Chullin — Blatt 92a

1[Den Vers] ‘gepriesen’ sprechen die Ophanim. Wenn du aber willst, sage ich: nachdem Erlaubnis erteilt worden ist, ist sie erteilt.

2Er beherrschte den Engel, er kam ihm bei; er weinte und flehte ihn an; ich würde nicht gewußt haben, wer Beherrscher des anderen geworden war, wenn es aber heißt:denn du hast einen Engel Gottes beherrscht, so besagt dies, daß Ja͑qob Beherrscher des Engels geworden war.

3Er weinte und flehte ihn an; ich würde nicht gewußt haben, wer vor wem weinte, wenn es aber heißt: er sprach: laß mich los, so besagt dies, daß der Engel vor Ja͑qob weinte.

4Denn du hast beherrscht. Rabba sagte: Er gab ihm eine Andeutung, daß aus ihm zwei Herrscher hervorgehen werden: der Exilarch in Babylonien und der Fürst im Jisraéllande. Hiermit deutete er ihm auch das Exil an.

5Am Weinstocke waren drei Reben. R. Hija h. Abba sagte im Namen Rabhs: Das sind die drei hohen Fürsten, die jede Generation im Jisraéllande hervorbringt. Bisweilen sind es zwei hier und einer im Jisraéllande, und bisweilen zwei im Jisraéllande und einer hier. Die Rabbanan richteten ihre Augen auf Meister U͑qaba und Meister Neḥemja, die Söhne der Tochter Rabhs.

6Raba sagte: Das sind die drei Völkerfürsten jeder Generation, die Jisraél verteidigen.

7Es wird gelehrt: R. Elie͑zer sagte: Weinstock, das ist die Welt; drei Reben, das sind Abraham, Jiçḥaq und Ja͑qob; im Sprossen trat seine Blüte hervor, das sind die Mütter; seine Kämme ließen Beeren reifen, das sind die Stammesväter.

8R. Jehošua͑ sprach zu ihm: Man zeigt ja einem nicht, was bereits geschehen ist, sondern was geschehen wird!? Vielmehr: Weinstock, das ist die Tora; drei Reben, das sind Moše, Ahron und Mirjam; im Sprossen trat seine Blüte hervor, das ist das Synedrium; seine Kämme ließen Beeren reifen, das sind die Frommen jedes Zeitalters.

9R. Gamliél sagte: Wir benötigen immer noch des Modäers, der alles auf einen Raum bezieht. R. Elea͑zar aus Modai͑m erklärte nämlich: Weinstock, das ist Jerušalem; drei Reben, das sind der Tempel, der König und der Hochpriester; im Sprossen trat seine Blüte hervor, das sind die Priesterjünglinge; seine Kämme ließen Beeren reifen, das sind die Gußopfer.

10R. Jehošua͑ b. Levi bezieht dies auf die Gaben, denn R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Weinstock, das ist die Tora; drei Reben, das ist der Brunnen, die Wolkensäule und das Manna; im Sprossen trat seine Blüte hervor, das sind die Erstlinge; seine Kämme ließen Beeren reifen, das sind die Gußopfer.

11R. Jirmeja b. Abba sagte: Weinstock, das ist Jisraél, wie es heißt: einen Weinstock hobst du aus Miçrajim aus. Drei Reben, das sind die drei Feste, zu denen Jisraél alljährlich wallfahrtet. Im Sprossen trat seine Blüte hervor, für Jisraél ist die Zeit zur Fruchtbarkeit und Vermehrung herangekommen, wie es heißt: und die Kinder Jisraéls waren fruchtbar und wimmelten.

12Trat seine Blüte hervor, für Jisraél ist die Zeit der Erlösung herangekommen, wie es heißt: es spritzte ihr Saft auf mein Gewand und alle meine Kleider besudelte ich. Seine Kämme ließen Beeren reifen, für Miçrajim ist die Zeit herangekommen, den Taumelbecher zu trinken.

13Das ist es, was Raba sagte: Worauf deuten die drei Becher, die bei Miçrajim genannt werden? Einer auf den, den es in den Tagen Mošes getrunken hat, einer auf den, den es in den Tagen des Pareo͑ Nekho getrunken hat, und einer auf den, den es dereinst mit allen übrigen Völkern trinken wird.

14R. Abba sprach zu R. Jirmeja b. Abba: Wenn Rabh diese Schriftverse agadisch auslegte, erklärte er sie übereinstimmend mit dir.

15R. Šimo͑n b. Laqiš sagte: Diese Nation gleicht einem Weinstocke; die Stiele sind die Bürger, die Kämme sind die Schriftgelehrten, die Blätter sind die Leute aus dem gemeinen Volke, die Ranken sind die Unwissenden in Jisraél.

16Darauf deutet das, was sie von dort sandten: Mögen die Trauben für die Blätter beten, denn ohne die Blätter würden die Trauben nicht bestehen.

17Ich kaufte sie mir für fünfzehn Silberstücke. R. Joḥanan sagte im Namen des R. Šimo͑n b. Jehoçadaq: Karaheißt kaufen, denn so heißt es: in meinem Grabe, das ich mir gekauft [kariti] habe.

18Für fünfzehn, das ist der fünfzehnte Nisan, an dem Jisraél aus Miçrajim erlöst wurde. Silberstücke, das sind die Frommen, denn so heißt es: den Beutel mit Silber nahm er in seine Hand.

19Ein Ḥomer Gerste und ein Lethekh Gerste, das sind die fünfundvierzig Frommen, durch die die Welt besteht. Ich würde nicht gewußt haben, ob dreißig hier und fünfzehn im Jisraéllande oder dreißig im Jisraéllande und fünfzehn hier, wenn es aber heißt: ich nahm, die dreißig Silberstücke und wog sie dem Tempelschatze zu, so sage man, dreißig im Jisraéllande und fünfzehn hier.

20Abajje sagte: Die meisten von ihnen sind im Lehrhause unter dem Flügelbau zu finden. Und ich sprach zu ihnen: Wenn es euch gefällig ist, so gebt mir meinen Lohn, und wenn nicht, so laßt es. Da wogen sie mir meinen Lohn zu, dreißig Silberstücke.

21R. Jehuda sagte: Das sind die dreißig Frommen der weltlichen Völker, durch die die weltlichen Völker bestehen. U͑la sagte: Das sind die dreißig Gebote, die die Noaḥiden auf sich genommen haben, von denen sie aber nur drei halten; eines,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.