Chullin — Blatt 91a
1R. Aši erwiderte: Hier wird vom Talg derselben gesprochen, denn es wird gelehrt: Der Talg derselben ist erlaubt, nur sind die Jisraéliten Heilige, und haben dabei ein Verbot eingeführt.
2Rabina erwiderte: Dies ist nach R. Jehuda im Namen Šemuéls zu erklären, R. Jehuda sagte nämlich im Namen Šemuéls, sie bestehe aus zwei Adern; die innere, am Knochen, ist verboten, und man ist wegen dieser schuldig, die äußere, am Fleische, ist verboten und man ist wegen dieser nicht schuldig. –
3Komm und höre: Hat man eine Olive von der einen und eine Olive von der anderen gegessen, so erhält man achtzig [Geißelhiebe]; R. Jehuda sagt, man erhalte nur vierzig.
4Erklärlich ist dies, wenn du sagst, es sei ihm entschieden, wenn du aber sagst, es sei ihm zweifelhaft, so kann ja die Warnung nur eine eventuelle sein, und wir wissen von R. Jehuda, daß er der Ansicht ist, die eventuelle Warnung gelte nicht als Warnung.
5Es wird nämlich gelehrt: Hat er zuerst den einen und nachher den anderen geschlagen oder zuerst dem einen und nachher dem anderen geflucht, oder hat er beide gleichzeitig geschlagen oder beiden gleichzeitig geflucht, so ist er schuldig; R. Jehuda sagt, wenn gleichzeitig, sei er schuldig, wenn aber nacheinander, sei er frei. –
6Dieser Autor ist der Ansicht eines anderen Autors, nach dem R. Jehuda sagt, die eventuelle Warnung gelte als Warnung.
7Es wird nämlich gelehrt: Ihr sollt davon nichts bis zum Morgen zurücklassen &c., die Schrift läßt ein Gebot auf das Verbot folgen, um zu sagen, daß dieserhalb nicht zu geißeln sei – so R. Jehuda.
8R. Ja͑qob sagt, nicht aus diesem Grund, sondern weil es ein Verbot ist, wobei keine. Tätigkeit ausgeübt wird, und wegen eines Verbotes, wobei keine Tätigkeit ausgeübt wird, ist nicht zu geißeln. –
9Komm und höre: Hat jemand zwei [Spann]adern von zwei Keulen zweier Tiere gegessen, so erhält er achtzig [Geißelhiebe]; R. Jehuda sagt, er erhalte nur vierzig.
10Wenn er nun von zwei Keulen und zwei Tieren spricht, so gilt dies wohl von zwei verbotenen, nach R. Jehuda, somit ist hieraus zu entnehmen, daß es ihm entschieden ist. Schließe hieraus. –
11Weshalb erhält er, wenn es ihm entschiedenist, nur vierzig [Geißelhiebe], er sollte ja achtzig erhalten!? – Hier handelt es sich um den Fall, wenn [an einer] keine Olive vorhanden ist. Es wird nämlich gelehrt: Wenn er sie gegessen hat und keine Olive vorhanden ist, so ist er schuldig; R. Jehuda sagt, er sei nur dann schuldig, wenn eine Olive vorhanden ist.
12Aus welchem Grunde!? Raba erwiderte: Die Schrift sagt: die Hüfte, die rechte der Hüften. – Und die Rabbanan!? –
13Dies deutet darauf, daß das Verbot sich auf die ganze Hüfte erstrecke, dies schließt die äußere aus.
14R. Jehošua͑ b. Levi erklärte: Die Schrift sagt: als er mit ihm rang, wie wenn jemand einen umfaßt und mit der Hand an seine rechte Hüfte kommt.
15R. Šemuél b. Naḥmani erklärte: Er erschien ihm als Nichtjude, und der Meister sagte, wenn ein Nichtjude sich einem Jisraéliten auf dem Weg anschließt, lasse er ihn rechts gehen.
16R. Šemuél b. Aḥa erklärte vor R. Papa im Namen des Raba b. U͑la: Er erschien ihm als Gelehrter, und der Meister sagte, wer zur Rechten seines Lehrers geht, sei ungesittet.
17Die Rabbanan aber sagen, er kam hinter ihm einher und verrenkte beide. –
18Wofür verwenden die Rabbanan [die Worte:] als er mit ihm rang? –Sie verwenden sie für eine andere Lehre des R. Jehošua͑ b. Levi, denn R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Dies lehre, daß sie den Staub ihrer Füße bis zum Throne der Herrlichkeit aufwirbelten, denn hier heißt es: als er mit ihm rang [heábqo], und dortheißt es: ein Gewölk der Staub [abaq] unter seinen Füßen.
19Ferner sagte R. Jehošua͑ b. Levi: Sie heißt deshalb Ader der Verrenkung, weil sie von ihrer Stelle verrückt worden war und zurückgeprallt ist. Ebenso heißt es: verrückt ist ihre Stärke, sie sind zu Weibern geworden.
20R. Jose b. R. Ḥanina sagte: Es heißt: ein Wort hat der Herr an Ja͑qob gesandt, gefallen ist es über Jisraél. Ein Wort hat der Herr an Ja͑qob gesandt, das ist die Spannader; gefallen ist es über Jisraél, das Verbot derselben dehnte sich über ganz Jisraél aus.
21Ferner sagte R. Jose b. R. Ḥanina: Es heißt: Schlachte eine Schlachtung. lege vor ihnen die Schlachtstelle frei; und bereite, entferne die Spannader in ihrer Gegenwart. Dies nach demjenigen, welcher sagt, die Spannader sei den Noaḥiden verboten worden.
22Ja͑qob blieb allein zurück. R. Elea͑zar sagte: Er war wegen kleiner Krüglein zurückgeblieben. Hieraus, daß den Frommen ihr Besitz lieber ist als ihr Körper. – Weshalb dies? – Weil sie ihre Hand nicht nach Raub ausstrecken.
23Es rang ein Mann mit ihm, bis zum. Anfange der Morgenröte. R. Jiçḥaq sagte: Hieraus, daß ein Gelehrter nachts nicht allein ausgehe. R. Abba b. Kahana entnimmt dies hieraus:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.