Eruvin — Blatt 19b
1Das sind nahezu zehn Ellen – so R.Meír; R.Jehuda sagt, nahezu dreizehn oder vierzehn Ellen. –
2Wieso nahezu zehn, es sind ja genau zehn!? – Weil er im Schlußsatze lehren will: nahezu dreizehn. –
3Wieso nahezu dreizehn, es sind ja mehr!? – Weil er lehren will: (nahezu) vierzehn, und es keine vierzehn sind. R.Papa erklärte: Mehr als dreizehn und keine vierzehn.
4R.Papa sagte: Bezüglich eines acht [Ellen breiten] Brunnens stimmen alle überein, daß keine einfachen [Pfeiler] nötig seien,
5bezüglich eines zwölf [Ellen breiten] Brunnens stimmen alle überein, daß einfache [Pfeiler] nötig seien,
6sie streiten nur bezüglich eines zwischen acht und zwölf [Ellen breiten]: nach R.Meír sind auch einfache nötig, nach R.Jehuda sind keine einfachen nötig. –
7Was lehrt uns da R.Papa, dies haben wir ja gelernt!? –
8R.Papa kannte die Barajtha nicht, und er lehrt uns dasselbe, was die Barajtha.
9Abajje fragte Rabba: Wie ist es nach R.Meír, wenn man die Doppelpfeiler um die Breite der einfachen breiter gemacht hat?
10Dieser erwiderte: Ihr habt es gelernt: nur mache man dann mehr Pfeiler; doch wohl die Doppelpfeiler verbreitern. – Nein, er muß sie durch einfache vermehren. –
11Wieso heißt es demnach ‘an den Pfeilern mehren’, es müßte ja heißen ‘man mache mehr Pfeiler’!? – Lies: man mache mehr Pfeiler.
12Manche lesen: Dieser erwiderte: Ihr habt es gelernt: nur mache man mehr Pfeiler; doch wohl durch einfache vermehren. – Nein, die Doppelpfeiler verbreitern.
13Dies ist auch einleuchtend, denn es heißt ‘an den Pfeilern mehren’. Schließe hieraus.
14Abajje fragte Rabba: Wie ist es nach R.Jehuda, wenn es mehr als dreizehn und ein drittel Ellen sind: füge man einfache hinzu, oder verbreitere man die Doppelpfeiler?
15Dieser erwiderte: Ihr habt es gelernt: Wie nahe dürfen sie sein? Wie Kopf und größerer Teil des Körpers einer Kuh. Wie weit dürfen sie entfernt sein? Auch ein Flächenraum von einem Kor und sogar zwei Kor.
16R.Jehuda sagt, zwei Seáflächen seien erlaubt, mehr als zwei Seáflächen seien verboten. Sie sprachen zu R.Jehuda: Pflichtest du etwa nicht bei, daß es bei einem Pferche, einer Hürde, einem Gehöfte oder einem Vorhofe auch bis zu einem Flächenraume von fünf und sogar zehn Kor erlaubt sei!?
17Dieser erwiderte: Da ist es ein Zaun, hierbei sind es Pfeiler.
18Wenn dem nun so wäre, so wäre es ja da ein Zaun und hierbei ein Zaun!? –
19Er meint es wie folgt: da gelten die Vorschriften eines Zaunes, bei dem Lücken bis zehn [Ellen] zulässig sind, hierbei gelten die Vorschriften über Pfeiler, bei denen Lücken bis dreizehn und einem drittel [Ellen] zulässig sind.
20Abajje fragte Rabba: Wie ist es, wenn ein Hügel bei einer Steigung unter vier [Ellen] zehn [Handbreiten] hoch ist: wird er als Doppelpfeiler angesehen oder nicht?
21Dieser erwiderte: Ihr habt es gelernt: R.Šimo͑n b.Elea͑zar sagte: Befindet sich da ein viereckiger Stein, so ist er, falls er geglättet eine Elle nach jeder Seite haben würde, als Doppelpfeiler anzusehen, wenn aber nicht, so ist er nicht als Doppelpfeiler anzusehen.
22R.Jišma͑él, Sohn des R.Joḥanan b. Beroqa, sagte: Befindet sich da ein runder Stein, so ist er, falls er [viereckig] geglättet und ausgetieft eine Elle nach jeder Seite haben würde, als Doppelpfeiler anzusehen, wenn aber nicht, so ist er nicht als Doppelpfeiler anzusehen. –
23Worin besteht ihr Streit? – Einer ist der Ansicht, eine Voraussetzung lasse man gelten, zwei aber nicht, und einer ist der Ansicht, auch zwei Voraussetzungen lasse man gelten.
24Abajje fragte Rabba: Wie ist es, wenn man [einen Doppelpfeiler] aus weniger als drei [Handbreiten] voneinander abstehenden Rohrstäben gemacht hat: ist er als Doppelpfeiler anzusehen oder nicht?
25Dieser erwiderte: Ihr habt es gelernt:Befindet sich da ein Baum, eine Steinwand oder eine Strauchhecke, so werden sie als Doppelpfeiler angesehen. Doch wohl, wenn die Stäbe weniger als drei [Handbreiten] von einander abstehen. –
26Nein, dies gilt von einem Rohrbüschel. – Demnach ist es ja dasselbe, was Baum!? –
27Wenn etwa einzelne Stäbe, so sind ja Stäbe [in Abständen] unter drei [Handbreiten] dasselbe, was Wand!? Du mußt also sagen, es gebe zwei Arten von Wänden, ebenso gibt es zwei Arten von Bäumen.
28Manche sagen, er habe bezüglich eines Rohrbüschels gefragt, wie es denn bei einem solchen sei, und dieser habe erwidert: Ihr habt es gelernt: Befindet sich da eine Steinwand, ein Baum oder eine Strauchhecke, so werden sie als Doppelpfeiler angesehen. Doch wohl ein Rohrbüschel. –
29Nein, Rohrstäbe, die weniger als drei [Handbreiten] von einander abstehen. – Demnach ist dies ja dasselbe, was Wand!? –
30Wenn etwa Rohrbüschel, so ist dies ja dasselbe, was Baum!?
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.