Eruvin — Blatt 28b
1die im Garten wachsen. –
2Wofür sind Raukenkörner verwendbar? R.Joḥanan erwiderte: Die Früheren, die keinen Pfeffer hatten, zerstießen es und tunkten darin den Braten.
3Wenn R.Zera von seinem Studium müde war, pflegte er hinzugehen und sich an die Tür des R.Jehuda b. Ami zu setzen; er sagte nämlich, wenn die Rabbanan herauskommen und hineingehen, werde ich vor ihnen aufstehen und dafür Belohnung erhalten.
4Einst kam ein Schulknabe heraus, und er fragte ihn: Was lehrte dich dein Meister? Dieser erwiderte: Daß man über Hopfen [den Segen] ‘Der die Bodenfrucht erschafft’ und über Getreidegras [den Segen] ‘Alles entsteht durch sein Wort’ spreche. Da sprach er: Im Gegenteil, das Umgekehrte leuchtet ein; dieses hat ja seine Nahrung vom Boden, jener aber von der Luft!?
5Die Halakha ist, wie der Schulknabe [gesagt hat], denn jener ist eine fertige Frucht, dieses aber nicht. Und das, was du sagst, dieses habe seine Nahrung vom Boden und jener von der Luft, ist nichts; auch der Hopfen hat seine Nahrung vom Boden, denn wir sehen ja, daß, wenn man die Rispen abschneidet, der Hopfen abstirbt.
6Darf man denn aus schlechten Datteln keinen E͑rub bereiten, es wird ja gelehrt: Palmkohl darf für Geld vom [zweiten] Zehnten gekauft werden und ist als Speise nicht verunreinigungsfähig; schlechte Datteln dürfen für Geld vom [zweiten] Zehnten gekauft werden und sind auch als Speise verunreinigungsfähig.
7R.Jehuda sagt, Palmkohl gelte in jeder Hinsicht als Holz, nur dürfe er für Geld vom [zweiten] Zehnten gekauft werden; schlechte Datteln gelten in jeder Hinsicht als Frucht, nur brauchen sie nicht verzehntet zu werden. –
8Hier handelt es sich um Frühlingsdatteln. –
9Wieso sagt R. Jehuda von solchen, sie seien zehntfrei, es wird ja gelehrt: R. Jehuda sagte: Die bethjonischen Feigen werden nur hinsichtlich der Verzehntung genannt; die bethjonischen Feigen und die tobinischen Datteln sind zehntpflichtig!? –
10Vielmehr, tatsächlich handelt es sich nicht um Frühlingsdatteln, nur ist es bei der Unreinheit (von Speisen) anders; wie R.Joḥanan erklärt hat, man könne sie mittelst des Feuers süß machen, ebenso ist auch hierbei zu erklären, weil man sie mittelst des Feuers süß machen kann. –
11Worauf bezieht sich die Erklärung R.Joḥanans? – Auf folgende Lehre: Bittere Mandeln sind klein zehntpflichtig, groß zehntfrei; süße sind groß zehntpflichtig, klein zehntfrei. R.Šimo͑n b.R.Jose sagt im Namen seines Vaters, [die bitteren seien] ob so oder so zehntfrei, manche lesen: ob so oder so zehntpflichtig. R.Ilea͑ erzählte: R.Ḥanina entschied in Sepphoris nach dem, welcher sagt, ob so oder so zehntfrei.
12Wozu sind sie brauchbar nach dem, welcher sagt, ob so oder so zehntpflichtig? Hierzu sagte R.Joḥanan, man könne sie durch das Feuer süß machen.
13Der Meister sagte: R.Jehuda sagt, Palmkohl gilt in jeder Hinsicht als Holz, nur darf er für Geld vom [zweiten] Zehnten gekauft werden. Dies sagt ja auch der erste Tanna!?
14Abajje erwiderte: Ein Unterschied besteht zwischen ihnen, wenn man ihn kocht oder schmort.
15Raba wandte ein: Gibt es denn jemand, welcher sagt, er sei auch gekocht oder geschmort keine [Speise], es wird ja gelehrt: Die Haut und die Eihaut sind nicht als Speise verunreinigungsfähig; hat man die Haut gesotten oder die Eihaut [zu essen] gedacht, so sind sie als Speisen verunreinigungsfähig!?
16Vielmehr, erklärte Raba, besteht ein Unterschied zwischen ihnen hinsichtlich des Segensspruches. Es wird nämlich gelehrt: Über Palmkohl [spreche man], wie R.Jehuda sagt, ‘Der die Bodenfrucht erschafft’, und wie Šemuél sagt, ‘Alles entsteht durch sein Wort’.
17R.Jehuda sagt, ‘Der die Bodenfrucht erschafft’, denn er ist eine Speise; Šemuél sagt, ‘Alles entsteht durch sein Wort’, denn da er später hart wird, spreche man über ihn nicht den Segen ‘Der die Bodenfrucht erschafft’.
18Šemuél sprach zu R.Jehuda: Scharfsinniger, deine Ansicht ist einleuchtend, denn der Rettich wird ja später ebenfalls hart, dennoch sprechen wir über ihn [den Segen] ‘Der die Bodenfrucht erschafft’.
19Das ist aber nichts; wohl pflanzt man den Rettich wegen des jungen Rettichs; man pflanzt aber nicht die Palme wegen des Palmkohls. Und obgleich Šemuél R.Jehuda lobte, ist die Halakha dennoch wie Šemuél.
20Der Text. R.Jehuda sagte im Namen Rabhs: Aus Hopfen und Getreidegras darf man einen E͑rub bereiten und man spricht über sie ‘Der die Bodenfrucht erschafft’. Mit welchem Quantum Hopfen? – Wie R. Jeḥiél gesagt hat, eine Hand voll, ebenso hierbei, eine Hand voll. —
21Mit welchem Quantum Getreidegras? Rabba b. Ṭobija b. Jiçḥaq erwiderte im Namen Rabhs: Mit einem Bauernbündel.
22R.Ḥilqija b. Ṭobija sagte: Man darf einen E͑rub aus Laugenwurzel bereiten. – Aus Laugenwurzel, wie kommst du darauf!? – Sage vielmehr: aus dem Kraut der Laugenwurzel. – Mit welchem Quantum? R.Jeḥiel erwiderte: Eine Hand voll.
23R.Jirmeja ging in die Dörfer, und man fragte ihn, ob man einen E͑rub aus frischen Bohnen bereiten dürfe. Er wußte es nicht. Als er ins Lehrhaus kam, sprachen sie zu ihm: So sagte R.Jannaj: man darf einen E͑rub aus frischen Bohnen bereiten. – Mit welchem Quantum? R.Jeḥiél erwiderte: Eine Hand voll.
24R.Hamnuna sagte: Man darf einen E͑rub aus rohem Mangold bereiten. – Dem ist aber nicht so, R.Ḥisda sagte ja, roher Mangold töte einen gesunden Menschen!? –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.