Eruvin — Blatt 53a
1BRÜCKEN ODER GRÜFTE, DIE WOHNRÄUME HABEN, SICH BEFINDEN, SO WIRD DIE MESSUNG [DES WEICHBILDES] DIESEN ENTSPRECHEND ARRONDIERT. MAN BILDET DABEI EINE ART VIERECKIGE TAFEL, UM DIE WINKEL ZU GEWINNEN.
2GEMARA. Rabh und Šemuél [streiten]: einer liest mea͑brin, und einer liest meábrin.
3Wer meábrin liest, leitet es von éber [Glied] ab, und wer mea͑brin liest, leitet es von u͑bara [schwangere] Frau ab.
4Die Doppelhöhle. [Hierüber streiten] Rabh und Šemuél; einer sagt, es waren zwei Häuser, eines hinter dem anderen, und einer sagt, ein Haus und ein Söller darüber. —
5Erklärlich ist [die Bezeichnung] Doppelhöhle nach demjenigen, welcher sagt, ein Haus und ein Söller darüber, weshalb aber heißt es Doppelhöhle nach demjenigen, welcher sagt, zwei Häuser, eines hinter dem anderen!? —
6Weil es mit Paaren gedoppelt war. Mamre die Stadt der vier, erklärte R.Jiçḥaq, die Stadt der vier Paare: Adam und Ḥava, Abraham und Sara, Jiçḥaq und Ribqa, Ja͑qob und Leá.
7Und es geschah in den Tagen Amraphels. [Hierüber streiten] Rabh und Šemuél; einer sagt, sein eigentlicher Name war Nimrod, und Amraphel werde er deshalb genannt, weil er befahl, unseren Vater Abraham in den Schmelzofen zu werfen [amar vehippil], und einer sagt, sein eigentlicher Name war Amraphel, und Nimrod werde er deshalb genannt, weil er die ganze Welt widerspenstig gegen ihn machte [himrid].
8Da stand ein neuer König in Miçrajim auf. [Hierüber streiten] Rabh und Šemuèl; einer sagt, ein wirklich neuer, und einer sagt, dessen Verordnungen neu waren.
9Einer sagt, ein wirklich neuer, denn es heißt: ein neuer; einer sagt, dessen Verordnungen neu waren, da es nicht heißt: und es starb, und es regierte. —
10Wieso sagt der eine, dessen Verordnungen neu waren, es heißt ja: der Joseph nicht kannte!? — ‘Der Joseph nicht kannte’ ist zu verstehen, der so tat, als hätte er Joseph nicht gekannt.
11R.Joḥanan sagte: Achtzehn Tage verkehrte ich bei R.Oša͑ja Berabbi und lernte von ihm nur eine Sache in unserer Mišna, daß man (wie wird das Weichbild der Städte festgesetzt) meábrin, mit Aleph, lese. —
12Dem ist ja aber nicht so, R.Joḥanan sagte ja, R.Oša͑ja Berabbi habe zwölf Schüler gehabt, mit denen er achtzehn Tage Verkehr gepflegt und das Herz eines jeden und die Weisheit eines jeden studiert habe!? —
13Das Herz eines jeden und die Weisheit eines jeden hat er studiert, Gesetzeskunde aber nicht. Wenn du willst, sage ich: von ihnen hat er gelernt, von ihm aber nicht. Wenn du aber willst, sage ich: er spricht von einer Sache in unserer Mišna.
14Ferner erzählte R.Joḥanan: Als wir bei R.Oša͑ja die Tora studierten, pflegten wir je vier auf einer Elle zu sitzen. Rabbi erzählte: Als wir bei R.Elea͑zer b. Šamua͑ die Tora studierten, pflegten wir je sechs auf einer Elle zu sitzen.
15R.Joḥanan sagte [ferner]: R.Oša͑ja Berabbi in seinem Zeitalter war wie R.Meír in seinem Zeitalter; wie die Genossen R.Meírs (in seinem Zeitalter) in die Tiefe seiner Kunde nicht zu dringen vermochten, so vermochten die Genossen R.Oša͑jas (in seinem Zeitalter) in die Tiefe seiner Kunde nicht zu dringen.
16R.Joḥanan sagte [ferner]: Das Herz der Ersteren war wie die Pforte der Tempelhalle, das der Späteren wie die Pforte des Tempels, und unseres ist wie das Öhr einer Nähnadel.
17Die Ersteren, das ist R.A͑qiba; die Späteren, das ist R.Elea͑zar b. Šamua͑. Manche sagen, die Ersteren, das ist R.Elea͑zar b. Šamua͑; die Späteren, das ist R.Oša͑ja Berabbi. Und unseres ist wie das Öhr einer Nähnadel.
18Abajje sagte: Wir aber, wie ein Pflock in der Wand für das Studium. Raba sagte: Wir aber, wie ein Finger in Wachs für das Verständnis. R.Aši sagte: Wir für die Vergeßlichkeit, wie ein Finger in eine Grube.
19R.Jehuda sagte im Namen Rabhs: Den Judäern, die auf ihre Sprache achteten, blieb ihr Studium erhalten, den Galiläern, die auf ihre Sprache nicht achteten, blieb ihr Studium nicht erhalten. —
20Hängt es denn von der Achtung [auf die Sprache] ab!? — Vielmehr, den Judäern, die die Redewendung [ihrer Lehrer] genau beachteten und sich dafür Zeichen machten, blieb ihr Studium erhalten; den Galiläern, die die Redewendung [ihrer Lehrer] nicht genau beachteten und sich dafür keine Zeichen machten, blieb ihr Studium nicht erhalten.
21Die Judäer lernten von einem Lehrer, daher blieb ihnen ihr Studium erhalten; die Galiläer lernten nicht von einem Lehrer, daher blieb ihnen ihr Studium nicht erhalten.
22Rabina sagte: Den Judäern, die die Lehre freigelegt haben, blieb ihr Studium erhalten, den Galiläern, die die Lehre nicht freigelegt haben, blieb ihr Studium nicht erhalten.
23David hat die Lehre freigelegt, Šaúl hat die Lehre nicht freigelegt. Von David, der die Lehre freigelegt hat, heißt es: die dich fürchten, werden mich sehen und sich freuen; von Šaúl, der die Lehre nicht freigelegt hat, heißt es: und wohin er sich wandte,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.