Eruvin — Blatt 29a
1Er spricht von halb gekochtem. –
2Manche lesen: R.Hamnuna sagte: Man darf keinen E͑rub aus rohem Mangold bereiten, denn R.Ḥisda sagte, roher Mangold töte einen gesunden Menschen. – Wir sehen ja aber, daß manche ihn essen und nicht sterben!? – Er spricht von halbgekochtem.
3R.Ḥisda sagte: Die Mangoldspeise ist zuträglich für das Herz und gut für die Augen und noch mehr für die Gedärme. Abajje sagte: Dies nur, wenn sie auf dem Herde steht und ‘tuch, tuch’ macht.
4Einst sprach Raba: Ich fühle mich wie Ben A͑zaj in den Straßen von Ṭiberjas. Da fragte ihn ein Jünger: Mit welchem Quantum von Äpfeln [darf mein einen E͑rub bereiten]? Dieser erwiderte: Darf man denn überhaupt einen E͑rub aus Äpfeln bereiten!? –
5Etwa nicht, wir haben ja gelernt: Sämtliche Speisen werden zu einem halben Peras vereinigt, um den Leib untauglich zu machen, zum Quantum von zwei Mahlzeiten zu einem E͑rub und zur Eigröße hinsichtlich der Verunreinigung von Speisen. –
6Was ist dies für ein Einwand: wollte man sagen, weil es sämtliche Speisen heißt, zu welchen auch diese gehören, so sagte ja R.Joḥanan, aus allgemeinen Regeln sei nichts zu entnehmen, auch wenn es ‘außer’ heißt!? –
7Vielmehr, weil es heißt: zum Quantum von zwei Mahlzeiten zu einem E͑rub und zur Eigröße bezüglich der Verunreinigung von Speisen, und auch diese sind als Speisen verunreinigungsfähig. –
8Wieviel? R.Naḥman erwiderte: Bei Äpfeln ein Kab.
9Man wandte ein: R. Šimo͑n b.Elea͑zar sagt, ein U͑kla Gewürze, eine Litra Kräuter, zehn Nüsse, fünf Pfirsiche, zwei Granatäpfel und einen Etrog. Hierzu sagte Gursaq b. Dari im Namen des R.Menasja b.Segobli im Namen Rabhs, daß dieses Maß auch für den E͑rub gelte. Diese sollten ja Pfirsichen gleichen!? —
10Jene sind geschätzt, diese aber nicht.
11R.Joseph sprach: Möge der Herr es R.Menasja b.Segobli verzeihen; ich sagte es ihm bezüglich einer Mišna, und er bezieht es auf die Barajtha. Wir haben nämlich gelernt: In der Tenne gebe man dem Armen nicht weniger als einen halben Kab Weizen, einen Kab Gerste, wie R.Meír sagt, einen halben Kab Gerste, anderthalb Kab Dinkel, einen Kab Trockenfeigen, eine Mine Preßfeigen, wie R.A͑qiba sagt, eine halbe, ein halbes Log Wein, wie R.A͑qiba sagt, ein Viertellog, und ein Viertellog Öl, wie R.A͑qiba sagt, ein Achtellog. Von allen anderen Früchten, sagt Abba Šaúl, gebe man soviel, daß er es verkaufen und dafür Speise für zwei Mahlzeiten erhalten kann. Hierzu sagte Rabh, dies gelte auch für den E͑rub. –
12Womit ist diese [Lehre] bevorzugter als jene: wollte man sagen, weil in jener auch Gewürze genannt werden, die nicht zum Essen sind, so werden ja auch hier Weizen und Gerste genannt, die nicht zum Essen sind!? –
13Vielmehr, hier wird ein halbes Log Wein genannt, und Rabh sagte, daß man aus zwei Viertellog Wein einen E͑rub bereiten könne. Da hier dieses Quantum erforderlich ist, so ist zu schließen, daß das, was Rabh gesagt hat, dasselbe Maß gelte auch für den E͑rub, sich auf diese Mišna beziehe. Schließe hieraus.
14Der Meister sagte: Zum Quantum von zwei Mahlzeiten zu einem E͑rub. R.Joseph wollte sagen, nur wenn die eine für eine Mahlzeit reicht und die andere für eine Mahlzeit reicht, da sprach Rabba zu ihm: Auch wenn [von einer] nur die Hälfte, ein Drittel oder ein Viertel vorhanden ist.
15Der Text. Rabh sagte: Man kann einen E͑rub aus zwei Viertellog Wein bereiten. Ist denn soviel nötig, es wird ja gelehrt: R.Šimo͑n b.Elea͑zar sagte: Wein, als zum Essen nötig, Essig, als zum Eintunken nötig, Oliven und Zwiebeln, als zum Essen nötig, [sämtlich] zu zwei Mahlzeiten!? –
16Dies gilt von gekochtem Wein.
17Der Meister sagte: Essig, als zum Eintunken nötig. R.Gidel sagte im Namen Rabhs: Als zum Eintunken von zwei Kräutermahlzeiten nötig ist. Manche lesen: R.Gidel sagte im Namen Rabhs: Als zum Eintunken von Kräutern, die zu zwei Mahlzeiten gegessen werden, nötig ist.
18Der Meister sagte: Oliven und Zwiebeln, als zum Essen nötig, zu zwei Mahlzeiten. Darf man denn einen E͑rub aus Zwiebeln bereiten, es wird ja gelehrt: R.Šimo͑n b. Elea͑zar erzählte: Einst verbrachte R.Meír den Šabbath in Árdisqa, und jemand kam zu ihm und sprach: Meister, ich habe einen E͑rub aus Zwiebeln bereitet, um nach Ṭibı͑n zu gehen. Da ließ ihn R.Meír in seinen vier Ellen sitzen!? –
19Das ist kein Einwand; hier waren es Blätter, während dort von den Zwiebelköpfen gesprochen wird. Es wird nämlich gelehrt: Wenn jemand eine Zwiebel gegessen hat und am folgenden Morgen tot ist, so frage man nicht nach der Ursache seines Todes. Hierzu sagte Šemuél, dies gelte nur von den Blättern, Zwiebelköpfe schaden nicht, und auch von Blättern gelte dies nur dann,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.