder, R. Joḥanan aber sagte: Sie streiten nur über ein Glied der Geburt, über ein Glied vom Vieh selbst aber stimmen sie überein, daß das Schlachten das Abfallen nicht bewirke.
4R. Jose b. R. Ḥanina sagte: Folgendes ist der Grund R. Joḥanans: nach R. Meír gehört das eine zu seinem Körper und das andere nicht zu seinem Körper.
5R. Jiçḥaq b. Joseph sagte im Namen R. Joḥanans: Alle stimmen überein, daß das Verenden das Abfallen [des Gliedes] bewirke und das Schlachten es nicht bewirke.
6Wovon wird hier gesprochen: wollte man sagen, vom Gliede der Geburt, so streiten sie ja hierüber, und wollte man sagen, vom Gliede des Viehs, so haben wir dies ja vom Verenden gelernt und vom Schlachten gelernt!?
7Wir haben dies vom Verenden gelernt: Ist das Vieh verendet, so benötigt das Fleisch der Befähigung und das Glied ist als Glied von einem lebenden [Vieh], nicht aber als Glied von einem Aase verunreinigend — so R. Meír.
8Wir haben dies vom Schlachten gelernt: Ist das Vieh geschlachtet worden, so sind sie durch das Blut befähigt — so R. Meír. R. Šimo͑n sagt, sie seien dadurch nicht befähigt worden.
9Wenn hieraus, so könnte man glauben, [das Wort] ‘befähigt’ beziehe sich nur auf das Fleisch.
10Es heißt ja aber: so sind sie befähigt!? — Man könnte glauben, dies sei auf das vom Vieh losgetrennte Fleisch und auf das vom Gliede losgetrennte Fleisch zu beziehen.
11Womit ist dieses bedeutender als jenes? — Man könnte glauben, dieses brauche, da es durch das, wovon es herkommt, schwerer unrein wird, keiner Befähigung, so lehrt er uns.
12R. Joseph sagte: Halte dich an das, was R. Jiçḥaq b. Joseph gesagt hat, denn Rabba b. Bar Ḥana stimmt mit ihm überein. Es wird nämlich gelehrt: Fleisch auf dem Felde, Zerrissenes, sollt ihr nicht essen; dies schließt das nachhängende Glied oder Fleisch an einem Vieh, Wild oder Geflügel, das man geschlachtet hat, ein. Hierzu sagte Rabba b. Bar Ḥana im Namen R. Joḥanans,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.