Eruvin — Blatt 10b
1Man setze in die Mitte einen zehn [Handbreiten] hohen Pfeiler, der vier Ellen in die Länge des Durchgangs hineinragt.
2Oder man verfahre nach R.Jehuda. R.Jehuda sagte nämlich, daß man, wenn ein Durchgang fünfzehn Ellen breit ist, da einen Pfeiler von drei Ellen in einer Entfernung von zwei Ellen setze. –
3Wozu denn, man könnte ja ebenso einen Pfeiler von anderthalb Ellen setzen, und zwei Ellen weiter einen [zweiten] Pfeiler von anderthalb Ellen!? Hieraus ist somit zu entnehmen, daß, wenn das Stehende mehr ist als die Lücke, jedoch nach zwei Seiten geteilt, es nichts sei!? –
4Tatsächlich, kann ich dir erwidern, ist dies wohl gültig, nur ist es hierbei anders, da der freie Raum an der einen Seite und der freie Raum an der anderen Seite die Bedeutung [des Mittelpfeilers] aufheben. –
5Man könnte ja ebenso einen eine Elle breiten Pfeiler setzen, eine Elle weiter einen [zweiten] eine Elle breiten Pfeiler und eine Elle weiter einen [dritten] eine Elle breiten Pfeiler!? Hieraus ist somit zu entnehmen, daß, wenn das Stehende der Lücke gleicht, dies nichts sei!? –
6Tatsächlich, kann ich dir erwidern, ist dies sonst erlaubt, hierbei aber ist es anders, da der freie Raum an der einen Seite und an der anderen Seite die Bedeutung [des letzten Pfeilers] aufheben. –
7Man könnte ja ebenso in einer Entfernung von einer Elle einen anderthalb Ellen breiten Pfeiler setzen, und eine Elle weiter, einen [zweiten] anderthalb Ellen breiten Pfeiler!? –
8Dem ist auch so, nur haben die Rabbanan ihn nicht so sehr belästigt. –
9Es ist ja aber zu berücksichtigen, man könnte die große Öffnung lassen und durch die kleine gehen!? R.Ada b.Mathna erwiderte: Es ist feststehend, daß niemand die große Öffnung läßt und durch die kleine geht. –
10Womit ist es hierbei anders als bei der Lehre von R.Ami und R.Asi!? –
11Da hat man weniger zu gehen, hier aber nicht.
12Dort haben wir gelernt: Das Leder des Sitzes und das Loch desselben werden zur Handbreite vereinigt. –
13Was ist das für ein Leder des Sitzes? Rabba b. Bar Ḥana erwiderte im Namen R. Joḥanans: Das Leder des Klosettsitzes. –
14Wieviel? – Als R.Dimi kam, sagte er: Zwei Finger an der einen Seite, zwei Finger an der anderen Seite und zwei Finger frei in der Mitte. Als Rabin kam, sagte er: Anderthalb Finger an der einen Seite, anderthalb Finger an der anderen Seite und ein Finger frei in der Mitte.
15Abajje fragte R.Dimi: Streitet ihr? Dieser erwiderte: Nein; einer spricht vom Daumen, einer spricht vom kleinen Finger, und wir streiten nicht.
16Jener sprach: Doch, ihr streitet wohl, und zwar in dem Falle, wenn das Stehende an beiden Seiten zusammen mehr ist als die Lücke: nach deiner Ansicht gilt es als stehend, auch wenn an beiden Seiten, nach Rabin aber nur dann, wenn an einer Seite, nicht aber, wenn an beiden Seiten zusammen.
17Wollte man sagen, ihr streitet nicht, so müßte ja Rabin sagen:ein und ein Drittel Finger an der einen Seite, ein und ein Drittel Finger an der anderen Seite und ein und ein Drittel Finger frei in der Mitte. –
18Wenn wir aber streiten, so müßte ich ja sagen: ein und zwei Drittel Finger an der einen Seite, ein und zwei Drittel Finger an der anderen Seite und zwei und zwei Drittel Finger frei in der Mitte!?
19Sollten wir streiten, so würde der Streit in dem Falle bestehen, wenn die Lücke dem Stehenden gleicht.
20HAT ER DIE FORM EINES TÜRRAHMENS, SO IST DIES NIGHT NÖTIG, AUCH WENN ER MEHR ALS ZEHN ELLEN BREIT IST. Wir sehen also, daß die Form eines Türrahmens bei der Breite und der Sims bei der Höhe wirksam ist;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.