Eruvin — Blatt 40b
1R.Zera erwiderte: Anders ist [der Segen des] Neumonds; da man ihn beim Morgengebete und beim Abendgebete einschaltet, schaltet man ihn auch beim Zusatzgebete ein. —
2Aber ist denn die Schule Šammajs der Ansicht, daß man ihn einschalte, es wird ja gelehrt, daß, wenn der Neumond auf einen Šabbath fällt, man, wie die Schule Šammajs sagt, acht, und wie die Schule Hillels sagt, sieben Segenssprüche spreche!? — Ein Einwand.
3Über die Einschaltung selbst streiten Tannaím, denn es wird gelehrt: Wenn ein Šabbath auf einen Neumond oder auf ein Halbfest fällt, so spreche man im Abend-, im Morgen- und im Vespergebete wie gewöhnlich sieben Segenssprüche, und der Bedeutung [des Tages] erwähne man im Tempeldienstsegen; R.Elie͑zer sagt im Danksegen. Hat jemand deren nicht erwähnt, so lasse man ihn [das Gebet] wiederholen.
4Das Zusatzgebet beginne man mit der Šabbathformel und schließe man mit der Šabbathformel, und der Heiligkeit des Tages erwähne man in der Mitte.
5R.Šimo͑n b.Gamliél und R.Jišma͑él, Sohn des R.Joḥanan b.Beroqa, sagen, sobald man sieben Segenssprüche spricht, beginne man mit der Šabbathformel und schließe man mit der Šabbathformel, und der Heiligkeit des Tages erwähne man in der Mitte. —
6Wie bleibt es damit!? R.Ḥisda erwiderte: Eine Erwähnung genügt für beide. Ebenso sagte auch Rabba, eine Erwähnung genüge für beide.
7Ferner erzählte Rabba: Als wir bei R.Hona waren, fragten wir [ihn], ob man den Zeitsegen am Neujahr und am Versöhnungstage spreche: spreche man ihn, da sie von Zeit zu Zeit eintreffen, oder spreche man ihn nicht, da sie nicht ‘Feste’ heißen. Er wußte es nicht.
8Als ich zu R.Jehuda kam, sagte er: Ich spreche den Zeitsegen auch über einen neuen Kürbis. Da sprach ich zu ihm: Ich frage nicht, ob es erlaubt sei, ich frage, ob dies Pflicht sei. Dieser erwiderte: Rabh und Šemuél sagen beide, man spreche den Zeitsegen nur an den drei Festen.
9Man wandte ein: Gib einen Anteil an sieben, auch an acht. R.Elie͑zer sagte: Sieben, das sind die sieben Tage der Schöpfung; acht, das sind die acht Tage bis zur Beschneidung. R.Jehošua͑ sagte: Sieben, das sind die sieben Tage des Pesaḥfestes; acht, das sind die acht Tage des Hüttenfestes; und wenn es noch auch heißt, so schließt dies auch das Wochenfest, das Neujahr und den Versöhnungstag ein.
10Doch wohl hinsichtlich des Zeitsegens!? — Nein, hinsichtlich des [Fest]segens.
11Dies ist auch einleuchtend; wieso könnte damit der Zeitsegen gemeint sein, dieser wird ja nicht an allen sieben Tagen gesprochen!? — Das ist kein Einwand; wenn er an einem Tage nicht gesprochen wurde, wird er am nächsten oder am übernächsten Tage gesprochen. —
12Immerhin ist dazu ein Becher erforderlich. — Dies wäre also eine Stütze für R.Naḥman, denn R.Naḥman sagte, man spreche den Zeitsegen sogar auf der Straße? — Dies ist kein Beweis; vielleicht nur dann, wenn sich ihm ein Becher trifft. —
13Allerdings am Wochenfeste und am Neujahr, wie mache man es aber am Versöhnungstage: wenn man darüber den Segen spricht und darauf trinkt, so hat man ja, sobald man den Zeitsegen spricht, [den Versöhnungstag] auf sich genommen, und [das Trinken] ist dann verboten!?
14So fragte einst R.Jirmeja b. Abba den Rabh, ob er [die Arbeit] schon eingestellt habe, und dieser erwiderte, jawohl, er habe sie eingestellt.
15Wollte man darüber den Segen sprechen, und [den Becher] stehen lassen, so muß ja, wer den Segen [über Genußmittel] spricht, davon auch kosten. Und wollte man ihn einem Kinde [zu kosten] geben, so ist ja die Halakha nicht wie R.Aḥa [b. Ja͑qob], weil [das Kind] sich daran gewöhnen könnte. —
16Wie bleibt es damit? Die Rabbanan sandten R.Jeba den Greis am Vorabend des Neujahrs zu R.Ḥisda, indem sie zu ihm sprachen: Beobachte, wie er verfährt, dann komm und erzähle es uns. Als dieser ihn bemerkte, sprach er zu ihm: Hebt jemand ein feuchtes [Holzstück] auf, so braucht erden Platz. Darauf holte man ihm einen Becher Wein, und er sprach den Weihesegen und den Zeitsegen.
17Die Halakha ist, man spreche den Zeitsegen auch am Neujahr und am Versöhnungstage. Und die Halakha ist, man spreche den Zeitsegen sogar auf der Straße.
18Ferner erzählte Rabba: Als wir bei R.Hona waren, fragten wir [ihn], ob ein Jünger, der am Vorabend des Šabbaths im Fasten weilt, dasselbe beenden dürfe. Er wußte es nicht. Darauf kam ich vor R.Jehuda, und er wußte es ebenfalls nicht.
19Da sprach Raba: Wollen wir es untersuchen. Es wird gelehrt: Wenn der Neunte Ab auf einen Šabbath fällt,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.