Eruvin — Blatt 103b

1Woher dies? – Es wird gelehrt: Wenn ein Priester eine Blatter bekommt, so beiße sie ihm sein Genosse mit den Zähnen ab. Nur mit den Zähnen, nicht aber mit einem Geräte; nur sein Genosse, nicht aber er selber.

2Wer [lehrt dies]: wollte man sagen, die Rabbanan, so sollte es doch, wenn es nach ihnen auch sonst nur des Feierns wegen [verboten] ist, im Tempel einerlei sein, ob er selber oder sein Genosse!?

3Doch wohl R.Elie͑zer, nach dem man dieserhalb sonst ein Sündopfer schuldig ist, und hierbei muß dies, obgleich die Zubereitungen eines Gebotes den Šabbath verdrängen, soweit möglich auf ungewöhnliche Weise erfolgen. –

4Nein, tatsächlich die Rabbanan; wenn er sie auf dem Bauche bekommt, ist dem auch so,

5hier aber handelt es sich um den Fall, wenn er sie auf dem Rücken oder den Schultergelenken bekommen hat, sodaß er selber sie nicht abnehmen kann. –

6Wenn die Rabbanan, so darf er sie ihm ja auch mit der Hand abnehmen!? Ferner wäre hieraus das zu entnehmen, was R.Elea͑zar gesagt hat, denn R. Elea͑zar sagte, sie streiten nur über [die Verrichtung] mit der Hand, mit einem Geräte aber sei es nach aller Ansicht verboten. –

7Auch nach deiner Meinung, daß es R.Elie͑zer ist, darf er es ihm ja mit der Hand abnehmen!? – Was soll dies? Allerdings ist es, wenn du sagst, R.Elie͑zer, mit der Hand [verboten] mit Rücksicht auf ein Gerät; wenn du aber sagst, die Rabbanan, so sollte er sie ihm ja mit der Hand abnehmen. Und nichts weiter [darüber].

8WENN EIN PRIESTER SICH DEN FINGER VERLETZT, SO UMWICKLE ER IHN IM TEMPEL MIT BAST, NICHT ABER IN DER PROVINZ; UM BLUT ABZUZIEHEN IST ES DA UND DORT VERBOTEN.

9GEMARA. R.Jehuda, Sohn des R.Ḥija, sagte: Dies lehrten sie nur vom Bast, ein Gürtelchen aber ist eine Hinzufügung zu den [priesterlichen] Gewändern.

10R.Joḥanan aber sagte, eine Hinzufügung zu den Gewändern heiße nur das, was da angelegt wird, wo die Gewänder getragen werden, was aber da angelegt wird, wo die Gewänder nicht getragen werden, heiße nicht Hinzufügung zu den Gewändern. –

11Es sollte ja aber als Trennung gelten!? – An der linken Hand.

12Oder auch an der rechten, jedoch an einer Stelle, die beim Tempeldienst unberührt bleibt

13Er streitet somit gegen Raba, denn Raba sagte im Namen R.Ḥisdas: An einer Stelle, wo die Gewänder getragen werden, gilt auch ein Fäserchen als Trennung, an einer Stelle, wo die Gewänder nicht getragen werden, gilt nur [ein Streifen] von drei zu drei [Fingerbreiten] als Trennung, nicht aber einer weniger als drei zu drei.

14Gegen R.Joḥanan streitet er entschieden, streitet er aber auch gegen R.Jehuda, den Sohn R.Ḥijas? –

15Anders ist es bei einem Gürtelchen, da es wesentlich ist.

16Eine andere Lesart: R.Jehuda, Sohn des R.Ḥija, sagte: Dies lehrten sie nur vom Bast, ein Gürtelchen aber ist eine Trennung.

17R.Joḥanan aber sagte, [ein Streifen] weniger als drei zu drei [Fingerbreiten] gelte als Trennung nur da, wo die Gewänder getragen werden, wo aber die Gewänder nicht getragen werden, gelte nur [ein Streifen]

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.