Eruvin — Blatt 3a
1sollte kein Sims nützen, da ja [die Tür] des Tempels einen Sims hatte und dennoch nur zwanzig Ellen hoch war!? Wir haben nämlich gelernt: Darüber waren fünf Ebenholzsimse übereinander. –
2Was ist dies für ein Einwand, vielleicht bezieht sich die Lehre von den Simsen auf [die Tür] der Tempelhalle!? –
3Was soll diese Entgegnung: vielleicht glich die Verzierung des Tempels der Verzierung der Tempelhalle!?
4Wie-so sagte demnach R.Ileá im Namen Rabhs, daß, wenn [der Querbalken] vier [Handbreiten] breit ist, er nicht stark zu sein brauche, und wenn er einen Sims hat, man ihn nicht zu verringern brauche, auch wenn er mehr als zwanzig Ellen hoch ist!?
5R.Joseph erwiderte: Die Lehre vom Simse ist eine Barajtha. – Wer lehrte sie!?
6Abajje erwiderte: Ḥama, Sohn des Rabba b.Abuha, lehrte sie. – Auch wenn sie eine Barajtha ist, ist dies ja ein Einwand gegen Rabh!? –
7Rabh kann dir erwidern: auch wenn ich ganz ausscheide, widersprechen ja die Lehren einander. Vielmehr mußt du erklären, daß hierüber Tannaím streiten, ebenso erkläre ich dies.
8R.Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Ohne Rabh würden die Lehren einander nicht widersprechen, denn der Grund der Rabbanan ist vielleicht der, damit man dies merke, und [die Hinzufügung] ‘höher als die Tür des Tempels’ ist nur ein Merkzeichen. –
9Einleuchtend ist die Erklärung des R.Naḥman b. Jiçḥaq, wenn er nicht der Ansicht Rabbas ist, wozu aber ist, wenn er der Ansicht Rabbas ist, welcher sagte: damit euere Geschlechter, daß ich die Jisraéliten habe in Hütten wohnen lassen, bis zwanzig Ellen merke man, daß man sich in einer Hütte befindet, höher als zwanzig Ellen merke man es nicht mehr, da es nicht in die Augen fällt,
10wonach sie auch bei der Festhütte bezüglich der Bemerkbarkeit streiten, dieser Streit in beiden Fällen nötig!? –
11Beides ist nötig. Würde er es nur bei der Festhütte gelehrt haben, so könnte man glauben, R.Jehuda vertrete seine Ansicht nur bei dieser, weil sie als Aufenthaltsort dient, und man es daher merkt, beim Durchgang aber, den man nur passiert, pflichte er den Rabbanan bei. Und würde er es nur [beim Durchgang] gelehrt haben, so könnte man glauben, die Rabbanan vertreten nur bei diesem ihre Ansicht, bei jenem aber pflichten sie R.Jehuda bei. Daher ist beides nötig. –
12Was heißt Sims? R.Ḥama, Sohn des Rabba b. Abuha, erklärte: Nesterartige [Verzierungen], Als R.Dimi kam, sagte er: Im Westen erklären sie: Zedernleisten.
13Nach dem es Zedernleisten waren, gilt dies um so mehr von nesterartigen Verzierungen, und nach dem es nesterartige Verzierungen waren, gilt es nicht von Zedernleisten. –
14Nach dem es Zedernleisten waren, wohl deswegen, weil sie hervorstehen; – auch bei der Festhütte steht ja [die Bedachung] hervor, dennoch ist sie nach den Rabbanan [über zwanzig Ellen] nicht zulässig!? –
15Vielmehr, da sie wertvoll sind, weiß man es.
16Befindet sich der Querbalken zum Teil innerhalb und zum Teil außerhalb der zwanzig [Ellen], die Bedachung [der Festhütte] zum Teil innerhalb und zum Teil außerhalb der zwanzig Ellen, so ist es, wie Rabba sagte, beim Durchgang zulässig und bei der Festhütte unzulässig. –
17Beim Durchgang ist dies wohl deshalb zulässig, weil [der Querbalken] als dünn zu betrachten ist, ebenso sollte auch bei der Festhütte [die Bedachung] als dünn betrachtet werden!? –
18Wenn du sie dünn machst, gewährt sie mehr Sonne als Schatten. –
19Ebenso kann ja der Querbalken, wenn du ihn zu dünn machst, vom Winde fortgetragen werden!? Du mußt also erklären, er werde dessen ungeachtet als eiserne Stange betrachtet, ebenso auch hierbei: dessen ungeachtet gewährt sie ja mehr Schatten als Sonne!?
20Raba aus Parziqa erwiderte: Bei der Festhütte, die für einen einzelnen bestimmt ist, bleibt es unbemerkt, beim Durchgang, der für das Publikum bestimmt ist, macht einer den anderen darauf aufmerksam.
21Rabina erwiderte: Bei der Festhütte, die ein Gebot der Tora ist, haben die Rabbanan erschwert, beim Durchgang, der ein rabbanitisches Gebot ist, haben die Rabbanan nicht erschwert.
22R.Ada b. Mathna lehrte es entgegengesetzt: So ist es, wie Rabba sagte, beim Durchgang unzulässig und bei der Festhütte zulässig. –
23Bei der Festhütte ist dies wohl deshalb zulässig, weil [die Bedachung] als dünn zu betrachten ist, ebenso sollte auch beim Durchgang [der Querbalken] als dünn betrachtet werden!? –
24Wenn du den Querbalken zu dünn machst, kann er vom Winde fortgetragen werden. – Ebenso gewährt ja auch [die Bedachung], wenn du sie zu dünn machst, mehr Sonne als Schatten!? Du mußt also erklären, dessen ungeachtet gewährt sie mehr Schatten als Sonne, ebenso auch hierbei: dessen ungeachtet wird er als eiserne Stange betrachtet!?
25Raba aus Parziqa erwiderte: Bei der Festhütte, die für einen einzelnen bestimmt ist, liegt es ihm ob, und er beobachtet es, beim Durchgang, der für das Publikum bestimmt ist, verläßt sich einer auf den anderen, und man beobachtet es nicht. Die Leute sagen nämlich: Ein gemeinschaftlicher Topf ist nicht warm und nicht kalt.
26Rabina erwiderte: Bei der Festhütte, die ein Gebot der Tora ist, ist keine Verschärfung nötig, beim Durchgang, der ein rabbanitisches Gebot ist, ist eine Verschärfung nötig. –
27Wie bleibt es damit? – Rabba b. R.U͑la sagte, es sei bei beiden unzulässig, Raba sagte, es sei bei beiden zulässig,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.