Eruvin — Blatt 18a
1SIE AUCH WEITER MACHEN, NUR MACHE MAN DANN MEHR PFEILER. R.JEHUDA SAGT, NUR BIS ZWEI SEÁFLÄCHEN.
2JENE SPRACHEN ZU IHM: DEN RAUM VON ZWEI SEÁFLÄCHEN HABEN SIE NUR BEZÜGLICH EINES GARTENS ODER EINES GEHEGES FESTGESETZT, BEI EINEM PFERCHE, EINER HÜRDE, EINEM GEHÖFTE ODER EINEM VORHOFE ABER IST ES AUCH BIS ZU EINEM FLÄCHENRAUME VON FÜNF KOR, SOGAR ZEHN KOR ERLAUBT.
3GEMARA. Es wäre anzunehmen, daß unsere Mišna nicht die Ansicht Ḥananjas vertritt, denn es wird gelehrt: Man darf [eine Umzäunung aus] Pfeilern für eine Zisterne und eine aus Stricken für eine Karawane machen; Ḥananja sagt, auch für eine Zisterne mache man sie aus Stricken und nicht aus Pfeilern. –
4Du kannst auch sagen, sie vertrete die Ansicht Ḥananjas, denn bei der Zisterne ist es anders als beim Brunnen.
5Manche lesen: Da er nicht lehrt: Ḥananja sagt, man mache [eine Umzäunung aus] Stricken für die Zisterne und aus Pfeilern für den Brunnen, so ist ja nach Ḥananja sowohl für die Zisterne als auch für den Brunnen nur [eine Umzäunung] aus Stricken und nicht aus Pfeilern zulässig, demnach vertritt unsere Mišna nicht die Ansicht Ḥananjas. –
6Du kannst auch sagen, sie vertrete die Ansicht Ḥananjas, denn er widerspricht dem ersten Tanna nur bezüglich dessen, von dem dieser spricht. –
7Es wäre anzunehmen, daß unsre Mišna nicht die Ansicht R.A͑qibas vertritt, denn wir haben gelernt: Sowohl um einen öffentlichen Brunnen und um eine öffentliche Zisterne als auch um einen Privatbrunnen mache man Pfeiler, um eine private Zisterne aber muß man einen zehn Handbreiten hohen Zaun machen – so R.A͑qiba.
8Hier aber lehrt er es nur von Brunnen, nur um Brunnen und nicht um Zisternen. –
9Du kannst auch sagen, sie vertrete die Ansicht R.A͑qibas, denn er lehrt hier deshalb nur von einem Brunnen (mit Quellwasser), weil er von diesem schlechthin lehren kann, ohne Unterschied zwischen einem öffentlichen und einem privaten, nicht aber von der Zisterne (mit angesammeltem Wasser), weil er von dieser nicht schlechthin lehren kann. –
10Es wäre anzunehmen, daß unsre Mišna nicht die Ansicht des R.Jehuda b.Baba vertritt, denn wir haben gelernt: R.Jehuda b. Baba sagt, man dürfe Pfeiler nur um einen öffentlichen Brunnen machen. Hier aber lehrt er: um die Brunnen, sowohl um einen öffentlichen als auch um einen privaten. –
11Du kannst auch sagen, sie vertrete die Ansicht des R.Jehuda b.Baba, denn unter ‘die Brunnen’ sind Brunnen allgemein zu verstehen. –
12Was heißt ‘Diomad’ [Doppelpfeiler]? R.Jirmeja b.Elea͑zar erwiderte: Dyo a͑mud [Doppelpfeiler].
13Dort haben wir gelernt: R.Jehuda sagt, alle wilden Feigen seien [zehnt] - frei, ausgenommen die Diopra [Remontanten]. – Was heißt Diopra? U͑la erwiderte: Ein Baum, der zweimal Früchte [dyo peri] im Jahre trägt.
14R.Jirmeja b.Elea͑zar sagte: Adam der Urmensch hatte zwei [dyo] Gesichter, denn es heißt: hinten und vorn hast du mich gebildet. Es heißt: Und Gott der Herr baute die Rippe &c. Rabh und Šemuél [streiten hierüber]: einer sagt, es war ein Gesicht, und einer sagt, es war ein Schwanz. –
15Erklärlich ist es nach demjenigen, welcher sagt, es war ein Gesicht, daß es heißt: hinten und vorn hast du mich gebildet, wieso aber heißt es nach demjenigen, welcher sagt, es war ein Schwanz: hinten und vorn hast du mich gebildet!? –
16Dies nach R.Ami, denn R.Ami sagte: Als letzten beim Schöpfungswerke und als ersten bei der Vergeltung. –
17Allerdings als letzten beim Schöpfungswerke, indem er erst am Vorabend des Šabbaths erschaffen wurde, wieso aber als ersten bei der Vergeltung: wollte man sagen bei der Verfluchung, so wurde ja zuerst die Schlange, nachher Ḥava und nachher erst Adam verflucht!? –
18Vielmehr bei der Sintflut, denn es heißt: und er vernichtete alles Bestehende, das auf der Erde war, von Mensch bis Vieh &c. –
19Erklärlich ist es nach demjenigen, welcher sagt, es war ein Gesicht, daß es vajjiçer [er schuf] mit doppeltem Jod, heißt, weshalb aber heißt es vajjiçer nach demjenigen, welcher sagt, es war ein Schwanz!? –
20Dies nach R.Šimo͑n b.Pazi, denn R.Šimo͑n b.Pazi sagte: Wehe mir vor meinem bösen Trieb [jiçri], wehe mir vor meinem Schöpfer [joçri ]. –
21Erklärlich ist es nach demjenigen, welcher sagt, es war ein Gesicht, daß es heißt: Mann und Weib schuf er sie, wieso aber heißt es nach demjenigen, welcher sagt, es war ein Schwanz, Mann und Weib schuf er sie!? –
22Dies nach R.Abahu, denn R.Abahu wies auf einen Widerspruch hin. Es heißt: Mann und Weib schuf er sie, dagegen heißt es: im Ebenbilde Gottes schuf er ihn!? Anfangs dachte er, zwei zu erschaffen, schließlich aber wurde nur einer erschaffen. –
23Erklärlich ist es, nach demjenigen, welcher sagt, es war ein Gesicht, daß es heißt: er schloß Fleisch an ihre Stelle, wieso aber heißt es: er schloß Fleisch an ihre Stelle nach demjenigen, welcher sagt, es war ein Schwanz!?
24R.Zebid, manche sagen, R.Jirmeja, und manche sagen, R.Naḥman b.Jiçḥaq, erwiderte: Dies bezieht sich auf die Schnittstelle. –
25Erklärlich ist es nach demjenigen, welcher sagt, es war ein Schwanz, daß es baute heißt, wieso aber heißt es baute nach demjenigen, welcher sagt, es war ein Gesicht!? –
26Dies nach R.Šimo͑n b.Menasja, denn R.Šimo͑n b.Menasja trug vor: Und Gott der Herr baute die Rippe, dies lehrt, daß der Heilige, gepriesen sei er, die Ḥava flocht und sie zu Adam dem Urmenschen brachte, denn in den überseeischen Städten nennt man das Geflecht ‘Bauwerk’.
27Eine andere Erklärung: Und Gott der Herr baute, hierüber sagte R.Ḥisda, und wie manche sagen, wurde es in einer Barajtha gelehrt: Dies lehrt, daß der Heilige, gepriesen sei er, Ḥava speicherförmig baute;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.