Chullin — Blatt 91b
1Siehe, er worfelt in der Gerstentenne.
2R. Abahu entnimmt dies hieraus: Abraham stand früh auf und sattelte seinen Esel&c.
3Die Rabbanan entnehmen dies hieraus: Geh, sieh nach dem Wohlbefinden deiner Brüder und dem Wohlbefinden &c.
4Rabh entnimmt dies hieraus: Da ging ihm die Sonne auf.
5R. A͑qiba sagte: In der Fleischhalle zu Emmaus sprach ich zu R. Gamliél und R. Jehošua͑, die da gekommen waren, um ein Vieh für das [Hochzeits]mahl des Sohnes R. Gamliéls zu kaufen, wie folgt: Es heißt: da ging ihm die Sonne auf; ging denn die Sonne für ihn allein auf, sie ging ja für die ganze Welt auf!?
6Dies erklärte R. Jiçḥaq: Die Sonne, die für ihn untergegangen war, ging für ihn auf. Es heißt: da zog Ja͑qob aus von Beér-Šeba͑ und ging nach Ḥaran, und darauf heißt es: er kam an einen Ort. Als er in Ḥaran angelangt war, sprach er: Sollte ich an dem Orte, wo meine Vorfahren ein Gebet verrichteten, vorübergegangen sein, ohne da ein Gebet verrichtet zu haben! Als er dann umzukehren beschlossen hatte, zog sich ihm die Erde zusammen, und sofort kam er an diesen Ort.
7Nachdem er sein Gebet verrichtet hatte, wollte er umkehren; da sprach der Heilige, gepriesen sei er: Dieser Fromme ist in meiner Herberge abgestiegen, und soll nun ohne übernachtet zu haben, fortgehen! Da ging die Sonne sofort unter.
8Es heißt: Er nahm von den Steinen des Ortes, und es heißt: da nahm er den Stein!? R. Jiçḥaq erklärte: Dies lehrt, daß jene Steine sich alle an einer Stelle versammelten, und jeder von ihnen sprach: auf mich lege dieser Fromme sein Haupt. Es wird gelehrt: Alle Steine wurden zu einem verschmolzen.
9Er träumte: eine Leiter stand auf der Erde. Es wird gelehrt: Die Breite der Leiter betrug achttausend Parasangen. Es heißt: und siehe, Engel Gottes stiegen auf ihr hinauf und herab, zwei hinauf und zwei herab, so daß es bei der Begegnung vier waren;
10ferner heißt es von einem Engel:
11Es wird gelehrt: Sie stiegen hinauf und betrachteten das Gesichtsbild oben, sie stiegen herab und betrachteten das Gesichtsbild unten. Sie wollten ihn in Gefahr bringen, – hierauf: und siehe, der Herr stand über ihm. R. Šimo͑n b. Laqiš sagte: Wäre es kein geschriebener Schriftvers. so dürfte man es nicht sagen: wie wenn jemand über seinem Sohne fächelt.
12Die Erde, worauf du liegst &c. Was Großes ist dabei!? R. Jiçḥaq erklärte: Dies lehrt, daß der Heilige, gepriesen sei er, das ganze Jisraélland zusammenrollte und es unter unseren Vater Ja͑qob legte, damit es von seinen Kindern leicht erobert werde.
13Da sprach er: Laß mich los, denn die Morgenröte ist aufgegangen. Er sprach dann zu ihm: Bist du ein Dieb oder ein Würfelspieler, daß du die Morgenröte fürchtest? Jener erwiderte: Ich bin ein Engel; seit dem Tage meiner Erschaffung komme ich erst jetzt an die Reihe, das Loblied anzustimmen.
14Dies ist eine Stütze für R. Ḥananél, im Namen Rabhs, denn R. Ḥananél sagte im Namen Rabhs: Drei Abteilungen von Dienstengeln stimmen täglich ein Loblied an; eine spricht: heilig, eine spricht: heilig, und eine spricht: heilig [ist der] Herr der Heerscharen.
15Man wandte ein: Die Jisraéliten sind vor dem Heiligen, gepriesen sei er, beliebter als die Dienstengel, denn die Jisraéliten stimmen ein Loblied jede Stunde an, die Dienstengel aber stimmen ein Loblied an nur einmal am Tage, manche sagen, einmal in der Woche, manche sagen, einmal im Monat, manche sagen, einmal im Jahre, manche sagen, einmal im Septennium, manche sagen, einmal im Jobel, und manche sagen, einmal in der Ewigkeit.
16Ferner nennen die Jisraéliten den Gottesnamen nach zwei Worten, wie es heißt: Höre, Jisraél, (der) Herr &c., die Dienstengel aber nennen den Gottesnamen nur nach drei Worten, wie es heißt: Heilig, heilig, heilig (ist der) Herr der Heerscharen.
17Ferner stimmen die Dienstengel droben das Loblied an, erst nachdem die Jisraéliten es hienieden angestimmt haben, denn es heißt:es stimmen an zusammen die Sternedes Morgens, und nachher:es jauchzen alle Gottessöhne. –
18Vielmehr, eine spricht: heilig, eine spricht: heilig, heilig, und eine spricht: heilig, heilig, heilig (ist der) Herr der Heerscharen. – Es heißt ja noch: gepriesen!? –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.