Eruvin — Blatt 38b

1dieser sei [wie ein] Esel- und Kameltreiber.

2R.Šimo͑n b.Gamliél und R.Jišma͑él, Sohn des R.Joḥanan b. Beroqa, sagen, wer für den ersten Tag einen E͑rub mit seinen Füßen bereitet hat, brauche nicht abermals den E͑rub für den zweiten mit den Füßen zu bereiten, wenn sein E͑rub am ersten Tage verzehrt worden ist, gelte er auch für den zweiten.

3Rabh sagte: Die Halakha ist wie die vier Ältesten, und zwar nach R.Elie͑zer, welcher sagt, es seien zwei voneinander verschiedene Heiligkeiten. Folgende sind die vier Ältesten: R.Šimo͑n b. Gamliél, R.Jišma͑él, Sohn des R.Joḥanan b. Beroqa, R.Elea͑zar b. R.Šimo͑n und der Anonymus R.Jose b. Jehuda. Manche sagen, einer von ihnen sei R.Elie͑zer, und der Anonymus R.Jose b. Jehuda sei fortzulassen. —

4Aber wir wissen ja von R. Šimo͑n b. Gamliél und R.Jišma͑él, dem Sohne des R.Joḥanan b. Beroqa, daß sie entgegengesetzter Ansicht sind!? — Wende [jene Lehre] um. —

5Demnach sind sie ja derselben Ansicht wie Rabbi!? — Lies: ebenso sagen R. Šimo͑n b. Gamliél &c. —

6Sollte er auch Rabbi mitrechnen!? — Rabbi lehrte dies zwar, ist aber nicht dieser Ansicht. —

7Vielleicht lehren es auch jene Rabbanan, ohne dieser Ansicht zu sein!? — Rabh ist es so überliefert worden.

8Als die Seele R.Honas zur Ruhe eingekehrt war, trat R.Ḥisda ein und wies auf einen Widerspruch hin, in welchem Rabh sich mit sich selbst befindet: Kann Rabh denn gesagt haben, die Halakha sei wie die vier Ältesten, und zwar nach R.Elie͑zer, welcher sagt, es seien zwei voneinander verschiedene Heiligkeiten,

9es wurde ja gelehrt, daß, wenn ein Šabbath und ein Fest [auf einander folgen, das Ei], das an einem [dieser Tage] gelegt wurde, wie Rabh sagt, am anderen verboten sei!?

10Rabba erwiderte: Dies ist wegen der Vorbereitung verboten.

11Es wird nämlich gelehrt: Und am sechsten Tage sollen sie vorbereiten; der Wochentag bereitet für den Šabbath vor, der Wochentag bereitet für das Fest vor, nicht aber bereitet das Fest für den Šabbath vor, noch bereitet der Šabbath für das Fest vor.

12Abajje sprach zu ihm: Wir haben gelernt: Wie mache man es? Man bringe [den E͑rub] hin und bleibe bei ihm, bis es dunkel wird, sodann nehme man ihn mit und gehe seines Weges, und am zweiten Tage bleibe man bei ihm, bis es dunkel wird, sodann darf man ihn essen und seines Weges gehen. Das Fest bereitet ja für den Šabbath vor!?

13Dieser erwiderte: Du glaubst wohl, der E͑rub erlange Gültigkeit mit dem Schlusse des [scheidenden] Tages, der E͑rub erlangt Gültigkeit mit dem Beginn des [kommenden] Tages, sodaß der Šabbath für sich selbst vorbereitet. —

14Demnach sollte man ja einen E͑rub mit einer Kanne bereiten dürfen!? —

15Es muß schon am Tage eine verwendbare Mahlzeit sein, was hierbei nicht der Fall ist. —

16Wir haben ja aber gelernt, R.Elie͑zer sagt, wenn ein Festtag nächst einem Šabbath fällt, ob vor- oder nachher, dürfe man zwei E͑rubin bereiten; es muß ja schon am Tage eine verwendbare Mahlzeit sein, was hierbei nicht der Fall ist!? —

17Du glaubst wohl, man lege sie da am Ende der zweitausend Ellen nieder und dort am Ende der zweitausend Ellen nieder, nein, man lege sie da am Ende von tausend Ellen nieder und dort am Ende von tausend Ellen nieder. —

18Wieso sagte nun R. Jehuda, wer für den ersten Tag einen E͑rub mit den Füßen bereitet hat, bereite auch für den zweiten Tag einen E͑rub mit den Füßen, und wer für den ersten Tag einen E͑rub mit Brot bereitet hat, bereite auch für den zweiten Tag einen E͑rub mit Brot, das Fest bereitet ja für den Šabbath vor!?

19Dieser erwiderte: Du glaubst wohl, man gehe hin und spreche etwas; nein, man gehe hin und setze sich schweigend nieder. —

20Also nach R.Joḥanan b.Nuri, welcher sagt, herrenlose Sachen erwerben ihren Platz für den Šabbath. —

21Du kannst auch sagen, nach den Rabbanan, denn die Rabbanan streiten gegen R.Joḥanan b.Nuri nur bezüglich eines Schlafenden, der es nicht sprechen kann, bei einem Wachenden aber, der, wenn er will, es sprechen kann, gilt es, auch wenn er es nicht gesprochen hat, als gesprochen.

22Rabba b. R.Ḥanin sprach zu Abajje: Der Meister wäre von seiner Ansicht abgekommen, wenn er folgende Lehre gehört hätte: Man darf am Šabbath nicht bis zum Ende seines Feldes gehen, um zu sehen, was da nötig sei; desgleichen

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.