Chullin — Blatt 87a
1Es ist ja nicht gleich; in jenem Falle war das Trinken und das Sprechen des Segens nicht gleichzeitig möglich, hierbei aber ist es ja möglich, mit der einen [Hand] zu schlachten und mit der anderen [das Blut] zu bedecken.
2WENN JEMAND GESCHLACHTET UND [DAS BLUT] NICHT BEDECKT HAT UND EIN ANDERER ES SIEHT, SO IST DIESER ES ZU BEDECKEN VERPFLICHTET. WENN MAN ES BEDECKT HAT UND ES AUFGEDECKT WORDEN IST, SO BRAUCHT MAN ES NICHT MEHR ZU BEDECKEN; HATTE DER WIND ES BEDECKT, SO MUSS MAN ES BEDECKEN.
3GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Schütte fort und bedecke es; wer es fortgeschüttet hat, bedecke es. Woher, daß man, wenn man sieht, wie jemand geschlachtet und nicht bedeckt hat, zu bedecken verpflichtet sei? Es heißt: ich sprach zu den Kindern Jisraéls, dies ist eine Warnung für alle Kinder Jisraéls.
4Ein Anderes lehrt: Er schütte fort und bedecke; womit er fortgeschüttet hat, bedecke er; man darf es nicht mit dem Fuße bedecken, damit ihm die Gebote nicht verächtlich erscheinen. Ein Anderes lehrt: Er schütte fort und bedecke; wer fortgeschüttet hat, bedecke es. Einst schlachtete jemand und ein anderer kam ihm zuvor und bedeckte [das Blut], da verurteilte ihn R. Gamliél, an jenen zehn Goldstücke zu zahlen.
5Sie fragten: Als Entgelt für das Gebot oder als Entgelt für den Segensspruch? – In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? – Hinsichtlich des Tischsegens. Wenn du sagst, als Entgelt für das Gebot, so ist es auch hierbei eines, wenn du aber sagst, als Entgelt für den Segensspruch, so sind es hierbei vierzig. Wie ist es nun?
6Komm und höre: Einst sprach ein Minäer zu Rabbi: Wer die Berge erschuf, hat den Wind nicht erschaffen, und wer den Wind erschuf, hat die Berge nicht erschaffen, denn es heißt: fürwahr, er hat die Berge gebildet und den Wind erschaffen. Dieser erwiderte: Tor, achte auf den Schluß des Schriftverses: Herr der Heerscharen ist sein Name.
7Jener sprach, gib mir drei Tage Zeit und ich gebe dir Antwort. Rabbi verweilte diese drei [Tage] in Fasten, und als er darauf anbeißen wollte, meldete man ihm, ein Minäer stehe an der Tür. Da sprach er: Sie taten Galle in meine Speise &c.
8Hierauf sprach jener: Meister, ich bringe dir eine gute Nachricht: dein Feind fand keine Antwort, und er stürzte sich vom Dache ab und starb. Hierauf sprach er zu ihm: Willst du bei mir speisen? Jener erwiderte: Jawohl. Nachdem sie gegessen und getrunken hatten, sprach er zu ihm: Willst du den Becher des Tischsegens trinken oder vierzig Goldstücke nehmen? Jener erwiderte: Ich will den Becher des Tischsegens trinken. Da ertönte eine Hallstimme und sprach: Der Becher des Tischsegens ist vierzig Goldstücke wert.
9R. Jiçḥaq sagte: Dessen Geschlecht besteht noch unter den Großen Roms, und man nennt es das Geschlecht Livianus.
10WENN MAN ES BEDECKT HAT UND ES AUFGEDECKT WORDEN IST. R. Aḥa, der Sohn Rabas, sprach zu R. Aši: Womit ist es hierbei anders als beim Zurückbringen einer verlorenen Sache, wovon der Meister sagte: zurückbringen, auch hundertmal!?
11Dieser erwiderte: Da ist keine Einschränkung geschrieben, hierbei aber heißt es einschränkend: er bedecke es.
12HATTE DER WIND ES BEDECKT. Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: Dies lehrten sie nur von dem Falle, wenn es aufgedeckt worden ist, ist es aber nicht aufgedeckt worden, so braucht man es nicht zu bedecken. – Was ist denn dabei, daß es wieder aufgedeckt worden ist, [das Gebot] ist ja verdrängt worden!? R. Papa erwiderte: Dies besagt, daß es bei Geboten keine Verdrängung gebe.
13Womit ist es hierbei anders, als bei der folgenden Lehre; Wenn man geschlachtet hat und das Blut in die Erde eingedrungen ist, so ist man es zu Bedecken verpflichtet!? – In dem Falle, wenn Spuren vorhanden sind.
14IST DAS BLUT MIT WASSER VERMISCHT WORDEN, SO IST MAN, WENN ES DAS AUSSEHEN VON BLUT HAT, ES ZU BEDECKEN VERPFLICHTET; IST ES MIT WEIN VERMISCHT WORDEN, SO BETRACHTE MAN IHN ALS WASSER; IST ES MIT BLUT VON EINEM VIEH
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.