Chullin — Blatt 90b
1ist auch kein Schriftvers nötig, nötig ist er vielmehr wegen der anhaftenden Spannader. – Und die Rabbanan!? –
2[Es heißt:] von den Getränken Jisraéls, von dem, was den Jisraéliten erlaubt ist. –
3Und Rabbi!? – Dies ist beim Talge und beim Blute der Fall. – Und die Rabbanan!? – Anders ist es, wenn das Gebot auf diese Weise zu erfolgen hat.
4R. Hona sagte: Die Spannader des Brandopfers löse man ab [und werfe] sie auf den Aschenhaufen. R. Ḥisda sprach: Herr deiner, heißt es denn: daher verzehre der Altar nicht, es heißt ja:daher essen die Kinder Jisraéls nicht!? –
5Und R. Hona!? – Er entnimmt es aus [den Worten:] von den Getränken Jisraéls, von dem, was den Jisraéliten erlaubt ist.
6Man wandte ein: Die Spannader des Heilsopfers fege man in den Abfluß und die des Brandopfers bringe man hinauf. Man bringe sie wohl hinauf und räuchere sie auf!? –
7Nein, man bringe sie hinauf und löse sie ab. – Wozu braucht man sie, wenn man sie ablöst, hinaufzubringen!? – Weil es heißt: bringe es deinem Statthalter dar.
8Übereinstimmend mit R. Hona wird gelehrt: Die Spannader des Heilsopfers fege man in den Abfluß und die des Brandopfers löse man ab [und werfe] sie auf den Aschenhaufen.
9Dort haben wir gelernt: In der Mitte des Altars war ein Aschenhaufen, der zuweilenan dreihundert Kor betrug. Raba sagte: Eine Übertreibung.
10Man tränkte das beständige Opfer aus einem goldenen Becher. Raba sagte; Eine Übertreibung.
11R. Ami sagte: Die Tora gebraucht hyperbolische Redewendungen, die Propheten gebrauchen hyperbolische Redewendungen und die Weisen gebrauchen hyperbolische Redewendungen. Die Weisen gebrauchen hyperbolische Redewendungen, wie wir eben gesagt haben.
12Die Tora gebraucht hyperbolische Redewendungen: große Städte und bis zum Himmel befestigt. Die Propheten gebrauchten hyperbolische Redewendungen: daß die Erde von ihrem Lärmen barst.
13R. Jiçḥaq b. Naḥmani sagte im Namen Šemuéls: An drei Stellen gebrauchen die Weisen hyperbolische Redewendungen, und zwar beim Aschenhaufen, beim Weinstocke und beim Vorhange. Beim Aschenhaufen, wie wir eben gesagt haben.
14Beim Weinstocke, denn wir haben gelernt: Ein goldener Weinstock, von Stangen getragen, stand am Eingange des Tempelschiffes, und wer eine Beere oder eine Traube spendete, hängte sie an diesen. R. Elea͑zar b. R. Çadoq sagte: Einst taten sich dreihundert Priester zusammen, um ihn fortzubringen.
15Beim Vorhänge, denn wir haben gelernt: R. Šimo͑n b. Gamliél sagte im Namen R. Šimo͑n des Priestervorstehers: Der Vorhang war eine Handbreite dick und auf zweiundsiebzig Kettenschnüre gewebt; jede Schnur, aus vierundzwanzig Fäden [gedreht]; er hatte eine Länge von vierzig Ellen und eine Breite von zwanzig Ellen, und er wurde von zweiundachtzig Myriaden hergestellt. Jährlich wurden zwei angefertigt, und dreihundert Priester tauchten ihn unter.
16BEI DER RECHTEN HÜFTE UND BEI DER LINKEN HÜFTE. Unsre Mišna vertritt nicht die Ansicht R. Jehudas, denn es wird gelehrt: R. Jehuda sagt: es hat Geltung nur bei einer, und die Meinung entscheidet, daß es die rechte ist.
17Sie fragten: Ist es R. Jehuda entschieden, und unter Meinung ist die Meinung der Tora zu verstehen, oder ist es ihm zweifelhaft, und unter Meinung ist die Wahrscheinlichkeit zu verstehen? –
18Komm und höre: Die Knochen, die Adern und das Zurückbleibende sind am sechzehnten zu verbrennen. Und auf unsren Einwand, von welchen Adern hier die Rede sei, wenn von den des Fleisches, so sind sie ja zu essen, wenn von den übriggebliebenen, so sind sie ja Übriggebliebenes, und wenn von den des Halses, so können sie ja, wenn sie kein Fleisch sind, fortgeworfen werden,
19erwiderte R. Ḥisda, er spreche von der Spannader, und zwar nach R. Jehuda, welcher sagt, es habe Geltung nur bei einer.
20Richtig ist dies, wenn du sagst, es sei ihm zweifelhaft, wenn du aber sagst. es sei ihm entschieden, so kann man ja die erlaubte essen und die verbotene fortwerfen!?
21R. Iqa b. Ḥanina erwiderte: Tatsächlich, kann ich dir erwidern, ist es ihm entschieden, und hier handelt es sich um den Fall, wenn sie vorher kenntlich waren und nachher verwechselt worden sind.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.