Eruvin — Blatt 18b
1wie der Speicher unten breit und oben schmal ist, um die Früchte aufzunehmen, ebenso ist das Weib unten breit und oben schmal, um das Kind aufzunehmen.
2Und brachte sie zum Menschen. Dies lehrt, daß der Heilige, gepriesen sei er, bei Adam dem Urmenschen die Brautführung übernommen hat. Hieraus, daß der Vornehme beim Geringen die Brautführung übernehme und dies ihm nicht leid sei. –
3Wer ging vorwärts nach demjenigen, welcher sagt, es war ein Gesicht? R.Naḥman b.Jiçḥaq erwiderte: Es ist anzunehmen, daß das männliche [Gesicht] vorwärts ging, denn es wird gelehrt: Man gehe nicht auf dem Wege hinter einem Weibe, selbst wenn es seine Frau ist. Trifft man sie auf einer Brücke, so [überhole] man sie seitwärts. Wer hinter einem Weibe über einen Fluß geht, hat keinen Anteil an der zukünftigen Welt.
4Die Rabbanan lehrten: Wer Geld aus seiner Hand in die Hand eines Weibes zählt, oder aus ihrer Hand in seine, um sie zu betrachten, bleibt vor dem Gerichte des Fegefeuers nicht verschont, selbst wenn er unserem Meister Moše gleicht, der die Tora am Berge Sinaj empfing. Über ihn spricht die Schrift: Hand zu Hand, er bleibt vor Bösem nicht verschont; er bleibt vor dem Gerichte des Fegefeuers nicht verschont.
5R.Naḥman sagte: Manoaḥ war ein Mann aus dem gemeinen Volke, denn es heißt: und Manoaḥ ging hinter seiner Frau.
6R.Naḥman b. Jiçḥaq wandte ein: Auch von Elqana heißt es ja: und Elqana ging hinter seiner Frau; war er es ebenfalls!? Ebenso heißt es von Eliša͑: er machte sich auf und ging hinter ihr; war er es ebenfalls!?
7Vielmehr, nach ihren Worten und nach ihrem Rate, ebenso da, nach ihren Worten und nach ihrem Rate.
8R.Aši sagte: Nach dem, was R.Naḥman gesagt hat, daß Manoaḥ ein Mann aus dem gemeinen Volke war, hat er sogar in der Schule nichts gelernt. Denn es heißt: und Ribqa machte sich auf mit ihren Mägden, und sie ritten auf den Kamelen, und sie zogen hinter dem Manne; hinter dem Manne, aber nicht vor dem Manne.
9R.Joḥanan sagte: Hinter einem Löwen, aber nicht hinter einem Weibe; hinter einem Weibe, aber nicht hinter einem Götzen; hinter einem Götzen, aber nicht hinter einem Bethause während des Betens.
10Ferner sagte R.Jirmeja b.Elea͑zar: All die Jahre, während welcher Adam der Urmensch im Banne war, zeugte er Geister, Dämonen und Nachtgespenster, denn es heißt: als Adam hundertunddreißig Jahre alt war, zeugte er in Ähnlichkeit und im Ebenbilde, demnach zeugte er bis dahin nicht im Ebenbilde.
11Man wandte ein: R.Meír sagte: Adam der Urmensch war sehr fromm; als er gesehen hatte, daß durch ihn der Tod verhängt wurde, verbrachte er hundertunddreißig Jahre in Fasten, trennte sich hundertunddreißig Jahre von seiner Frau und trug hundertunddreissig Jahre Feigengurte auf seinem Leibe!? –
12Wir sprechen, [von den Geistern,] die er durch unverschuldeten Samenerguß zeugte.
13Ferner sagte R.Jirmeja b.Elea͑zar: Einen Teil seines Lobes sage man einem ins Gesicht, das ganze aber nur in seiner Abwesenheit. Einen Teil ins Gesicht, denn es heißt: denn dich habe ich rechtschaffen vor mir gefunden in diesem Geschleckte;
14das ganze in seiner Abwesenheit, denn es heißt: Noaḥ war ein vollständig frommer Mann unter seinen Zeitgenossen.
15Ferner sagte R.Jirmeja b.Elea͑zar: Es heißt: und siehe, ein Ölblatt war als Nahrung in ihrem Schnabel. Die Taube sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, lieber sei meine Nahrung bitter wie ein Oliven [blatt], aber aus deiner Hand, als süß wie Honig, aber von der eines [Menschen aus] Fleisch und Blut abhängig. Hier heißt es nämlich Nahrung und dort heißt es: laß mich meine tägliche Nahrung dahinnehmen.
16Ferner sagte R.Jirmeja b.Elea͑zar: Ein Haus, in dem nachts Worte der Tora zu hören sind, wird nicht zerstört, denn es heißt: und er sagt nicht: Wo ist Gott, mein Schöpfer, der nachts Lobgesänge anstimmt.
17Ferner sagte R.Jirmeja b.Elea͑zar: Seitdem der Tempel zerstört worden ist, genügt es der Welt, sich des aus zwei Buchstaben [bestehenden Gottesnamens ] zu bedienen, denn es heißt: alles, was Odem hat, rühme Jah. Rühmet Jah.
18Ferner sagte R.Jirmeja b. Elea͑zar: Als Babel verflucht wurde, wurden auch seine Nachbarn verflucht, als aber Šomron verflucht wurde, wurden seine Nachbarn gesegnet. Als Babel verflucht wurde, wurden auch seine Nachbarn verflucht, denn es heißt: ich mache sie zum Besitztum des Stachelschweines und zu wäßrigen Sümpfen. Als Šomron verflucht wurde, wurden seine Nachbarn gesegnet, denn es heißt: ich mache Šomron zu Trümmerhaufen des Feldes
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.