Chullin — Blatt 93b
1Einer verbietet sie, denn sie gelten, da sie nicht heilen, als Glied von einem lebenden Tiere; einer erlaubt sie, denn, da sie nicht übelriechend werden, so ist Leben in ihnen. –
2Und jener!? – Sie werden deshalb nicht übelriechend, weil die Luft an sie nicht herankommt. – Und der andere? – Sie heilen deshalb nicht, weil sie von der Abzehrung befallen sind.
3R. Joḥanan sagte zu R. Šamen b. Abba: Zerquetschte Hoden sind erlaubt, du aber iß solche nicht, [denn es heißt:] verlaß nicht die Lehre deiner Mutter.
4Mar b. R. Aši sagte: Die Hoden der Böckchen bis zum dreißigsten Tage sind ohne Haut erlaubt, von dann ab sind sie, wenn sie Samen haben, verboten, und wenn sie keinen Samen haben, erlaubt. – Woher weiß man dies? – Sind an ihnen rote Äderchen, so sind sie verboten, sind an ihnen keine roten Äderchen, so sind sie erlaubt.
5Über Fleischschnitten, Hoden und Blutgefäße streiten R. Aḥa und Rabina. In der ganzen Tora ist Rabina erleichternder und R. Aḥa erschwerender Ansicht, und die Halakha ist wie Rabina, erleichternd; bei diesen drei Dingen aber ist R. Aḥa erleichternder und Rabina erschwerender Ansicht, und die Halakha ist wie R. Aḥa, erleichternd.
6Wenn man eine gerötete Fleischschnitte zerschneidet und salzt, so ist es auch für den Kochtopf erlaubt, und ebenso auch, wenn man es am Spieße brät, da das Blut abfließt; [über das Braten] auf Kohlen streiten R. Aḥa und Rabina; einer sagt, sie saugen [das Blut] auf, und einer sagt, sie drängen es zurück. Dasselbe gilt auch von Hoden und Blutgefäßen.
7Wenn man den Kopf einlegt und ihn auf die Schlachtfläche legt, so fließt das Blut ab und es ist erlaubt, wenn aber auf die Seite, so gerinnt es und es ist verboten; wenn auf die Nasenlöcher, so ist es, falls man etwas hineingesteckt hat, erlaubt, wenn aber nicht, verboten.
8Manche sagen, wenn auf die Nasenlöcher und auf die Schlachtfläche, so fließt es ab, wenn aber auf die Seite, so ist es, falls man etwas hineingesteckt hat, erlaubt, wenn aber nicht, verboten.
9R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Sie besteht aus zwei Adern, die innere, nahe dem Knochen, ist verboten und man ist wegen dieser schuldig, und die äußere, nahe dem Fleische, ist verboten und man ist wegen dieser nicht schuldig. –
10Es wird ja gelehrt, die innere [befinde sich] nahe dem Fleische!? – R. Aḥa erwiderte im Namen R. Kahanas: Sie ist eingebettet. –
11Es wird ja aber gelehrt, die äußere [befinde sich] nahe dem Knochen!? R. Jehuda erwiderte: Wo die Schlächter [das Vieh] aufschlitzen.
12Es wurde gelehrt: Hat man nach dem Schlächter Talg gefunden, so ist er, wie R. Jehuda sagt, beim Quantum einer Gerste, und wie R. Joḥanan sagt, bei dem einer Olive [strafbar].
13R. Papa sagte: Sie streiten aber nicht, wegen des einen [Quantums] ist er zu geißeln, wegen des anderen ist er abzusetzen.
14Mar Zuṭra sagte: Das Quantum einer Gerste an einer Stelle, das Quantum einer Olive auch an zwei oder drei Stellen. Die Halakha ist, wegen des Quantums einer Olive ist er zu geißeln, wegen des einer Gerste ist er abzusetzen.
15SCHLÄCHTER SIND &C. NICHT GLAUBWÜRDIG. R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Später traten sie zurück und sagten, sie seien wohl glaubwürdig.
16R. Naḥman sprach: Sind etwa die Generationen tugendhafter geworden!? – Anfangs waren sie der Ansicht R. Meírs, daher erachteten sie sie nicht als glaubwürdig, später aber bekannten sie sich zur Ansicht R. Jehudas.
17Manche beziehen dies auf den Schlußsatz: die Weisen sagen, sie sind inbetreff dessen und inbetreff des Talges glaubwürdig. R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Später traten sie zurück und sagten, sie seien nicht glaubwürdig. R. Naḥman sprach: In der Jetztzeit sind sie ja glaubwürdig; sind denn die Generationen tugendhafter geworden!? –
18Anfangs waren sie der Ansicht R. Jehudas, später aber bekannten sie sich zur Ansicht R. Meírs.
19Solange sie sich der Ansicht R. Jehudas erinnerten, waren sie nicht glaubwürdig, jetzt aber, wo sie die Ansicht R. Jehudas vergessen haben, sind sie glaubwürdig.
20DES TALGES. Wer spricht hier vom Talge!? – Er meint es wie folgt: sie sind inbetreff dessen und inbelreff des Talges nicht glaubwürdig; die Weisen sagen, sie seien inbetreff dessen und inbetreff des Talges glaubwürdig.
21MAN DARF EINEM NICHTJUDEN EINE HÜFTE MIT DER SPANNADER SENDEN, WEIL DIE STELLE KENNTLICH IST.
22GEMARA. Nur ganz, nicht aber zerschnitten; wo, wenn in einem Orte, wo nicht bekannt gemacht wird,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.