Eruvin — Blatt 27b

1Dies gilt von dem Falle, wenn man Öl hineingetan hat.

2Abajje sprach zu ihm: Dann sollte es ja wegen des Öls [erlaubt] sein!? – In dem Falle, wenn er ihm das Wasser und das Salz mitbezahlt hat. –

3Ist es denn, wenn mitbezahlt, erlaubt? – Freilich, es wird auch gelehrt: Ben-Bag-Bag sagte: Rinder, dies lehrt, daß Rinder samt der Haut gekauft werden dürfen; Schafe, dies lehrt, daß Schafe samt der Wolle gekauft werden dürfen; Wein, dies lehrt, daß Wein samt dem Kruge gekauft werden dürfe; und Rauschtrank, dies lehrt, daß gesäuerter Lauerwein gekauft werden dürfe.

4R.Joḥanan sprach: Wer mir [das Wort] Rinder nach Ben-Bag-Bag erklärt, dem trage ich die Kleider ins Badehaus nach. –

5Weshalb? – Die übrigen sind alle nötig, nur nicht [das Wort] Rinder. – Wieso sind sie nötig? – Würde der Allbarmherzige nur Rinder geschrieben haben, so könnte man glauben, nur Rinder dürfen samt der Haut gekauft werden, weil sie zum Körper gehört, nicht aber Schafe samt der Wolle, die nicht zum Körper gehört.

6Würde der Allbarmherzige Schafe geschrieben haben, so könnte man glauben, weil [die Wolle] am Körper haftet, nicht aber Wein samt dem Kruge.

7Würde der Allbarmherzige nur Wein geschrieben haben, so könnte man glauben, weil er in diesem gewahrt wird, nicht aber gesäuerten Lauerwein, der nur eine Gärung ist.

8Würde der Allbarmherzige nur Rauschtrank geschrieben haben, so könnte man glauben, darunter sei die [berauschende] qeilische Feige zu verstehen, die eine Frucht ist, nicht aber Wein samt dem Kruge.

9Und würde der Allbarmherzige Wein samt dem Kruge geschrieben haben, so könnte man glauben, weil er in diesem gewahrt wird, nicht aber Schafe samt der Wolle; daher schrieb der Allbarmherzige Schafe, auch samt der Wolle.

10Wozu aber heißt es Rinder!? Wolltest du sagen, hätte der Allbarmherzige Rinder nicht geschrieben, so würde man gesagt haben, Schafe nur samt der Haut, nicht aber samt der Wolle, daher schrieb der Allbarmherzige Rinder zur Einschließung der Haut, um aus dem überflüssigen Schafe auch Wolle einzuschließen,

11so würde man aber bei Fortlassung von Rinder nicht gesagt haben, Schafe nur samt der Haut und nicht samt der Wolle, denn wenn dem so wäre, so sollte der Allbarmherzige Rinder schreiben und Schafe fortlassen.

12Wozu ist nun, wo der Allbarmherzige Schafe schreibt, auch samt der Wolle, [das Wort] Rinder nötig: wenn Schafe samt der Wolle gekauft werden dürfen, um wieviel mehr Rinder samt der Haut!? Das ist es, was R.Joḥanan sagte, daß, wenn ihm jemand [das Wort] Rinder nach Bem-Bag-Bag erklärte, er ihm die Kleider ins Badehaus nachtragen würde.

13Worin streiten R.Jehuda b. Gadiš und R.Elie͑zer und die weiter folgenden Tannaím? – R.Jehuda b. Gadiš und R.Elie͑zer wenden hierbei [die hermeneutische Regel] von der ‘Einschließung und Ausschließung’ an, während die folgenden Tannaím [die hermeneutische Regel] von der ‘Generalisierung und Spezialisierung’ anwenden.

14R.Jehuda b. Gadiš und R. Elie͑zer wenden [die hermeneutische Regel] von der ‘Einschließung und Ausschließung’ an: [Es heißt:] und gib das Geld hin um was du begehrst, einschließend; Rinder, Schafe, Wein und Rauschtrank, ausschließend; und alles, wonach du Verlangen hast, wiederum einschliessend, und wenn auf eine Einschließung eine Ausschließung und wiederum eine Einschließung folgt, so ist auch alles andere eingeschlossen, (Was ist eingeschlossen?) eingeschlossen ist alles andere; (was ist ausgeschlossen?) ausgeschlossen ist nach R.Elie͑zer Fischtunke und nach R. Jehuda b. Gadiš Wasser und Salz.

15Die folgenden Tannaím wenden [die hermeneutische Regel] von der ‘Generalisierung und Spezialisierung an, denn es wird gelehrt: Und gib Geld hin für alles, was du begehrst, generell; Rinder, Schafe, Wein und Rauschtrank, speziell; und alles, wonach du Verlangen hast, wiederum generell, und wenn auf eine Generalisierung eine Spezialisierung und wiederum eine Generalisierung folgt, so richte man sich nach dem Speziellen; wie das Spezielle Frucht aus Frucht ist und seine Nahrung aus dem Boden zieht, ebenso alles andere, was Frucht aus Frucht ist und seine Nahrung aus dem Boden zieht.

16Ein Anderes lehrt: Wie das Spezielle Erdgeborenes ist, ebenso alles andere, was Erdgeborenes ist. –

17Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? Abajje erwiderte: Einen Unterschied zwischen ihnen gibt es bei Fischen: nach dem, der Frucht aus Frucht, was seine Nahrung aus dem Boden zieht, sagt, auch Fische, da ihre Nahrung vom Boden kommt, und nach dem, der Erdgeborenes sagt, Fische [nicht], da diese aus dem Wasser erschaffen sind. –

18Kann denn Abajje gesagt haben, die Nahrung der Fische komme aus dem Boden, er sagte ja,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.