Chullin — Blatt 7a

1Vielmehr ließen ihm seine Vorfahren eine Gelegenheit zur Auszeichnung zurück, ebenso ließen auch mir meine Vorfahren eine Gelegenheit zur Auszeichnung zurück.

2Hieraus, daß, wenn ein Schriftgelehrter eine Lehre vorträgt, man ihn nicht fortschiebe. Manche lesen: man ihn nicht verstoße. Manche lesen: man ihn nicht für hochmütig halte.

3Manche lesen: man ihn nicht fortschiebe, denn es heißt: das Brustschild soll sich nicht verschieben. Manche lesen: man ihn nicht verstoße, denn es heißt: denn nicht ewig wird der Herr verstoßen. Manche lesen: man ihn nicht für hochmütig halte, denn es wird gelehrt: seitdem die Hochmütigen sich mehrten, mehrten sich Streitigkeiten in Jisraél.

4Jehuda, Sohn des R. Šimo͑n b. Pazi wandte ein : Gibt es denn jemand, welcher sagt, Beth-Šean gehöre nicht zum Jisraéllande, es heißt ja:Menase vertrieb nicht [die Bewohner von] Beth-Šean und den Tochterstädten, Ta͑nakh und den Tochterstädten!? –

5Ihm entfiel das, was R. Šimo͑n b. Eljaqim im Namen des R. Elea͑zar b. Pedath im Namen des R. Elea͑zar b. Šamua͑ sagte: Viele Städte hatten die Auszügler aus Miçrajim erobert, jedoch nicht die Auszügler aus Babylonien.

6Er ist der Ansicht, die erste Heiligunghatte Geltung für die damalige Zeit, nicht aber für später, und man ließ sie zurück, damit die Armen sich auf sie im Siebentjähr stützen.

7R. Jirmeja sprach zu R. Zera: R. Meír aß ja nur ein Blatt!? Dieser erwiderte: Er aß es von einem Bündel, und wir haben gelernt, Kräuter, die man zusammenbindet, sobald sie zusammengebunden werden. –

8Vielleicht dachte er nicht daran!? – Wenn der Heilige, gepriesen sei er, das Vieh der Frommen nicht zu einem Verstoße kommen läßt, um wieviel weniger die Frommen selbst. –

9Vielleicht hatte er den Zehnten von anderementrichtet!? – Genossen sind nicht verdächtig, den Zehnten vom Nichtzusammenliegendenzu entrichten. – Vielleicht richtete er seine Augen auf die eine Stelle und aß von einer anderen Stelle!? Dieser erwiderte: Sieh, was für ein bedeutender Mann dies bekundet.

10Welches Bewenden hat es mit dem Vieh der Frommen? – Einst ging R. Pinḥas b. Jaír zur Gefangenenauslösung, und als er auf den Fluß Ginaj stieß,

11sprach er zu ihm: Ginaj, teile mir dein Wasser, damit ich dich durchschreiten kann. Dieser erwiderte: Du gehst, um den Willen deines Schöpfers auszuüben, und ich fließe, um den Willen meines Schöpfers auszuüben; bei dir ist es zweifelhaft, ob du es vollbringen wirst oder nicht ich aber vollbringe es entschieden. Jener sprach: Wenn du dich nicht teilest, verhänge ich über dich, daß nie Wasser durch dich fließe. Da teilte er sich.

12Mit ihm war ein Mann, der Weizen für das Pesaḥfest trug, er sprach weiter: Teile dich auch für diesen, denn er befaßt sich mit einer gottgefälligen Handlung. Da teilte er sich. Auch ein Araber war in ihrer Begleitung, und er sprach zu ihm: Teile dich auch für diesen, damit man nicht sage: So behandeln sie einen Reisegefährten!

13Da teilte er sich. R. Joseph sprach: Um wieviel bedeutender ist dieser Mann als Moše mit seinen sechzig Myriaden ; da geschah eseinmal, bei diesem aber dreimal. – Vielleicht geschah es auch bei diesem nur einmal!? – Vielmehr, dieser gleicht Moše mit seinen sechzig Myriaden.

14Hierauf kehrte er in ein Wirtshaus ein, wo man seinem Esel Gerste vorwarf, dieser aber sie nicht fraß;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.