Eruvin — Blatt 53b

1verdammte er.

2R.Joḥanan sagte: Woher, daß der Heilige, gepriesen sei er, ihm jene Sünde vergeben hat? Es heißt: morgen bist du samt deinen Söhnen bei mir; bei mir, in meinem Abteil.

3R.Abba sprach: Gibt es vielleicht jemand, der die Judäer, die die Redewendung [ihrer Lehrer] genau beachten, fragen könnte, ob es meábrin oder mea͑brin, ob ákuzo oder a͑kuzo heiße; sie wissen es.

4Als man sie fragte, erwiderten sie: Manche lesen meábrin und manche lesen mea͑brin, manche lesen ákuzo und manche lesen a͑kuzo.

5In welcher Weise achten die Judäer auf ihre Sprache? — Einst sagte ein Judäer, er habe einen Mantel zu verkaufen, und als man ihn fragte, welche Farbe sein Mantel habe, erwiderte er: Wie Mangold auf dem Erdboden. —

6In welcher Weise achten die Galiläer nicht auf ihre Sprache? — Einst fragte ein Galiläer: Wer hat ein amar [zu verkaufen]? Da sprachen sie zu ihm: Dummer Galiläer, [verlangst du] ein ḥamar [Esel] zum Reiten, ein ḥamar [Wein] zum Trinken, ein a͑mar [Wolle] zu einem Kleidungsstücke, oder ein immar [Lamm] zum schlachten?

7Einst wollte eine Frau zu ihrer Genossin sagen: [Freundin,] komm, ich will dir Fett zu essen geben, und sagte, Verworfene, eine Löwin möge dich fressen.

8Einst kam eine Frau vor einen Richter und sprach zu ihm: Herr Knecht, ich hatte einen Balken, und man hat dich mir gestohlen; er war so [groß], daß, wenn man dich an diesen gehängt hätte, deine Füße nicht bis zur Erde gereicht haben würden.

9Wenn die Magd Rabbis sich einer geheimen Sprache bedienen wollte, sagte sie: Der Heber schlägt an den Weinkrug, sollen die Adler nach ihren Nestern fliegen?

10Wenn er wollte, daß man noch reiche, erwiderte er ihr: Man entferne die Kröne des Nächsten, sodann wird der Heber im Krug schwimmen, wie ein Nachen auf dem Meere.

11Wenn R.Jose b. Asjan sich einer geheimen Sprache bedienen wollte, sagte er: Bereitet mir Ochsenrecht mit Armenberg.

12Wenn er sich über eine Gaststätte erkundigen wollte, fragte er: Wie ist der Mann-Mund-dieser-roh?

13Wenn R.Abahu sich einer geheimen Sprache bedienen wollte, sagte er: Macht die Kohlen orangenfarbig, breitet die Goldigen aus und macht mir zwei Verkünder im Dunklen. Manche lesen: Macht mir daraus zwei Verkünder im Dunklen.

14Die Rabbanan sprachen zu R.Abahu: Laß uns schauen, wo R.Elea͑j sich aufhält. Dieser erwiderte: Er amüsiert sich mit einem zweiten geweckten ahronitischen Mädchen, mit dem er [die Nacht] durchwachte.

15Manche erklären, mit einem Weibe,

16und manche erklären, mit einer Lehre.

17Sie sprachen zu R.Elea͑j: Laß uns schauen, wo R.Abahu sich aufhält. Dieser erwiderte: Er beriet sich mit dem Krönenden und begab sich südwärts zu Mephibošeth.

18R.Jehošua͑ b. Ḥananja sagte: Lebtags besiegte mich niemand als eine Frau, ein Knabe und ein Mädchen. Wieso eine Frau? Einst kehrte ich in ein Gasthaus ein, wo mir [die Wirtin täglich] Bohnen vorsetzte. Am ersten Tage aß ich alles auf und ließ nichts zurück, am zweiten Tage ließ ich ebenfalls nichts zurück; am dritten Tage aber versalzte sie sie, und als ich davon kostete, ließ ich die Hand davon.

19Da sprach sie zu mir: Meister, weshalb issest du nicht? Ich erwiderte ihr: Ich habe heute bereits gegessen. Darauf sprach sie: Da solltest du auch vom Brote deine Hände lassen.

20Alsdann sprach sie: Meister, vielleicht deshalb, weil du in den ersten [Tagen] nichts zurückgelassen hast? Sagten doch die Weisen, man brauche nichts im Topfe zurückzulassen, wohl aber im Teller.

21Wieso ein Mädchen? Einst befand ich mich auf der Reise und passierte einen Steg, der durch ein Feld führte. Da rief mir ein Mädchen zu: Meister, ist es nicht ein Feld? Ich erwiderte: Ist es nicht ein ausgetretener Weg? Da entgegnete sie mir: Plünderer deinesgleichen haben ihn ausgetreten.

22Wieso ein Knabe? Einst befand ich mich auf der Reise, und als ich einen Knaben an einem Scheidewege sitzen sah, fragte ich ihn, welcher Weg nach der Stadt führe. Dieser erwiderte: Der eine Weg ist kurz, aber länger, der andere ist lang, aber kürzer. Ich ging den kurzen, der länger war. Als ich aber die Stadt erreichte, sah ich, daß sie von Gemüse- und Obstgärten umgeben war.

23Hierauf kehrte ich um und sprach zu ihm: Mein Sohn, du sagtest mir ja, dieser sei kurz! Da erwiderte er: Sagte ich dir nicht: aber länger? Da küßte ich ihn aufs Haupt, indem ich sprach: Heil dir, Jisraél, die ihr alle sehr weise seid, von Groß bis Klein.

24R.Jose der Galiläer ging einst auf dem Wege, und als er Berurja traf, fragte er sie: Über welchen Weg geht man nach Lud? Da erwiderte sie ihm: Dummer Galiläer, die Weisen sagten ja, daß man nicht viel mit einem Weibe rede; du solltest sagen: welcher nach Lud?

25Einst bemerkte Berurja einen Schüler, wie er leise studierte;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.